Koalitionsvertrag 2018 entschlüsseln: Bürokratieabbau

Neusprech, von George Orwell im Buch 1984 zum ersten Mal erklärt, ist die Umkehrung der Bedeutung von Begriffen:

„Krieg ist Frieden
Freiheit ist Sklaverei
Unwissenheit ist Stärke“
George Orwell

Einige aktuelle Beispiele:
Entlassung, Kündigung – Freisetzung
Sozialabbau – Reformen
Debatte um Gerechtigkeit – Neiddebatte
Vertreibungspolitik – Siedlungspolitik
Demokratieabbau – Bürokratieabbau 

Schnappen wir uns mal den Begriff Bürokratieabbau und lesen den dazu passenden Absatz im neuen Koalitionsvertrag. Dann tauschen wir den Begriff gegen Demokratieabbau aus und lesen es noch einmal. Das ergibt folgenden Text:

Start bei Zeile 2860:

Demokratieabbau
Wir treiben den Abbau von Demokratie weiter voran und stärken damit die Wirtschaft. Deshalb wollen wir für diese durch Entlastungen neue Freiräume für ihr Kerngeschäft und neue Investitionen schaffen. Im Rahmen eines Demokratieabbaugesetzes III werden wir insbesondere die Statistikpflichten weiter verringern. Darüber hinaus werden wir weiterhin u. a. die Vereinheitlichung von Grenz- und Schwellenwerten in verschiedenen Rechtsbereichen, die Harmonisierung, z. B. von handels- und steuerrechtlichen Vorschriften, zeitnahe Betriebsprüfungen durch die Finanzbehörden, die Vermeidung von Doppelmeldung zur Berufsgenossenschaft, die Überprüfung von Schwellenwerten vor allem im Steuer- und Sozialrecht sowie bei Berichtspflichten und der Verwendungspflicht bestimmter Formulare anstreben. Wir setzen eine ressortübergreifende Bund-Länder-Arbeitsgruppe ein, die zur signifikanten Reduzierung der Statistikpflichten bis Ende 2019 konkrete Vorschläge erarbeitet. Europäische Vorgaben werden wir nicht mit zusätzlichen demokratischen Belastungen versehen. Auf europäischer Ebene setzen wir uns für die Einführung des Prinzips „one in, one out“ ein. National kann die Demokratie- und Kostenbremse „one in, one out“ nur erfolgreich sein, wenn die laufenden Kosten erfasst werden. Wir werden uns bei der EU für eine angemessenere Abgrenzung für kleine und mittlere Unternehmen einsetzen, die zukünftig bis zu 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umfassen soll, damit mehr Unternehmen von europäischen Berichtspflichten entlastet werden. Verwaltungsmodernisierung und E-Government bergen enorme Potenziale, um die Demokratielasten zu reduzieren und die Verfahren zu beschleunigen.

https://www.cdu.de/system/tdf/media/dokumente/koalitionsvertrag_2018.pdf?file=1

Psychologischer Gehalt neoliberaler Wirtschaftstheorie und gesellschaftspolitischer Diskurse

Denkgifte - Psychologischer Gehalt neoliberaler Wirtschaftstheorie und gesellschaftspolitischer Diskurse von Thomas Gerlach, Einleitung:

"Die Schwachen müssen sich verändern oder sterben“. Das forderte der Daimler Chrysler Vorsitzende Robert J. Eaton im Juli 1999 bei einem Kolloquium der Alfred-Herrhausen-Gesellschaft mit dem Motto "Der Kapitalismus im 21. Jahrhundert". Nach dem "Ende der Geschichte" schafft sich also das freie Unternehmertum eine Welt nach seinem Bilde. Die Schwachen sind alle Menschen, die keine Geld- oder Produktivvermögen besitzen, und alle Völker, die sich dem internationalen Kapital noch nicht "geöffnet" haben. Denen will "Der Kapitalismus im 21. Jahrhundert" nur die Unterwerfung unter sein Diktat oder den Tod durch Hunger oder Krieg zugestehen.

Für die noch Lebenden hält die kapitalistische Realität indessen Befindlichkeiten bereit, die von psychologischem Interesse sind: Zunehmende Sinn-und Perspektivlosigkeit, Existenz- und Zukunftsängste, Vereinsamung und Verzweiflung.

Den Hintergrund bildet nichts weniger als die globale Krise: In vielen in Unterentwicklung gehaltenen Ländern der südlichen Hemisphäre herrscht weiterhin entsetzliches Elend. Auch in westliche Metropolen und vormals sozialistische Länder sind Armut und Massenarbeitslosigkeit zurückgekehrt.

Bereits jetzt verheerende Umweltschäden werden nicht beseitigt, sondern vergrößert, die natürlichen Lebensgrundlagen künftiger Generationen ernsthaft gefährdet.

Soziale und demokratische Rechte, einst von Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegungen erkämpft, werden im Zuge weltweiter "Deregulierung" außer Kraft gesetzt.

Mit der Wiederkehr nationalistischer, teils gar neofaschistischer Bewegungen und dem Aufstieg unverfasster, keiner demokratischen Kontrolle unterliegender Mächte (wie der europäischen Zentralbank) wächst die Gefahr einer autoritären Formierung von Staat und Gesellschaft.

Vorbilder für die Jugend

Ich saß da und laß da meine Pravda als an Haltestelle Gymnasium Ottersdorf eine Ladung junger Männer hereinkam und sich auf allen Sitzen um mich verteilte. Ihr Gespräch war mitten im Gange, und ich saß zwar am Rande, war jedoch plötzlich mittendrin.
"Und wen hast du dir ausgesucht als Vorbild?" fragte der mit Strickpullover den mit den Tunnels.
"Altaaa, kein Ahnung. Ich kenn niemanden, der cool ist. Wir sind doch alle Egoisten. Egoimus ist menschlich."
"Nur weil du ein Egoist bist, müssen das ja nicht gleich alle sein. Also wen?"
Dann nannte Mr Tunnel &Tatoo einen Namen, den ich nicht kannte.
"Im Ernst? Den haste genommen?"
"Ja, was dagegen? Wen hast du denn genommen?"
Da schaltet sich der links neben mir ein.
"Ich habe keine Ahnung von Vorbildern. Da gibt es überhaupt niemanden. Ich kenn keinen."
Das sorgte für allgemeine Erleichterung. Ich dachte mir:
"Wow! Wirklich? Die haben keine Vorbilder mehr? Daher weht der Wind, der eisige. So unsichtbar hat die Propaganda also die Vorbilder gemacht. Krass!"
Wie es geschah erinnere ich mich nicht mehr, ich fand gerade ich eine Seite, groß, weiß, mit einer Liste:

Vorbilder für die Jugend

Hans Herbert von Arnim
Rudolf Bahro
Gerhart Baum
August Bebel
Oskar Brüsewitz

Andreas von Bülow
Jürgen Elsässer
Eugen Drewermann
Robert Dürr
Rudi Dutschke

Wolfgang Eggert
Bernt Engelmann
Erhard Eppler
Lion Feuchtwanger
Klaus Förster

Gisela Friedrichsen
Jonas Geist
Gero Gemballa
Josef Ginsburg (J.G. Burg)
Julius Hackethal

Edmund Haferbeck
Robert Havemann
Gustav Heinemann
Diether Huhn
Petra Kelly

Maximilian (Raimund) Kolbe
Ingrid Köppe
Gabriele Krone-Schmalz
Rolf Lamprecht
Hermann Lange

Julius Leber
Hans Leyendecker
Rosa Luxemburg
Uwe Maeffert
Winfried Maier

Matthias Matussek
Gerhard Mauz
Eduard Müller
Ingo Müller
Michael Müller

Wolfgang Neskovic
Martin Niemöller
Carl von Ossietzky
Claus Plantiko
Johannes Prassek

Bernd Rabehl
Bettina Röhl
Jürgen Roth
Walter Sauermilch
Karl Albrecht Schachtschneider

Harald Schmidt
Egon Schneider
Sophie (Sophia) Scholl
Peter Scholl-Latour
Erich Schöndorf

Kurt Schumacher
Albert Schweitzer
Hans-Joachim Selenz
Baldur Springmann
Jochen Steffen

Karl Friedrich Stellbrink
Hans-Christian Ströbele
Holger Strohm
Kurt Tucholsky
Sahra Wagenknecht

Otmar Wassermann
Günter Zehm
Jean Ziegler

http://www.luebeck-kunterbunt.de/Kunterbunt/Vorbilder.htm



Die unsichtbare Herrschaft

"Wenn eine überschaubare Gruppe von Menschen dauerhaft über die große Masse Macht ausüben will, ist die Stabilität des Systems nur dann zu erreichen, wenn man die wichtigste Ressource kontrolliert. Wissen. Was das Volk nicht weiß, noch nicht einmal erahnt, kann es auch nicht auf die Barrikaden bringen. Nach diesem simplen Prinzip herrschen die sogenannten Eliten nun schon seit Tausenden von Jahren über ihre jeweiligen Untertanen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ein System sich "Demokratie" nennt oder nicht. [...] Das Machtsystem "Neoliberalismus" hat es geschafft, nahezu unsichtbar zu werden und zu herrschen. Es ist auf allen Feldern aktiv, während es gleichzeitig so fassbar ist, wie eine grüne Schlange im schlammigen Wasser." schreibt KenFm zum folgenden Vortrag:

Prof. Rainer Mausfeld: Die Angst der Machteliten vor dem Volk

Uwe Krüger: Woran man Propaganda erkennt

Vom 26.-28.01.2018 fand die IALANA Medientagung in Kassel statt, organisiert von der deutschen Sektion der „International Association of Lawyers against Nuclear Arms (IALANA).
Anlass für die Tagung war die unumstößliche Tatsache, dass das Vertrauen in die Berichterstattung der deutschen Medien zweifelsohne nachgelassen hat.
Es ging also um das Thema „Krieg und Frieden in den Medien“ und die Frage: Kann man ein Leitbild „Friedensjournalismus“, eine der Wahrheit verpflichtete und deeskalierende Berichterstattung etablieren?
Auf der Tagung sprachen bzw. diskutierten u.a.
  • Daniela Dahn (Journalistin und Autorin),
  • Max Uthoff (Kabarettist u.a. Die Anstalt und Jurist),
  • Dr. Sabine Schiffer (Institut für Medienverantwortung),
  • Prof. Dr. Günther Rager (TU Dortmund),
  • Maren Müller (Ständige Publikumskonferenz öffentlich-rechtliche Medien e.V.),
  • Markus Fiedler (Lehrer, Autor u.a. von „Die dunkle Seite der Wikipedia“),
  • Prof. Dr. Ulrich Teusch (Autor),
  • Dr. Kurt Gritsch (Institut für Zeitgeschichte Innsbruck),
  • Prof. Dr. Gabriele Krone-Schmalz (ehem. ARD),
  • Albrecht Müller, (Herausgeber der NachDenkSeiten),
  • Dr. Uwe Krüger (Universität Leipzig),
  • Ekkehard Sieker (u.a. Team Die Anstalt),
  • Prof. Dr. Jörg Becker (Politikwissenschaftler),
  • Volker Bräutigam und Friedhelm Klinkhammer (ehem. ARD und NDR; Programmbeschwerden),
  • Jens Berger (Redakteur NachDenkSeiten),
  • Pascal Luig (Chefredakteur WeltnetzTV),
  • Jens Wernicke (RUBIKON) Dr. Ute Finkh-Krämer (EX-MdB),
  • Reiner Braun (Co-Präsident IPB) und
  • Tilman Wörtz (Peace Counts).
Einen musikalischen Höhepunkt setzte zum Abschluss des zweiten Tagungstages Konstantin Wecker mit einem Konzert für die TeilnehmerInnen.
Weltnetz.tv hat an der Medientagung teilgenommen und die einzelnen Beiträge aufgenommen.
Mein Lieblingsvortrag ist von Uwe Krüger zum Thema Propaganda.

https://www.youtube.com/watch?v=8C7p8zC0reo

Sein wichtigste Buch ist das: http://www.halem-verlag.de/meinungsmacht-und-elite-journalismus/

Privatisierung, Steuersenkungen und Sozialstaatsabbau

Bei Wikipedia steht: Die Mont Pèlerin Society (MPS) ist ein 1947 von Friedrich von Hayek gegründeter Zusammenschluss von Akademikern, Geschäftsleuten und Journalisten, der das Ziel verfolgt, zukünftige Generationen von wirtschaftsliberalen Ideen zu überzeugen. Sie fungiert als zentraler Knotenpunkt neoliberaler Netzwerke.[Quelle]

https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-die-mont-pelerin-gesellschaft-100.html

Und das ist das faktische Handeln dieser Denker:

https://www.youtube.com/watch?v=kpuemTD-XI4

Und falls sich jemand dafür interessiert, was uns von den Mächtigen unterscheidet: Es ist der lange Atem im Bewusstsein für eine gemeinsame Sache auch über Generationen hinweg zu wirken!

https://de.wikipedia.org/wiki/Colloque_Walter_Lippmann

Die beste psycho-soziale Politikanalyse der Gegenwart

Texte des Verlags:
Unsichtbares Komitee - Der Kommende Aufstand
Erschienen August 2010

»Dies ist möglicherweise das Böseste, was ich jemals gelesen habe.«
Glenn Beck, Fox News, USA
Der Aufstand kommt ist ein Buch, das neueste Zeitgeschichte geschrieben hat: Nach Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde es von der französischen Regierung als einziges Beweisstück eines mittlerweile international bekannten »Terrorismusfalls« gehandelt, als ein »Handbuch des Terrorismus« und Vorwand für die skandalöse, z.T. monatelange Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Tatsächlich enthält des Buch eine pointierte, situationistisch geprägte Analyse der Reaktionen von Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und Volksaufstände in den letzten Jahren. Die brennenden Vorstädte in Frankreich, die Straßengewalt in Griechenland usw. werden von den Regierungen als Gefahr gesehen, die polizeilich und militärisch gebändigt werden müsse, wobei das »Krisenmanagement« die Gesellschaft auch zusammenhalten soll. Für die Autoren dieses Manifests hingegen sind die Revolten revolutionäre Momente, Symptome des Zusammenbruchs der westlichen Demokratien, die sich gegenseitig verstärken und sich ausbreiten. Sie fordern einen Kommunismus, der als »ergebnisoffener« Prozess die Bildung von Kommunen sowie die Restrukturierung der Ökonomie in kleine, lokale Einheiten vorsieht und plädieren für eine anonyme Position der Unsichtbarkeit.
»Nur wir, die in Betonklötzen zur Welt kommen, in Supermärkten Obst pflücken und im Fernsehen nach dem Echo der Welt Ausschau halten, bringen es fertig, geduldig die Enzyklopädie des Desasters zu erstellen.« Unsichtbares Komitee

Unsichtbares Komitee - An unsere Freunde
Erschienen April 2015

Die Aufstände sind gekommen – das Unsichtbare Komitee ist zurück, mit einem Bericht über eine Welt in Bewegung und einer Anleitung zur Revolution
Der kommende Aufstand entfachte eine breite und kontroverse internationale Debatte. Seitdem haben die Mitglieder und Freunde des Unsichtbaren Komitees weiter gekämpft, sich organisiert, sind in alle Ecken der Welt gereist – dorthin, wo sie Feuer fing – und haben mit Freunden aus vielen Ländern diskutiert: in Tunesien, Griechenland, der Türkei, Syrien, Quebec, Brasilien, Schweden, Israel, England, in Deutschland usw. An unsere Freunde ist unmittelbar aus dieser Bewegung heraus geschrieben. Die Worte kommen aus dem Herzen der Unruhen und richten sich an jene, die noch stark genug an das Leben glauben, um zu kämpfen.
An unsere Freunde ist ein Bericht über den Zustand der Welt und der Bewegung, ein wesentlich strategischer und offen parteiischer Text. Sein politischer Ehrgeiz ist maßlos: Er will eine von unserer gesamten Epoche geteilte Verständlichkeit schaffen, trotz der gegenwärtigen äußersten Verwirrung.

Das Unsichtbare Komitee - Jetzt
Erschienen Oktober 2017

Der Kommentar des Unsichtbaren Komitees zu den aktuellen Protestbewegungen in Frankreich
»Jetzt« ist ein Interventionstext. Er hat sich aufgedrängt, da die wesentlichen Vorhersagen des Unsichtbaren Komitees nun eingetreten sind – deutlicher Abscheu vor der Polizei, Ernüchterung angesichts ermüdender Parlamentsdebatten, Blockade als zentrales Mittel, Wiederkehr der Idee der Commune, Widerstand, der von Radikalen auf das Bürgertum überspringt, die Weigerung, sich regieren zu lassen.
»Jetzt« ist am Anfang eines Jahres erschienen, in dem es für die Macht darum ging, unter dem Vorwand eines Präsidentschaftswahlkampfes all das wieder in das marode Gerüst der klassischen Politik zurückzupressen, was diese bereits jetzt übersteigt, sich ihr entzieht, ihrer überdrüssig ist.
Die massiven Protestbewegungen in Frankreich des Jahres 2016 sind Zeugnis eines politischen Konflikts, der in seiner Bedeutung dem Mai '68 in nichts nachsteht.
»Jetzt« entwirft einen alternativen Weg zur verordneten stickigen Atmosphäre, plädiert für ein anderes Modell als die Wahlen: für die Absetzung der Macht. Für neue Lebensformen und nicht für neue Verfassungen; für Verweigerung und Stille statt lärmender Proklamationen. Es wird keinen Umsturz der bestehenden Ordnung geben ohne das Bekenntnis zu einem wünschenswerten Leben. Die zerstörerische Kraft des revolutionären Prozesses kann nichts ausrichten ohne jene Ladung stiller Positivität, die jeder glücklichen Existenz innewohnt.

http://www.edition-nautilus.de/programm/Flugschriften/list-self.html?o=32

Pro Vegan! - für Ärzte

How Not to Die: An Animated Summary






















Bildung zur Kompetenz ohne Inhalt?

Alfred Lumpe: „Es reicht nicht aus, wenn sie nur Wissen reproduzieren und rezitieren können, sondern sie müssen mit diesem Wissen umgehen können. Sie müssen unter Anwendung ihres Wissens handeln können. Sie  müssen dieses Wissen bewerten können und in neue Situationen übertragen können. Sie müssen das Wissen verwenden, in andere Zusammenhänge transferieren, zum Lösen von Problemen und komplexen Aufgaben intelligent anwenden können. Dieses Handeln muss in der Schule eingeübt werden.“

„Es kommt jetzt nicht mehr ausschließlich darauf an, Wissen zu vermitteln (im Sinne von transportieren), sondern in diesem Bild kommt es darauf an, Situationen zu schaffen, in denen 20 Individuen ihre individuellen Bildungsprozesse optimal – und jeder dieser 20 hat eine eigene Optimierungslinie – entwickeln können. Wenn Lehrkräfte derartige Prozesse organisieren sollen, müssen sie dies auf der Grundlage entsprechender struktureller Vorgaben auch dürfen.“

„Es kann dann in Lehrplänen nicht mehr festgelegt werden, welche Inhalte wann gelehrt werden sollen. Dann müssen Lehrpläne zu Bildungsplänen werden, die mit anderen Vorgaben zur Grundlage für die Steuerung der Lernprozesse werden. Mit den Bildungsplänen müssen die Ergebnisse beschrieben und Gestaltungsräume eröffnet werden. Am Ende des Lernprozesses soll der Lernende und zwar jede Schülerin und jeder Schüler über bestimmte Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse verfügen und in der Lage sein, bestimmte Handlungen durchzuführen. Diese Anforderungen, also die Ergebnisse von Lernprozessen, sind die Vorgaben in Bildungsplänen. Das ist der Unterschied, der große Unterschied zwischen inhaltsbezogenen Lehrplänen und kompetenzorientierten Bildungsplänen, in denen definiert wird, welche Anforderungen ein Schüler oder eine Schülerin in der Regel erfüllen soll, wenn er oder sie einen ganz bestimmten Bildungsabschluss erreichen will. Der Unterschied zwischen Lehrplänen und Bildungsplänen ist die Konsequenz aus der Weiterentwicklung des Wissens über die Steuerungsmöglichkeiten von Lernprozessen. In den kompetenzorientierten Bildungsplänen sind Vorgaben zu den Kompetenzen enthalten, die die Schülerinnen und Schüler am Ende eines Bildungsabschnittes erworben haben sollen.“

„Was ein Schüler oder eine Schülerin zu einem bestimmten Zeitpunkt können soll, umfasst damit sowohl Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten, aber auch Bereitschaften, Haltungen, Einstellungen, Strategien und  Routinen, über die die Schülerinnen und Schüler verfügen sollen.“

hlz:
„Es ist also dem Lehrer völlig frei gestellt, was er und welche Literatur er mit den Schülern behandelt?

Alfred Lumpe:
„Ja und nein, es kommt darauf an, was unter „freigestellt“ verstanden wird. Mit kompetenzorientierten Bildungsplänen ist es der Lehrkraft völlig freigestellt, welche Literatur sie behandelt.“

„Müssen alle Schüler im November und Dezember Goethes Faust lesen und im Januar eine Klausur darüber schreiben oder ist man differenzierter und sagt, wir bieten an – klar Goethes Faust, der hat sich bewährt.“

hlz
„Ein Hohelied auf die Kollegenschaft, der damit eine große Verantwortung zukommt. Ich danke Ihnen für das Gespräch!“

Auszüge aus dem GEW
Interview mit Dr. Alfred Lumpe, verantwortlich in der BSB für die Bildungspläne, über den Wandel des Lernens

https://www.gew-hamburg.de/themen/schule/kompetenz-ist-niemals-wissensfrei

Pro Vegan!

Tiere denken: Vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen

Wie sollen wir mit Tieren umgehen? Wir lieben und wir hassen, wir verzärteln und wir essen sie. Doch ist unser Umgang mit Tieren richtig und moralisch vertretbar? Richard David Precht untersucht mit Scharfsinn, Witz und Kenntnisreichtum quer durch alle Disziplinen die Strukturen unserer Denkmodelle. Ist der Mensch nicht auch ein Tier – und was trennt ihn dann von anderen Tieren? Welche Konsequenzen hat das für uns? Precht schlägt einen großen Bogen von der Evolution und Verhaltensforschung über Religion und Philosophie bis zur Rechtsprechung und zu unserem Verhalten im Alltag. Dürfen wir Tiere jagen und essen, sie in Käfige sperren und für Experimente benutzen? Am Ende dieses Streifzugs steht eine aufrüttelnde Bilanz. Ein Buch, das uns dazu anregt, Tiere neu zu denken und unser Verhalten zu ändern!

Tiere essen

»Tiere essen« ist ein leidenschaftliches Buch über die Frage, was wir essen und warum. Als Jonathan Safran Foer Vater wurde, bekamen seine Fragen eine neue Dringlichkeit: Warum essen wir Tiere? Würden wir sie auch essen, wenn wir wüssten, wo sie herkommen?
Foer stürzt sich mit Leib und Seele in sein Thema. Er recherchiert auf eigene Faust, bricht nachts in Tierfarmen ein, konsultiert einschlägige Studien und spricht mit zahlreichen Akteuren und Experten. Vor allem aber geht er der Frage auf den Grund, was Essen für den Menschen bedeutet.

»Tiere essen ist nicht nur ein Buch gegen das Essen von Tieren, sondern eins gegen das Verdrängen. eine Aufforderung, Zivilisation neu zu denken: nicht als Herrschaft der Starken über die Schwachen. Sondern als intellektuelle Fähigkeit, die Barbarei zugunsten von Empathie zu überwinden.« Frankfurter Rundschau

Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen. Karnismus – eine Einführung

In ihrem bahnbrechenden Buch »Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen« untersucht die amerikanische Psychologin Dr. Melanie Joy, wie wir dazu kommen, manche Tiere als Freunde zu betrachten, andere dagegen als Nahrung – ohne dass wir diese Unterscheidung plausibel begründen könnten.

Joy erläutert die komplexen sozialen und psychologischen Mechanismen, durch die bestimmte Lebewesen in unseren Augen zu Lebensmitteln werden. Und sie zeigt, dass diese Mechanismen unterschwellig wirken, ähnlich wie bei anderen Formen der Diskriminierung. Für das unsichtbare Glaubenssystem, das darin wurzelt, hat sie einen eigenen Begriff geprägt: „Karnismus“.

»Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen« ist also kein weiteres Buch, das uns erklärt, weshalb wir kein Fleisch essen sollten. Stattdessen erfahren wir hier, warum wir es tun, und erhalten so die Möglichkeit, unsere Konsumentscheidungen aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Vegan, aber günstig. Spar dir das Tier

Wie schaffe ich es, günstig, gesund, ­abwechslungsreich und vegan zu leben?­

Der vegane Alltag muss nicht teuer oder kompliziert sein. Wenn man weiß wie, reicht der Gang zum nächsten Supermarkt, um sich ausgewogen vegan ernähren zu können, ohne auf teure Ersatzprodukte zurückgreifen zu müssen.

Patrick Bolk greift auf seine jahrelange Erfahrung als Veganer zurück und gibt in seinem neuen Buch »Vegan, aber günstig« Ratschläge, wie man auch mit günstigen Produkten aus dem Supermarkt um die Ecke Gerichte zubereiten kann, die nicht nur lecker und vielfältig sind, sondern auch alle wichtigen Nährstoffe enthalten. Neben 50 Rezepten finden sich Tipps zur Haltbarmachung und optimalen Verwertung von Obst und Gemüse, alternativer Lebensmittelbeschaffung und der kostengünstigen Zubereitung von Fleischersatz, Pflanzenmilch & Co.

Mit den hier versammelten Kniffs und Tricks können ganz leicht tolle vegane Gerichte aus saisonalem Obst und Gemüse, gesunden Grundnahrungsmitteln und neu entdeckten Produkten gezaubert und sogar vegane Putzmittel und Kosmetik selber hergestellt werden – einfach, abwechslungsreich und für wenig Geld!

Oh she glows! – Das Kochbuch: Über 100 vegane Rezepte, die den Körper zum Strahlen bringen

Die Kanadierin Angela Liddon ist Autodidaktin in Sachen Kochen und Fotografie. Ihr kulinarisches Knowhow auf dem Gebiet der rein pflanzlichen Küche hat sie über viele Jahre hinweg bis ins Detail perfektioniert und dabei innovative und köstliche Rezepte entwickelt, die ihr eine treue Fangemeinde auf der ganzen Welt eingebracht haben.

Ihr Kochbuch »Oh she glows!« enthält sowohl umgewandelte Klassiker als auch unglaublich frische und innovative Gerichte voll von purem Geschmack – vom Walnuss-Avocado-Birnen-Salat und der Tomatensuppe mit Kichererbsen-Croutons über Veggie-Burger und geröstete Regenbogen-Möhren bis zu Chia-Donuts und dem himmlisch knusprigen Ahorn-Zimt-Mandelmus.

Viele der Rezepte sind für Allergiker geeignet – mit mehr als 90 glutenfreien Gerichten und vielen, die gänzlich auf Soja, Nüsse, Zucker und Getreide verzichten. Egal ob Sie vegan leben oder einfach nur neugierig sind und köstliche Rezepte ausprobieren wollen: Dieses Kochbuch ist eine Muss für alle, die gut essen, sich großartig fühlen und einfach strahlen wollen!

Vegan in Topform – Der vegane Ernährungsratgeber für Höchstleistungen in Sport und Alltag

Brendan Brazier, kanadischer Triathlet und Ironman, ist ein führender Pionier für vegane Ernährung. Sein Werk »Vegan in Topform« ist ein Kultbuch der weltweiten Veganbewegung.

Bereits im Alter von 15 Jahren entschied er sich, Profisportler zu werden. Im Laufe seiner Karriere erforschte er minutiös, welche Ernährung seine Leistung und vor allem die Regenerationsphase optimierte. Das Ergebnis ist die legendäre Thrive-Diät, die bereits viele Spitzensportler zu einer olympischen Medaille geführt hat. Die Thrive-Diät richtet sich nicht nur an Profi­sportler, sondern an jeden, der optimale Gesundheit und Leistungsfähigkeit erlangen  und Krankheiten vorbeugen möchte.

Brendan Brazier hat die vegane Ernährung revolutioniert und achtet dabei auf eine ausgewogene Kost mit ausreichend Proteinen und anderen Nährstoffen. Hier setzt er auch auf Superfood wie die Andenwurzel Maca, die legendäre Alge Chlorella oder das nahrhafte Hanfprotein.

Die Thrive-Diät führt zum Abbau von Körperfett und Aufbau von Muskelmasse, zu Leistungssteigerung, weniger Stress und Heißhunger auf Junkfood, geistiger Klarheit und besserem Schlaf.

Mit 100 veganen, gluten- und sojafreien Rezepten, von schnell zubereiteten Energieriegeln, Gels und Drinks über Suppen und Pizza bis zu leckeren Desserts. Mit einem praktischen 12-Wochen-Plan zum Einstieg in die Thrive-Diät.

How not to die – Entdecken Sie Nahrungsmittel, die Ihr Leben verlängern und bewiesenermaßen Krankheiten vorbeugen und heilen

Die meisten aller frühzeitigen Todesfälle lassen sich verhindern – und zwar, so überraschend es klingen mag, durch einfache Änderungen der eigenen Lebens- und Ernährungsweise.

Dr. Michael Greger, international renommierter Arzt, Ernährungswissenschaftler und Gründer des Online-Informationsportals Nutritionfacts.org, lüftet in seinem weltweit außergewöhnlich erfolgreichen Beststeller das am besten gehütete Geheimnis der Medizin: Wenn die Grundbedingungen stimmen, kann sich der menschliche Körper selbst heilen.

In »How not to die« analysiert Greger die häufigsten 15 Todesursachen der westlichen Welt, zu denen z. B. Herzerkrankungen, Krebs, Diabetes, Bluthochdruck und Parkinson zählen, und erläutert auf Basis der neuesten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse, wie diese verhindert, in ihrer Entstehung aufgehalten oder sogar rückgängig gemacht werden können.

Darüber hinaus erklärt er auf verständliche und enorm fesselnde, aber stets wissenschaftlich fundierte Weise, welche Lebensmittel besonders wertvoll und gesund für die verschiedenen Organe und Funktionen des menschlichen Körpers sind, und wie diese am besten kombiniert und verzehrt werden können. Sein »Tägliches Dutzend« fasst in einer so übersichtlichen wie praktischen Checkliste alle die Lebensmittel zusammen, die eine optimale Gesundheit unterstützen.

Dieses Buch ist ein Muss für alle, die ihre gesundheitliche Zukunft selbstbestimmt und gut informiert in die eigenen Hände nehmen möchten.

»Mit Abstand das beste Buch, dass ich je über Ernährung und Diäten gelesen habe.«
Dan Buettner, Bestseller-Autor der The Blue Zone

Hat Papst Franziskus den Apfel ausgespuckt?

Nach einer 45 minütigen, mündlichen Laudatio eins alten Umweltaktivisten auf die Enzyklika Laudato Si' von Papst Franziskus las ich sie nun selbst. Und wider aller Vorurteile bin ich hingerissen von der Klarheit, vom Friedensgeist, vom Humanitären, von der Offenheit und Toleranz, die in dem Text steckt. Es folgen einige Zitate aus dem Text: Papst Franziskus, Enzyklika Laudato Si’ Über die Sorge für das gemeinsame Haus (24. Mai 2015).

Aus Absatz 5
Alle Bestrebungen, die Welt zu hüten und zu verbessern, setzen vor allem voraus, „dass sich die Lebensweisen, die Modelle von Produktion und Konsum und die verfestigten Machtstrukturen [von Grund auf] ändern, die heute die Gesellschaften beherrschen.“
Die echte menschliche Entwicklung ist moralischer Art und setzt die vollkommene Achtung gegenüber der menschlichen Person voraus, muss aber auch auf die Welt der Natur achten „der Natur eines jeden Wesens uns seiner Wechselbeziehung in einem geordneten System […] Rechnung tragen.“

Aus Punkt 8
Patriach Bartholomäus hat besonders von der Notwendigkeit gesprochen, dass jeder Einzelne die eigene Weise, dem Planten zu schaden, bereut, denn „insofern wir alle kleine ökologische Schäden verursachen“, sind wir aufgerufen, „unseren kleinen Beitrag zur Verunstaltung und Zerstörung der Schöpfung“ anzuerkennen.

Aus Punkt 15
[…] zu den Wurzeln der gegenwärtigen Situation vorzudringen, so dass wir nicht nur die Symptome betrachten, sondern auch die tiefsten Ursachen. Auf diese Weise können wir eine Ökologie vorschlagen, die in ihren verschiedenen Dimensionen den besonderen Ort des Menschen in dieser Wirklichkeit einbezieht. Im Licht dieser Überlegungen möchte ich fortfahren mit einigen ausführlichen Leitlinien für Dialog und Aktion, die sowohl jeden von uns als auch die internationale Politik betreffen. Und da ich überzeugt bin, dass für jede Veränderung Beweggründe und ein erzieherischer Weg nötig sind, werde ich schließlich einige Leitlinien zur menschlichen Reifung vorschlagen, die von dem Schatz der christlichen spirituellen Erfahrung inspiriert sind.

Punkt 19
Nach einer Zeit irrationalen Vertrauens auf den Fortschritt und das menschliche Können tritt jetzt ein Teil der Gesellschaft in eine Phase stärkerer Bewusstheit ein. Es ist eine steigende Sensibilität für die Umwelt und die Pflege der Natur zu beobachten, und es wächst eine ehrliche, schmerzliche Besorgnis um das, was mit unserem Planeten geschieht. Wir geben einen – wenn auch sicherlich unvollständigen – Überblick über jene Fragen, die uns heute beunruhigen und die wir jetzt nicht mehr unter den Teppich kehren können. Das Ziel ist nicht, Informationen zu sammeln oder unsere Neugier zu befriedigen, sondern das, was der Welt widerfährt, schmerzlich zur Kenntnis zu nehmen, zu wagen, es in persönliches Leiden zu verwandeln, und so zu erkennen, welches der Beitrag ist, den jeder Einzelne leisten kann.

Aus Punkt 149
Ebenso ist klar, dass die extreme Entbehrung, die in manchen Situationen erfahren wird, wo Harmonie, Platz und Möglichkeiten der Eingliederung fehlen, das Aufkommen von inhumanen Verhaltensweisen und die Manipulation der Menschen durch kriminelle Organisationen begünstigt . Für die Bewohner von sehr problematischen Wohnquartieren kann der tägliche Gang vom Gedränge zur sozialen Anonymität, den man in den großen Städten erfährt, ein Gefühl der Entwurzelung hervorrufen, das asoziale und gewaltbereite Verhaltensweisen fördert.

Dennoch will ich betonen, dass die Liebe stärker ist. Viele Menschen in diesen Lebensumständen sind in der Lage, Bande der Zugehörigkeit und des Zusammenlebens zu knüpfen, die das Gedränge in eine Gemeinschaftserfahrung verwandeln, wo die Wände des Ichs durchbrochen und die Schranken des Egoismus überwunden werden. Diese Erfahrung gemeinschaftlichen Heils ist das, was gewöhnlich kreative Reaktionen auslöst, um ein Gebäude oder ein Wohnquartier zu verschönern

Aus Punkt 180
An einheitliche Lösungsvorschläge ist nicht zu denken,  denn jedes Land oder jede Region hat spezifische Probleme und Grenzen.

(Ökologische Erziehung und Spiritualität 202 - 208)

Punkt 202
Viele Dinge müssen ihren Lauf neu orientieren, vor allem aber muss die Menschheit sich ändern. Es fehlt das Bewusstsein des gemeinsamen Ursprungs, einer wechselseitigen Zugehörigkeit und einer von allen geteilten Zukunft. Dieses Grundbewusstsein würde die Entwicklung neuer Überzeugungen, Verhaltensweisen und Lebensformen erlauben. So zeichnet sich eine große kulturelle, spirituelle und erzieherische Herausforderung ab, die langwierige Regenerationsprozesse beinhalten wird.

Punkt 205
Trotzdem ist nicht alles verloren, denn die Menschen, die fähig sind, sich bis zum Äußersten herabzuwürdigen, können sich auch beherrschen, sich wieder für das Gute entscheiden und sich bessern, über alle geistigen und sozialen Konditionierungen hinweg, die sich ihnen aufdrängen. Sie sind fähig, sich selbst ehrlich zu betrachten, ihren eigenen Überdruss aufzudecken und neue Wege zur wahren Freiheit einzuschlagen. Es gibt keine Systeme, die die Offenheit für das Gute, die Wahrheit und die Schönheit vollkommen zunichte machen und die Fähigkeit aufheben, dem zu entsprechen. Diese Fähigkeit ist es ja, der Gott von der Tiefe des menschlichen Herzens aus fortwährend Antrieb verleiht.

Punkt 215
In diesem Zusammenhang „darf die Beziehung, die zwischen einer angemessenen ästhetischen Erziehung und der Erhaltung einer gesunden Umwelt besteht, nicht vernachlässigt werden“. 150 Auf die Schönheit zu achten und sie zu lieben hilft uns, aus dem utilitaristischen Pragmatismus herauszukommen. Wenn jemand nicht lernt innezuhalten, um das Schöne wahrzunehmen und zu würdigen, ist es nicht verwunderlich, dass sich für ihn alles in einen Gegenstand verwandelt, den er gebrauchen oder skrupellos missbrauchen kann.

Zugleich muss man, wenn man tiefgreifende Veränderungen erzielen will, berücksichtigen, dass die Denkmuster wirklich die Verhaltensweisen beeinflussen. Die Erziehung wird unwirksam, und ihre Anstrengungen werden unfruchtbar sein, wenn sie nicht auch dafür sorgt, ein neues Bild vom Menschen, vom Leben, von der Gesellschaft und von der Beziehung zur Natur zu verbreiten. Andernfalls wird das auf Konsum ausgerichtete Modell, das durch die Kommunikationsmittel und über die wirkungsvollen Räderwerke des Marktes übermittelt wird, weiter fortschreiten.

Punkt 229
Wir müssen wieder spüren, dass wir einander brauchen, dass wir eine Verantwortung für die anderen und für die Welt haben und dass es sich lohnt, gut und ehrlich zu sein. Wir haben schon sehr viel Zeit moralischen Verfalls verstreichen lassen, indem wir die Ethik, die Güte, den Glauben und die Ehrlichkeit bespöttelt haben, und es ist der Moment gekommen zu merken, dass diese fröhliche Oberflächlichkeit uns wenig genützt hat. Diese Zerstörung jeder Grundlage des Gesellschaftslebens bringt uns schließlich um der Wahrung der jeweils eigenen Interessen willen gegeneinander auf, lässt neue Formen von Gewalt und Grausamkeit aufkommen und verhindert die Entwicklung einer wahren Kultur des Umweltschutzes.

Leseempfehlung: Punkte 202 - 208: Ökologische Erziehung und Spiritualtität

https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2015/2015-06-18-Enzyklika-Laudato-si-DE.pdf

Träumer, Visionäre, Utopisten - Sie scheiterten. Jetzt sind wir dran.

Geld, wie Silivo Gesell es sich wünscht, verliert binnen kürzester Zeit an Wert. Das führt zu schnellem Geldausgeben, zur Ankurbelung der Wirtschaft, zur Verhinderung von Kapitalanhäufungen. Ende der Zinsknechtschaft. Geld wird einer wöchentlichen Steuer unterworfen und mit einem Stempel markiert. Ungestempeltes Geld wird von den Staatskassen zurückgewiesen.

Vor allem aber und zuallererst muss das Geldhamstern aufhören. Und zwar sofort. Der Geldhamster sie das gefährlichste Tier überhaupt, ist Silvio Gesell überzeugt, Geld muss fließen, strömen, in Ware verwandelt werden, in Glück. Sofort. Und er wird Geld dazu zwingen, sich schnell aufzulösen, so schnell, wie Silvio Gesell es will. Er kann es in herrlichen Bildern beschreiben. Seine Theorie ist keine Theorie. Seine Theorie ist reine Praxis: „Bildlich gesprochen soll das Geld wie die Kartoffeln faulen, wir Guano die Luft verpesten, wie Dynamit explodieren, wie ein Pferd gefüttert, wie Maschinen behandelt werden. Es soll wie Baumwolle platz beanspruchen, wie Ziegelsteine wiegen, wie Schwefelsäure ätzen, wie Glas zerbrechen.“ Explodieren! Zerbrechen! Ätzen! Silvio Gesell wird Volksbeauftragter für Finanzen.

Schließlich ist noch das Amt des Volksbeauftragten für Erziehung und Unterricht zu vergeben. Gustav Landauers Lebensamt. Die Seelen umbilden! Eisner hatte sich diesen Auftrag ja nicht ausgedacht. Es war Gustav Landauers Lebensziel, die Seelen der Menschen von Grund auf neu zu bilden. Neues Denken. Neues Herz. In den Schulen damit beginnen. In den Universitäten das Werk fortführen. Den Plan dazu, seinen Regierungsplan, hat er lange schon parat. All seine Texte über die Literatur, die er geschrieben hatte, über Goethe, Hölderlin, Walt Whitman, Leo Tolstoi, seine Vorträge über Shakespear, sie waren ja alle im Grunde geistige Vorarbeiten zur Tat. Transformation der Idee in Wirklichkeiten.

Und es war jetzt so weit. Ein Leben lan gedacht, gelesen, gedeutet und geplant. Es war Verwirklichungsnacht. Bei Leo Tolstoi hatte er diese drei Fragen und Antworten gefunden. Grundgesetze des Lebens. „Welche Zeit ist die wichtigste? Welcher Mensch? Welche Seele? Zeit - der Augenblick; Mensch - der, mit dem man’s gerade zu tun hat; Seele - Rettung der eigenen Seele, Liebeswerk also.“ Landauer ist bereit für das Amt des Volksbeauftragten für Erziehung und Unterricht.

Hecht interviewt ihn jeden Tag, er sei fasziniert von Landauers Eigenwilligkeit. „Er neigt dazu, während seiner Rede innezuhalten uns deinen Namen mit einem unvermuteten Schrei auszurufen. Die Interviews bestanden hauptsächlich aus Diskussionen über Walt Whitman.“ Der Eckpfeiler seines Erziehungsprogramms sei, dass jedes Kind im Alter von zehn Jahren Walt Whitman auswendig lerne, so Hecht.

Mit großem Schwung geht es nun an die Proklamation seiner Republik. Eigentlich steht der Text ja schon. Die Mühsam-Landauer-Resolution aus dem Restaurant.

Währenddessen arbeitet Ernst Toller auch an einer Kampfschrift. Er schreibt die Bedingungen auf, die seine Partei, die USPD, in den Verhandlungen der Nacht formuliert, um sie am nächsten Tag veröffentlichen zu können, mit dem Zusatz, dass die Bedingungen angenommen worden seien.

„In den Vorzimmern des Zentralrats drängen sich die Menschen, jeder glaubt, die Räterepublik sei geschaffen, um seine privaten Wünsche zu erfüllen. Eine Frau möchte sofort getraut werden, bisher hatte sie Schwierigkeiten, es fehlten notwenige Papiere, die Räterepublik soll ihr Lebensglück retten. Ein Mann will, dass man seinen Hauswirt zwinge, ihm die Miete zu erlassen. Eine Partei revolutionärer Bürger hat sich gebildet, sie fordert die Verhaftung aller persönlichen Feinde, früherer Kegelbrüder und Vereinskollegen.
Verkannte Lebensreformer bieten ihre Programme zur Sanierung der Menschheit an, ihr seit Jahrzehnten befehdetes Lebenswerk bürge dafür, dass jetzt endlich die Erde in ein Paradies verwandelt werde. Sie wollen die Welt aus einem Punkt kurieren, lässt man die Prämisse gelten, ist ihre Logik unangreifbar. Die einen sehen die Wurzel des Übels im Genuss gekochter Speisen, die anderen in der Goldwährung, die dritten im Tragen unporöser Unterwäsche, die vierten in der Maschinenarbeit, die fünften im Fehlen einer gesetzlich vorgeschriebenen Einheitssprache und Einheitskurzschrift, die sechsten machen Warenhäuser und sexuelle Aufklärung verantwortlich. Sie erinnern alle an jeden schwäbischen Schuster, der in einer umfangreichen Broschüre zwingend bewies, dass die Menschheit nur darum moralisch krank sei, weil sie ihre elementaren Bedürfnisse in geschlossenen Räumen verrichte und künstliches Papier benütze. Wenn sie, dozierte er, diese Minuten in Wäldern verbrächten und mit natürlichem Moos sich behülfen, würden auch ihre seelischen Giftstoffe im Kosmos verdunsten, körperlich und seelisch gereinigt, als gute Menschen, kehrten sie zur Arbeit zurück, ihr soziales Gefühl wäre gekräftigt, der Egoismus verschwände, die wahre Menschenliebe erwacht, und das Reich Gottes auf Erden, das langverheißene, bräche an.“

Setzt euch über alle Führer hinweg, wenn sie gegen die Einigkeit des gesamten Proletariats sind. Nicht die Eitelkeit der Führer, sondern die Not des Proletariats zu befriedigen ist unsere Aufgabe.

Und er liefet eine kurze Definition dessen, was die neue Republik ist und was sie bedeutet: „Unter Räterepublik ist nichts anderes zu verstehen, als dass das, was im Geiste lebt und nach Verwirklichung drängt, nach irgendwelcher Möglichkeit durchgeführt wird.“ Wer bei diesem großen Projekt mitmachen will, mit ganzer Kraft, freudig und entschlossen, der solle ihm das mitteilen. Jeder Einzelne. „Eine Gesamterklärung werde ich nicht annehmen.“ Macht! Alle! Mit!

Einer von Landauers wichtigsten Mitarbeitern war der Revolutionär Ret Marut, der während des Krieges die pazifistische Kampfschrift „Der Ziegelbrenner“ herausgegeben und alle Beiträge darin auch selbst geschrieben hatte. Marut war ein  Unsichtbarer.

„Halloh, Ihr Menschen! Halloh!
Ich gehöre weder der Sozialdemokratischen Partei an, noch bin ich ein unabhängiger Sozialist. Ich gehöre weder der Spartacus-Gruppe an, noch bin ich ein Bolschewist.
Ich kann keiner Partei angehören, weil ich in jeder Partei-Zugehörigkeit eine Beschränkung meiner persönlichen Freiheit erblicke, weil die Verpflichtung auf ein Partei-Programm mir die Möglichkeit nimmt, mich zu dem zu entwickeln, was mir als das höchste und das edelste Ziel auf Erden gilt: Mensch sein zu dürfen!
Die edelste, reinste und wahrhafteste Menschenliebe ist die Liebe zu sich selbst. Ich will frei sein!
Aber meine Freiheit ist nur dann gesichert, wenn alle anderen Menschen um mich frei sind.
Mehr als fünfzig Monate bin ich in der schamlosesten Weise belogen und betrogen worden, von der Regierung, vom Kaiser, vom König, von meinen Nachbarn und von der verlumptesten Institution, die sich auf Erden befindet: Die Presse.
Sie wollen nichts weiter als ‘Ruhe und Ordnung’.
Ruhe und Ordnung heißt: Schutz dem Kapitalisten, damit er in aller Ruhe und Ordnung denjenigen, der essen möchte, auspovern kann.
Ruhe und Ordnung macht schlafmützig. Ruhe und Ordnung bringen mich um meine persönliche Freiheit. Bewegung, Gesellen! Nicht einschlafen! Die Revolution hat erst begonnen.
Ich brauche keine National-Versammlung. Ich gehe nicht zur Wahl. Ich wähle nicht, ich will auch nicht gewählt werden. Ich fühle mich unter der Diktatur des Proletariats – obgleich ich kein Arbeiter bin und nicht zum Proletariat gehöre, – so wohl wie ich mich in meinem ganzen Leben noch unter keiner Regierung gefühlt habe und ich habe beinahe alle Länder der Erde kennen gelernt und in vielen nichtdeutschen Ländern viele, viele Jahre gelebt."

Gusto Gräser ist gerade dabei, eine Art Weltstar zu werden. Er weiß es nur noch nicht. Und auch nicht unter seinem eigenen Namen Gusto Gräser, sondern in literarischer Verkleidung, als einer der die Menschen dem Weg nach innen führt, zu einem neuen Gott, zu sich selbst. Es ist der Name „Demian“, unter dem der berühmt werden wird.

„Hundert und mehr Jahre lang“, erklärt er seinem staunenden Freund Sinclair, „hat Europa bloß noch studiert und Fabriken gebaut! Sie wissen genau, wieviel Gramm Pulver man braucht, um einen Menschen zu töten, aber sie wissen nicht, wie man betet, sie wissen nicht einmal wie man eine Stunde lang vergnügt sein kann.“ So oder ähnlich sind Max Demians Ansprachen an den sehnsüchtig Lauschenden. „Was die Natur mit dem Menschen will, steht in den Einzelnen geschrieben, in dir und mir. Es stand in Jesus, es stand in Nietzsche. Für diese allein wichtigen Strömungen - die natürlich jeden Tag anders aussehen können, wird Raum sein, wenn die heutigen Gemeinschafen zusammenbrechen.“

Hermann Hesse, der schwäbische Kriegsgegner in der Schweiz - wohin sollte er denn, wenn nicht nach München?
Doch da täuschen sich alle. Hesse hat seinen Demian nach Deutschland geschickt. Er selbst flieht in die andere Richtung. Viele Menschen, so schreibt er in seinen Briefen, trügen ihm in diesen Tagen politische Ämter an in Deutschland. Mitmachen, Hermann Hesse! Aber Hesse will nicht. Er will frei sein. Gerade hat er sich von Frau und Kind getrennt. Er will zurück zu den „drei Tröstungen meiner Jugendjahre: literarische Arbeit, Alkohol und im Hintergrund der tröstliche Gedanken an den Selbstmord“. Oh ja, in Gedanken ist er radikal: „Ich wäre reif zum Spartakisten, wenn ich da nicht moralische Hemmungen hätte: ich halte zwar Selbstmord aus Verzweiflung für erlaubt, nicht aber Totschlag an anderen.“

Hesse ruft zur Einkehr auf, dazu, Dinge geschehen zu lassen. Er fürchtet in neuen Revolutionen neue Gewalt, in neuen Weltverbesserungsideen nur wieder neues Unheil, neues Leid. „Und darum eilet ihr zu neuen Taten, laufet auf die Gassen, stürmet und schreiet, wählt Räte und ladet wieder Gewehre. Und dies alles, weil ihr ewig auf der Flucht vor dem Leiden seid! Auf der Flucht vor euch selbst, vor eurer Seele!“

„Die Welt ist nicht da, um verbessert zu werden“, schreibt er in seiner Zarathustra-Schrift. „Auch ihr seid nicht da, um verbessert zu werden. Ihr seid aber da, um ihr selbst zu sein. Ihr seid da, damit die Welt um diesen Klang, um diesen Ton, um diesen Schatten reicher sei. Sei du selbst, so ist die Welt reich und schön!“

„Wenn jemals die Welt durch Menschen verbessert, durch Menschen reicher geworden, lebendiger, froher, gefährlicher, lustiger geworden ist, so ist sie es nicht durch Verbesserer geworden, sondern durch jene wahrhaft Selbstsüchtigen, zu welchen ich auch  euch so gerne zählen möchte. Jene ernstlich und wahrhaftig Selbstsüchtigen, welche kein Ziel kennen, welche keine Zwecke haben, denen es genügt zu leben uns sie selbst zu sein.“

„Das einzige was wir von Dichtern lernen können“, schreibt er: „Die Liebe. Die Welt und das Leben zu lieben, auch unter Qualen zu lieben, jedem Sonnenstrahl dankbar offen stehen und auch im Leid das Lächeln nicht ganz zu verlernen - diese Lehre jeder echten Dichtung veraltet nie und ist heute notwendiger und dankenswerter als je.“

Ernst Toller taumelt: „Wer heute auf der Ebene der Politik, im Miteinander ökonomischer und menschlicher Interessen, kämpfen will, muss klar wissen, dass Gesetz und Folgen seines Kampfes von anderen Mächten bestimmt werden als seinen guten Absichten, dass ihm oft Art der Wehr und Gegenwehr aufgezwungen werden, die er als tragisch empfinden muss, an denen er, im tiefen Sinn des Wortes, verbluten kann.“

„Autorität und blinder Gehorsam regierten das kaiserliche Heer, auf Freiwilligkeit und Einsicht soll die rote Armee sich gründen, wir dürfen den alten, verhassten Militarismus nicht übernehmen, der rote Soldat darf keine Maschine sein, er hat erkannt, dass er für seine Sache ficht, sein revolutionärer Wille wir die notwendige Ordnung schaffen.“

Doch diesen Kampf kann Ernst Toller nicht gewinnen. Den Kampf gegen den deutschen Untertanengeist. Den Kampf gegen die Übermacht militärischer Wirklichkeit.


Volker Weidermann

Träumer - Als die Dichter die Macht übernahmen

1919, Revolution in München – und alle sind vor Ort: Ernst Toller, Thomas Mann, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke, Gustav Landauer, Oskar Maria Graf, Viktor Klemperer, Klaus Mann ...
Wann gab es das schon einmal – eine Revolution, durch die die Dichter an die Macht gelangten? Doch es gibt sie, die kurzen Momente in der Geschichte, in denen alles möglich erscheint ... Von einem solchen Ereignis, der Münchner Räterepublik zwischen November 1918 und April 1919 erzählt Volker Weidermann im Stil einer mitreißenden Reportage, bei der der Leser zum Augenzeugen der turbulenten, komischen und tragischen Wochen wird, die München, Bayern und Deutschland erschütterten.

Nach der Vorgeschichte, dem Ende des 1. Weltkriegs und der Absetzung des bayrischen Königs, beginnt der magische Moment, in dem alles möglich erscheint: radikaler Pazifismus, direkte Demokratie, soziale Gerechtigkeit, die Herrschaft der Phantasie. An der Spitze der Rätebewegung stehen die Schriftsteller Ernst Toller, Gustav Landauer und Erich Mühsam, auf die nach den Tagen der Euphorie und der schnellen Ernüchterung lange Haftstrafen oder der Tod warten. In rasantem Tempo und aus der Perspektive von Beteiligten und Beobachtern vor Ort wie Thomas Mann, Klaus Mann, Rainer Maria Rilke, Adolf Hitler, Viktor Klemperer oder Oskar Maria Graf entsteht so ein historischer Thriller über ein einzigartiges Ereignis der deutschen Geschichte.

Wollen wir wirklich Veränderung?

"Die meisten Menschen innerhalb der NGOs wünschen sich Gleichheit, Frieden und soziale Gerechtigkeit. Aber sie lehnen radikale Veränderungen der Gesellschaft ab, und die, die sogar innerhalb des Systems arbeiten, benutzen die dominante Ideologie des Staates. Das bedeutet Verbindungen mit dem Staat zu unterhalten, selbst mit Militärdikaturen. Es bedeutet, nicht den freien Markt abzulehnen, sondern zu hoffen, dass er ein fairer Markt sei."
aus Mark Teufel - Thailand (2008)

Adam Curtis - Political Change (4:13)

#03 Under The Skin with Russell Brand & Adam Curtis - Do We Really Want Change? (1:17:00)

So erscheint Egoismus freundlich

Die Vorstellung des eigenen oder fremden Wohles wird mit Recht als ein Motiv des Wollens angesehen. Das Prinzip, durch sein Handeln die größte Summe eigener Lust zu bewirken, das ist, die individuelle Glückseligkeit zu erreichen, heißt Egoismus.

Diese individuelle Glückseligkeit wird entweder dadurch zu erreichen gesucht, dass man in rücksichtsloser Weise nur auf das eigene Wohl bedacht ist und dieses auch auf Kosten des Glückes fremder Individualitäten erstrebt (reiner Egoismus),

oder dadurch, dass man das fremde Wohl aus dem Grunde befördert, weil man sich dann mittelbar von den glücklichen fremden Individualitäten einen günstigen Einfluss auf die eigene Person verspricht,

oder weil man durch Schädigung fremder Individuen auch eine Gefährdung des eigenen Interesses befürchtet (Klugheitsmoral).

Der besondere Inhalt der egoistischen Sittlichkeitsprinzipien wird davon abhängen, welche Vorstellung sich der Mensch von seiner eigenen oder der fremden Glückseligkeit macht.

Nach dem, was einer als ein Gut des Lebens ansieht (Wohlleben, Hoffnung auf Glückseligkeit, Erlösung von verschiedenenübeln usw.), wird er den Inhalt seines egoistischen Strebens bestimmen.

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Rudolf Steiner - Die Philosophie der Freiheit, Kapitel IX, 1894,

RUDOLF STEINER ONLINE ARCHIV
http://anthroposophie.byu.edu
4. Auflage 2010

Wer erzählt uns welche Geschichte?

Die Geschichte vom privat generierten Wohlstand, der vom bösen Wolf, dem Staat, beschlagnahmt wird, und zwar im Auftrag der Gewerkschaften und der Arbeiterklasse, die ein soziales Auffangnetz benötigt, ist eine absurde Verdrehung der Wahrheit; nämlich dass Wohlstand im Kollektiv generiert wird und von Anfang an privat beschlagnahmt wird.

Varoufakis und Chomsky über Neoliberalismus (acTVism Munich)

https://www.youtube.com/watch?v=IhsIOD8g0Ng (15 Min)




Yanis Varoufakis
Die ganze Geschichte: Meine Auseinandersetzung mit Europas Establishment
Gebundene Ausgabe – 20. September 2017

Klappentext:
ls griechischer Finanzminister löste Varoufakis eine der spektakulärsten und kontroversesten Auseinandersetzungen der jüngsten politischen Geschichte aus, als er versuchte, die Beziehung seines Landes mit der EU neu zu verhandeln. Trotz der massenhaften Unterstützung seitens der griechischen Bevölkerung und der bestechend einfachen Logik seiner Argumente dass die gigantischen Kredite und die damit verbundene Sparpolitik, die seinem bankrotten Land aufgezwungen wurden, eine zerstörerische Wirkung haben hatte Varoufakis nur in einem Erfolg: Europas politisches und mediales Establishment in Rage zu versetzen. Aber die wahre Geschichte der damaligen Geschehnisse ist beinahe unbekannt, weil so vieles in der EU hinter verschlossenen Türen stattfindet.

In diesem couragierten Bericht deckt Varoufakis alles auf und erzählt die ganze Geschichte von waghalsiger Politik, von Heuchelei, Betrug und Verrat, die das Establishment in den Grundfesten erschüttern wird.

Dieses Buch ist ein Weckruf, die europäische Demokratie zu erneuern, bevor es zu spät ist.

Missing Link to Yanis Varoufakis - KenFM-Interview von Dirk Pohlmann
https://www.youtube.com/watch?v=7kLS06QtWNE (60 min)

Warum Bücher beißen müssen

"Es tut gut, wenn das Gewissen breite Wunden bekommt, denn dadurch wird es empfindlicher für jeden Biß. Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns."

Franz Kafka, Briefe, 1902 - 1925

Gefunden in
Friedrich Schorlemmer - Eisige Zeiten. Ein Pamphlet, München 1998

Die Grundlagen unserer Gefühle

Es ist unser eigenes Gefühl des Interesses oder der Gleichgültigkeit, das zum bestimmenden Faktor für das Schicksal des Gegenstandes oder der Idee wird. Es ist nicht wichtig, ob Gegenstände und Ideen an und für sich gut sind. Von den Gefühlen, die wir erzeugen, hängt ihre Lebendigkeit für uns und ihre Wirksamkeit auf uns ab.

Wenn das Gefühl, mit dem wir einem auf uns gemachten Eindruck eines Gegenstandes oder einer Idee begegnen, Interesse ist, so hat es die gleiche Wirkung auf diese, wie das Sonnenlicht und die Luft auf die Pflanzen. Eine solche Idee wächst und gedeiht in unserem Leben.

Begegnen wir hingegen dem Eindruck eines Gegenstandes oder einer Idee mit Gleichgültigkeit, so welken sie dahin wie die Pflanzen in einem dunklen Keller.

Aus Interesse oder Gleichültigkeit erleben wir den Impuls zu Handlungen oder die Entscheidung, sich ihrer zu enthalten (letzteres ist in gewissem Sinne gleichwohl auch Handlung). Es sind also die „Zwillingsgefühle“ Interesse und Gleichgültigkeit der Antrieb zu den Handlungen und die Triebfedern, welche die Welt bewegen.

Das Interesse setzt die Kräfte der Anziehung und Abstoßung in Bewegung. Die Gleichgültigkeit aber verursacht das Hinwelken des Gegenstandes oder der Idee, auf die sie gerichtet ist, soweit es unsere Beziehung zu ihr betrifft.

Wenn unser Interesse an einem Gegenstand oder einer Idee die Kraft der Abstoßung hervorruft, so sind wir natürlich bestrebt, aus unserem Leben alles zu entfernen, was mit dem betreffenden Gegenstand oder der Idee zusammenhängt.

Zwischen der Tätigkeit der Abstoßung und dem bloßen Gefühl der Gleichgültigkeit besteht jedoch ein großer Unterschied. Vielleicht erklärt ein Beispiel die Tätigkeit der Zwillingsgefühle deutlicher.

Drei Männer gehen eine Straße entlang. Sie sehen einen kranken Hund. Er ist mit Geschwüren bedeckt und leidet sichtbar unter Qualen und Durst. Dies nehmen alle drei Männer durch ihre Sinne wahr. Nun kommt das Gefühl dazu. Zwei „interessieren“ sich für das Tier, den dritten lässt es „gleichgültig“. Er geht vorüber und überlässt den Hund seinem Schicksal. Die beiden anderen bleiben zurück. Sie interessieren sich beide, aber ihr Interesse äußert sich auf verschiedene Weise. Das Interesse des einen ist voller Anteilnahme und Hilfsbereitschaft, das ihn veranlasst, sich um das arme Tier zu kümmern, seine Schmerzen zu stillen und es gesund zu pflegen. In ihm hat das Gefühl des Interesses die Kraft der Anziehung wachgerufen. Das Interesse des anderen Mannes ist von anderer Art. Er sieht nur ein Bild, das ihm widerwärtig ist und wünscht, sich und die Welt so schnell wie möglich davon zu befreien. Er rät, das Tier sofort zu töten und zu begraben. In ihm hat das Gefühl des Interesses die zerstörende Kraft der Abstoßung wachgerufen.

Wenn das Gefühl des Interesses die Anziehungskraft wachruft und auf niedere Gegenstände und Begierden gerichtet ist, so wirken sich diese auf niedere Empfindungen aus, in denen - wie früher beschrieben wurde - die entgegenwirkende Kraft der Abstoßung tätig ist.

Aus dem Kampf der Zwillingskräfte - Anziehung und Abstoßung - entstehen all die Schmerzen und Leiden, die an unrechte oder fehlgeleitete Bemühungen geknüpft sind, mögen sie beabsichtigt sein oder nicht.

Daraus ersehen wir, wie äußerst wichtig das Gefühl ist, das wir in Bezug auf irgend etwas haben. Denn es erzeugt die Natur der Atmosphäre, die wir uns selbst schaffen.

Lieben wir das Gute, so erhalten und ernähren wir als „Schutzengel“ alles, was gut um uns ist. Im anderen Fall bevölkern wir unseren Weg mit „Dämonen“ unserer eigenen Schöpfung.

Spirituelles Europa


Verlagstext: Auf der Suche nach den spirituellen Traditionen Europas
»Wenn es uns in den kommenden zehn Jahren nicht gelingt, Europa eine Seele zu geben, es mit einer Spiritualität und einer tieferen Bedeutung zu versehen, dann wird das Spiel zu Ende sein«, warnte Jacques Delors, ehemaliger Präsident der EU-Kommission. Der Filmemacher Rüdiger Sünner ist seit drei Jahrzehnten auf der Suche nach spirituellen Traditionen Europas. In seinem Buch schildert er Begegnungen mit wichtigen Vorbildern und Inspiratoren.

Dabei beschäftigt er sich mit den spirituellen Visionen der Romantik, dem Mythenmissbrauch der Nazis, den Friedensmissionen des Schweden Dag Hammarskjöld, der Tiefenpsychologie des Schweizers C. G. Jung, der Anthroposophie des Österreichers Rudolf Steiner, der »Mystikerin« Dorothee Sölle, dem »Schamanen« Joseph Beuys und dem aus Rumänien stammenden Dichter Paul Celan. Mystik und Mythologie, die Traditionen der Gnosis, Kabbala, Alchemie, die Welt der Kelten, Germanen und die Sagen rund um den Heiligen Gral: Sein Buch umkreist ein »Geheimes Europa«, dessen Themen abseits des kulturellen und religiösen Mainstreams liegen.

Die sich daraus ergebenden Impulse könnten auch Bausteine für ein künftiges Europa sein, das mehr ist als nur ein Wirtschaftsverbund, sondern eine besondere Seelenlandschaft. Bedeutsam für Rüdiger Sünner ist dabei immer auch die Fragestellung, was die spirituellen Impulse dieses »Geheimen Europa« für die Bewältigung unserer gegenwärtigen Probleme leisten können.

Eindrucksvolle Begegnungen mit großen Dichtern und Denkern
Der besondere Zauber der Seelenlandschaft Europas

»Europa ist eine Seelenlandschaft, wo es ein eigenes Wetter gibt, wo es ein eigenes Licht gibt, wo eigene Lieder gesungen werden, wo eigene Geschichten erzählt werden.« Wim Wenders

https://www.buch7.de/store/product_details/1029703463

Die Ziele allen Wissens

Ich glaube einen Grundzug unseres Zeitalters richtig zu treffen, wenn ich sage: der Kultus des menschlichen Individuums strebt gegenwärtig dahin, Mittelpunkt aller Lebensinteressen zu werden. Mit Energie wird die Überwindung jeder wie immer gearteten Autorität erstrebt. Was gelten soll, muss seinen Ursprung in den Wurzeln der Individualität haben.

Abgewiesen wird alles, was die volle Entfaltung der Kräfte des Einzelnen hemmt. „Ein jeglicher muss seinen Helden wählen, dem er die Wege zum Olymp hinauf sich nacharbeitet,“ gilt nicht mehr für uns. Wir lassen uns keine Ideale aufdrängen; wie sind überzeugt, dass in jedem von uns etwas lebt, das edel ist und wert, zur Entwicklung zu kommen, wenn wir nur tief genug, bis in den Grund unseres Wesens, hinabzusteigen vermögen.

Wir glauben nicht mehr daran, dass es einen Normalmenschen gibt, zu dem alle hinstreben sollen. Unsere Anschauung von der Vollkommenheit des Ganzen ist die, dass es auf der besonderen Vollkommenheit jedes einzelnen Individuums beruht. Nicht das, was jeder andere auch kann, wollen wir hervorbringen, sondern, was nach der Eigentümlichkeit unseres Wesens nur uns möglich ist, soll als unser Scherflein der Weltentwicklung einverleibt werden.

Niemals wollten die Künstler weniger wissen von Normen und Regeln der Kunst als heute. Jeder behauptet ein Recht zu haben, das künstlerisch zu gestalten, was ihm eigen ist. Es gibt Dramatiker, die lieber im Dialekt schreiben, als in einer von der Grammatik geforderten Normalsprache.

Keinen besseren Ausdruck kann ich finden für diese Erscheinungen als den: sie gehen hervor aus dem bis aufs Höchste gesteigerten Freiheitsdrang des Individuums. Wir wollen nach keiner Richtung abhängig sein; und wo Abhängigkeit sein muss, da ertragen wir sie nur, wenn sie mit einem Lebensinteresse unseres Individuums zusammenfällt.

Ein solches Zeitalter kann die Wahrheit nur aus der Tiefe des menschlichen Wesen schöpfen wollen. Von Schillers bekannten zwei Wegen:
„Wahrheit suchen wir beide, du außen im Leben, ich innen
In dem Herzen, und so findet sie jeder gewiss.
Ist das Auge gesund, so begegnet es außen dem Schöpfer,
Ist es das Herz, dann gewiss spiegelt es innen die Welt.“
wird der Gegenwart vorzüglich der zweite frommen. Eine Wahrheit, die von außen kommt, trägt immer der Stempel der Unsicherheit an sich. Nur was einem jeden von uns in seinem eigenen Innern als Wahrheit erscheint, daran mögen wir glauben.

Weise Sprüche des Zauberers Dumbledore

„Es ist der Wert der Überzeugung, der den Erfolg ausmacht. Nicht die Anzahl der Anhänger.“

„Viel mehr, als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.“

„Die Stimme eines Kindes, egal wie ehrlich und aufrichtig, ist bedeutungslos für jene, die verlernt haben zuzuhören.“

„Harry, dass du so leidest beweist, dass du noch immer ein Mensch bist! Dieser Schmerz gehört zum Menschsein.

„Die Wahrheit ist etwas Schreckliches und Schönes zugleich und sollte daher mit großer Umsicht behandelt werden.“

„Aber glaubt mir, dass man Glück und Zuversicht selbst in Zeiten der Dunkelheit zu finden vermag. Man darf nur nicht vergessen ein Licht leuchten zu lassen.“

„Es verlangt einiges an Mut, sich seinen Feinden entgegenzustellen, doch genauso viel, den eigenen Freunden in den Weg zu treten.“

„Es ist nicht gut wenn wir unseren Träumen nachhängen und vergessen zu leben.“

„Harry, bedaure nicht die Toten. Bedaure die Lebenden, und besonders all diejenigen, die ohne Liebe leben.“

„Das ist das Problem: Die Menschen haben den Hang, genau das zu wählen, was am schlechtesten für sie ist.“

Auch Muslime sind Humanisten

Reformmuslime aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben am 16.09.2016 "Freiburger Deklaration" unterzeichnet. Sie werben für eine tiefgreifende Reform im Islam, für einen menschenrechtlich orientierten humanistischen Islam. Die Reformmuslime möchten "Menschen erreichen, die einen zeitgemäßen am Humanismus orientierten Glauben leben möchten." 
 
Gemeinsame Erklärung säkularer Muslime in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Freiburger Deklaration).
"Unwissenheit führt zu Angst, Angst führt zu Hass und Hass führt zu Gewalt.
Das ist eine einfache Gleichung."
Ibn Ruschd, 1126 – 1198, muslimischer Philosoph und Arzt.

Manifest für Spiritualität, Humanismus und Ökologie

MANIFESTO

Appellatio
Fraternitatis Rosae Crucis
1614 - 2014

Salutem Punctis Trianguli !

Im Jahre 1614 traten die Rosenkreuzer aus der Anonymität heraus und veröffentlichten die „Fama Fraternitatis“. Vierhundert Jahre später rufen wir, die Vertreter der Obersten Großloge des Alten und Mystischen Ordens vom Rosenkreuz, alle Männer und Frauen guten Willens auf, sich uns anzuschließen und sich für die Versöhnung der Menschheit mit sich selbst, der Natur und dem Göttlichen einzusetzen. Aus diesem Grund stellen wir diese „Appellatio“ unter die Leitlinien der Spiritualität, des Humanismus und der Ökologie…

[...]

Abschließend, und im Lichte der vorangegangenen Überlegungen, wünschen wir uns mehr denn jemals zuvor, dass die Menschheit eine spirituelle, humanistische und ökologische Orientierung annimmt, um in sich selbst wiedergeboren zu werden und sich auf den Weg zu einer „neuen Menschheit“ zu begeben, die auf allen Ebenen erneuert ist. Die Rosenkreuzer des 17. Jahrhunderts riefen bereits in der „Fama Fraternitatis“ zu dieser Erneuerung auf. Sie wurden von der starren, konservativen Haltung der Religion, der Politik und der Wirtschaft jener Epoche zurückgewiesen, und dieser bahnbrechende Appell wurde nur von den Freidenkern gehört. In Anbetracht der aktuellen Weltlage scheint es uns sinnvoll und notwendig, diesen Aufruf öffentlich zu erneuern, in der Hoffnung, dass er dieses Mal eine positive Reaktion bei vielen Menschen hervorruft...

So möge es sein!

http://www.rosenkreuzer.de/fileadmin/amorc/PDFs/Appellatio_Fraternitatis_Rosae_Crucis.pdf 


Zur Krise der Männlichkeit

"Diese Utopie von Rosa Mayreder hat in den heutigen Debatten über die postmoderne Lebensform eine erstaunliche Aktualität wiedergewonnen. Sie verdankt ihre Kohärenz und Überzeugungskraft dem großem Scharfblick, mit dem Rosa Mayreder einerseits die unerhört akute Identitätskrise der Männer in der Moderne diagnostizierte und andererseits bestimmte Schwächen im theoretischen Diskurs der Frauenbewegung ihrer Zeit aufdeckte."

Wer war Rosa Mayreder?

Aus Rudolf Steiner - Mein Lebensgang - Kapitel 9 - Reisen nach Weimar, Berlin und München

Durch Marie Lang wurde ich bekannt mit Frau Rosa Mayreder, die mit ihr befreundet war. Rosa Mayreder gehört zu denjenigen Persönlichkeiten, zu denen ich in meinem Leben die größte Verehrung gefasst und an deren Entwicklungsgang ich den größten Anteil genommen habe. Ich kann mir ganz gut denken, dass, was ich hier zu sagen habe, sie selbst wenig befriedigen werde; allein ich empfinde, was durch sie in mein Leben getreten ist, in solcher Art.

Von den Schriften Rosa Mayreders, die nachher auf viele Menschen einen so berechtigt großen Eindruck gemacht haben, und die sie ganz zweifellos an einen ganz hervorragenden Platz in der Literatur stellen, war damals noch nichts erschienen. Aber, was sich in diesen Schriften offenbart, lebte in Rosa Mayreder in einer geistigen Ausdrucksform, zu der ich mich mit der allerstärksten inneren Sympathie wenden musste.

Diese Frau machte auf mich den Eindruck, als habe sie jede der einzelnen menschlichen Seelengaben in einem solchen Maße, dass diese in ihrem harmonischen Zusammenwirken den rechten Ausdruck des Menschlichen formten. Sie vereinigt verschiedene Künstlergaben mit einem freien, eindringlichen Beobachtungssinn. Ihre Malerei ist ebenso getragen von individueller Lebensentfaltung wie von hingebender Vertiefung in die objektive Welt.

Die Erzählungen, mit denen sie ihre schriftstellerische Laufbahn begann, sind vollendete Harmonien, die aus persönlichem Ringen und ganz objektiv Betrachtetem zusammenklingen. Ihre folgenden Werke tragen immer mehr diesen Charakter. Am deutlichsten tritt das in ihrem später erschienenen zweibändigen Werke «Kritik der Weiblichkeit» zu Tage. Ich betrachte es als einen schönen Gewinn meines Lebens, manche Stunde in der Zeit, die ich hier schildere, mit Rosa Mayreder in den Jahren ihres Suchens und seelischen Ringens verbracht zu haben.

Ich muss auch da wieder auf eines meiner Verhältnisse zu Menschen blicken, die über die Gedanken-Inhalte hinüber und in einem gewissen Sinne ganz unabhängig von diesen entstanden sind und intensives Leben gewannen. Denn meine Weltanschauung und noch mehr meine Empfindungsdichtung waren nicht diejenigen Rosa Mayreders. Die Art, wie ich aus der gegenwärtig anerkannten Wissenschaftlichkeit zum Erleben des Geistigen aufsteige, kann ihr unmöglich sympathisch sein.

Sie sucht diese Wissenschaftlichkeit zur Begründung von Ideen zu verwenden, die auf die volle Ausgestaltung der menschlichen Persönlichkeit zielen, ohne dass sie in diese Persönlichkeit die Erkenntnis einer rein geistigen Welt hereinspielen lässt. Was mir nach dieser Richtung eine Notwendigkeit ist, kann ihr kaum etwas sagen. Sie ist ganz hingegeben an die Forderungen der unmittelbaren menschlichen Individualität und wendet den in dieser Individualität wirkenden geistigen Kräften nicht ihre Aufmerksamkeit zu. Sie hat es durch diese ihre Art zu der bisher bedeutsamsten Darstellung des Wesens der Weiblichkeit und deren Lebensforderungen gebracht.

Ich konnte Rosa Mayreder auch nie befriedigen durch die Anschauung, die sie sich von meinem Verhältnis zur Kunst bildete. Sie meinte: ich verkenne das eigentlich Künstlerische, während ich doch gerade danach rang, dieses spezifisch Künstlerische mit der Anschauung zu erfassen, die sich mir durch das Erleben des Geistigen in der Seele ergab. Sie hielt dafür, dass ich in die Offenbarungen der Sinneswelt nicht genug eindringen und dadurch an das wirklich Künstlerische nicht herankommen könne, während ich darnach suchte, gerade in die volle Wahrheit der sinnengemäßen Formen einzudringen. -

Das alles hat nichts weggenommen von dem innigen freundschaftlichen Anteil, den ich an dieser Persönlichkeit in mir entwickelte in der Zeit, als ich ihr wertvollste Stunden meines Lebens verdankte, und der sich bis zum heutigen Tage wahrhaftig nicht vermindert hat.

http://gutenberg.spiegel.de/autor/rosa-mayreder-1031

https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Mayreder

https://anthrowiki.at/Rosa_Mayreder

Der christliche Schulungsweg - das Johannesevangelium

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. 4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen.

Das Johannes-Evangelium schildert nach dem einleitenden Prolog, von dem die ersten fünf Sätze als Meditationsformel den geistigen Blick für die Astralwelt wecken, in den Kapiteln 1-12 zunächst die Einweihungserlebnisse des Johannes auf dem Astralplan. Ab dem 13. Kapitel werden die Erlebnisse des nach drei Tagen auferweckten Johannes-Lazarus in der devachanischen Welt berichtet. Das Johannesevangelium bildet derart die Grundlage des christlichen Einweihungsweges. (Lit.: GA 94, S. 190ff)

Der christliche Schulungsweg (auch christlich-gnostischer oder christlicher Einweihungsweg genannt) ist ein geistiger Schulungsweg, der sich auf das intensive gefühlsmäßige Nacherleben des Leidensweges Christi gründet, wie er namentlich im Johannesevangelium geschildert wird. Dadurch wird vor allem die Gemütsseele, also der auf das gesunde Wahrheitsempfinden ausgerichtete Teil der Verstandes- und Gemütsseele, reich ausgebildet. Da dieser Schulungsweg eine zeitweilige Absonderung von den äußeren Alltagsgeschäften fordert, ist er heute durch die Anforderungen unseres Bewusstseinsseelen-Zeitalters für viele Menschen nicht mehr gangbar. Für diese wurde der Rosenkreuzer-Schulungsweg inauguriert, an dem sich auch die anthroposophische Geistesschulung orientiert.

ERSTER  VORTRAG,   Kassel,  24.  Juni  1909
Die Anthroposophie als die neue Verkündigung des Christus- Ereignisses. Die Johannes-Christen.  Der Sinn des Christus-Ereignisses. Die Geburt des höheren Ich im Menschen  und  die  Wiedergeburt  des göttlichen Ich in der Menschheit. http://fvn-archiv.net/PDF/GA/GA112.pdf#view=Fit

Quellen:

http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/johannes/1/

https://anthrowiki.at/Johannes-Evangelium

https://anthrowiki.at/Christlicher_Schulungsweg

Was ist bloß los in der Welt - ehrlich gefragt, offen gesagt

ein Text von Pietro Archiati
«Wenn man die Dinge so laufen lässt ... dann werden wir am Ende des 20. Jahrhunderts vor dem Krieg aller gegen alle stehen. ... Es ist dringend notwendig, dass in unser Gesamtleben wiederum in populärer Art auch das einfließt, was Kunde von der geistigen Welt gibt.» (Rudolf Steiner, 6./7.8.1921)
Es geschah vor genau hundert Jahren. Man schrieb damals das Jahr 2017, und viele dachten an die große Revolution von 1917 in Russland. Es war Frühling, als Ahriman, der Herr der Macht und des Materialismus, sich der Welt zu erkennen gab. Er dachte, seine einmalige Erscheinung in Menschenform so gut vorbereitet zu haben, dass nicht nur die führenden Eliten, sondern auch das Fußvolk auf der ganzen Erde ihn als den größten Wohltäter aller Zeiten, der Wohlstand und Fortschritt für alle bringt, begrüßen würden. Wie sehr hatte er sich aber getäuscht. Hundert Jahre Anthroposophie hatten dafür gesorgt, dass von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer mehr Menschen weltweit auf die führende Rolle des Westens, auf die Macht Amerikas, ihren geistigen Blick gerichtet hatten.

In Vorträgen, die Rudolf Steiner im Oktober 1920 gehalten hatte, fanden sie zwei erstaunliche Aussagen, die sie als Arbeitshypothese nahmen, um zu sehen, ob sich damit die Weltlage besser erklären ließe. Die erste Aussage war: Im Westen sind die führenden Persönlichkeiten in Politik und Wirtschaft keine normalen Menschen, obwohl es äußerlich so aussieht. Sie sind übermenschliche Geister, die im Umgang mit den Kräften der Erde, mit ihrer technischen Anwendung für eine materialistische Wirtschaft so genial, so erfindungsreich sind, dass sich kein Mensch, kein echter Mensch, in Europa oder in Asien mit ihnen messen kann.

Und die zweite Aussage: Eine materialistisch ausgerichtete Wirtschaft, die kein freies Geistesleben neben sich duldet, kann nur zerstörerisch wirken. Der Mensch kann nicht mehr der Geister Herr werden, die er mit den Maschinen auf den Plan gerufen hat. Das Finanzwesen entwickelt eine eigene, völlig irrationale Dynamik. Die «Fortschritte» der Gentechnologie greifen in die Kräfte der Natur so ein, dass die Gesundheit des Menschen zunehmend gefährdet wird. Der Materialismus in der Wirtschaft und im Leben des Alltags wurde von immer mehr Menschen als die tiefere Ursache für die Kriege weltweit, für die Zerstörung der Umwelt, für die bedrohlich zunehmenden Flüchtlingsströme betrachtet.

Das war eine Zeit, in der viele ganz engagiert über diese Aussagen Rudolf Steiners diskutierten. Immer zahlreicher wurden die Menschen, die sie überzeugend fanden. Zehntausende, Hunderttausende waren bald diejenigen, die in der Öffentlichkeit laut behaupteten: Es nützt alles nichts, wenn der deutsche Bundespräsident überall in der Welt über ethische Werte schöne Predigten hält, und die große Macht aus diesen Werten ein Feigenblatt macht, um die nackte Brutalität des Materialismus zu verschleiern. Es nützt alles nichts, wenn die Bundeskanzlerin – Angela Merkel hieß sie damals, vor hundert Jahren – alles tut, um so viele, dann aber auf einmal so wenige Flüchtlinge wie möglich willkommen zu heißen, und die große Macht ungestraft und unaufhaltsam dafür sorgt, dass sie weltweit immer mehr werden.

Der Kommunismus beinhaltet all das

"Eigentlich kann man die kommunistische Idee in vier Prinzipien zusammenfassen.

1. Es muss möglich sein, das Schicksal der Menschheit der Besitz-Oligarchie zu entreißen.

2. Es muss möglich sein, die menschliche Arbeit nicht strikt zu unterteilen, in Leitung und Ausführung, in manuelle und intellektuelle Arbeit, in Männer- und Frauenarbeit; um ein paar der Widersprüche zu nennen.

3. Man kann vielleicht aufhören, sich zu bekriegen, aufgrund von Identität, Nationalität, Rasse, Religion und kann im Dienste der ganzen Menschheit arbeiten.

4. Vielleicht ist die Existenz einer autoritären und abgehobenen Staatsmacht keine definitive Sache.

Der Kommunismus beinhaltet all das."

Quelle:
Alain Badiou: Raus aus der Komfortzone! (Sternstunde Philosophie vom 18.12.16)
https://youtu.be/JQGlP1rNaDU?t=31m31s

Auf dem Totenbett bereuen

Versäumnis Nr. 1
Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie es andere von mir erwarten.

Versäumnis Nr. 2
Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.

Versäumnis Nr. 3
Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Versäumnis Nr. 4
Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.

Versäumnis Nr. 5
Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.

Aus dem Inhaltsverzeichnis von
Bronnie Ware - 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen.
Einsichten, die Ihr Leben verändern werden. 2015.

Warum Rudolf Steiner lesen anstrengend ist

«Die Lektüre Steiners ist für viele anspruchsvoll. Ein wichtiger Grund dafür liegt darin, dass das heutige Leben immer hektischer wird und der Leistungsdruck steigt. Wenn überhaupt noch etwas Zeit für die Lektüre übrig bleibt, dann besteht die innere Erwartung, dass man «abschalten» und sich ein wenig erholen kann. Ist die Lektüre anstrengend, so gibt man sich gleich enttäuscht, legt das Buch aus der Hand und greift nach einem unterhaltsameren Text.

Das ist es eben: Wir haben uns daran gewöhnt, alles Geistige oder Kulturelle als Erholung, als Unterhaltung haben zu wollen. Wir suchen nach einer Entschädigung für die Härten des Lebens, nach einer Entspannung, die nur abseits des Lebens erlebt werden kann. Diese innere Haltung trägt ihrerseits dazu bei, dass der Geist dem Leben gegenüber immer ohnmächtiger und unsere Ideale immer kraftloser werden. Unsere sittlichen Werte werden dadurch immer abstrakter und treiben uns mehr und mehr in die Resignation, sie machen uns zunehmend innerlich depressiv und nach außen aggressiv.

Gibt es da überhaupt eine Lösung? Natürlich gibt es eine: Jeder kann gleich damit anfangen, mehr Kraft in seinen Geist, in seine Gedanken zu gießen. Und eines der besten Mittel dafür ist eine anspruchsvolle Lektüre, die als Studium verstanden wird und die nur bei innerer Anstrengung einen Sinn hat und Früchte trägt. Man braucht nur das Lesen umgekehrt wie gewohnt zu sehen: auf keinen Fall zum Beispiel einen Vortrag Steiners dann zu lesen, wenn man zu müde ist. Denn der taugt nicht zur Erholung, sondern im Gegenteil zur wohl tuenden «Ermüdung». Vorher muss man gut bei Kräften sein, um seine volle Freude daran zu erleben.

Diese Art der Übung, die den Geist, die Gedanken immer stärker macht, macht den Menschen auch zunehmend fähig, in das tägliche Leben mit voller Kraft einzugreifen, es im eigenen Sinne einzurichten und immer menschenfreundlicher zu gestalten. Für den heutigen Menschen steht also am Anfang die Ohnmacht des Geistes, die Kraftlosigkeit der Ideale dem Leben gegenüber. Dies gibt ihm aber erst recht die Möglichkeit, gerade auch durch die Lektüre die Ohnmacht des Geistes immer wieder zu überwinden. Davon ist in diesem Vortrag die Rede.

Die Frage «Wie finde ich den Christus?» ist die Frage: «Wie finde ich den schöpferischen, lebensgestaltenden Geist in mir?» Und die schlichte Antwort lautet: Dieses Finden ist das Ergebnis einer zweifachen Erfahrung: Zuerst muss der Mensch in sich die Ohnmacht erleben, jene Ohnmacht, die wir alle gut kennen. In der individuellen überwindung dieser Ohnmacht kann dann immer mehr auch die Auferstehung des Geistes zur inneren Erfahrung werden.»

Vorwort von Pietro Archiati zu: Rudolf Steiner, Wie finde ich den Christus?

https://rudolfsteinerausgaben.1kcloud.com/ep1ZM9tA/epaper/rsa-gv-2018.pdf

Das Ende der Demokratie – wie wir sie kennen

Dieser Beitrag befasst sich zunächst mit einigen wichtigen Elementen bei der Definition einer global herrschenden Klasse. Er untersucht dann, wie die Neokonservativen in den USA an die Macht gekommen sind und wie sie Regierungswechsel in anderen Weltregionen erzwingen wollen, um dort Chaos zu stiften. Eine Strategie der Spannung dient dazu, die eigene Bevölkerung unter Konformitätsdruck zu stellen. Aber die eigentliche Revolution besteht darin, dass bereits heute weite Politikbereiche einer wirksamen demokratischen Kontrolle entzogen sind. An drei Fallstudien wird nachgewiesen, wie weit der Dunkle Staat heute bereits geht. Demokratie steht am Rande des Überlebens.

Das Ende der Demokratie – wie wir sie kennen von Bernd Hamm. pdf

Die größte Gefahr für die Mächtigen

"Obwohl sich die Mächtigen in Europa so um ihre weltweite Wettbewerbsfähigkeit, um Migration und Terrorismus sorgen, jagt ihnen nur eines wirklich Angst ein: die Demokratie!

Europa demokratisieren!
Europa wird demokratisiert
oder es wird zerfallen!

DiEM25 ist eine europaweite, grenzüberschreitende Bewegung von Demokraten. Wir glauben, dass die Europäische Union dabei ist zu zerfallen. Die Europäer verlieren ihren Glauben an die Möglichkeit, europäische Lösungen für europäische Probleme zu finden. Zur gleichen Zeit wie das Vertrauen in die EU schwindet, sehen wir einen Anstieg von Menschenverachtung, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus.

Wenn diese Entwicklung nicht beendet wird, befürchten wir eine Rückkehr zu den 1930er Jahren. Deshalb sind wir trotz unserer unterschiedlichen politischen Traditionen zusammen gekommen, - Grüne, radikale und liberale Linke, - um die EU zu reparieren. Die EU muss wieder eine Gemeinschaft für gemeinsamen Wohlstand, Frieden und Solidarität für alle Europäer werden. Wir müssen schnell handeln, bevor die EU zerfällt."

DIEM25 - webseite

diem25 - das Mainfest

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Ein kleines Bonbon:

https://dieunbelehrbaren.wordpress.com/

Der private Konsum - die tragende Säule der Gesellschaft

"Die Bedeutung des privaten Konsums als tragender Säule der Wirtschaft kann nicht hoch genug geschätzt werden. Die Wurzeln des nicht enden wollenden Kaufrausches in den Industrieländern und den urbanen Regionen der Schwellenländer reichen bis zum Ende des zweiten Weltkrieges zurück, als in den USA die Angst aufkam, mit dem Abebben der Rüstungsaufträge drohe wieder Massenarbeitslosigkeit. Findige Ökonomen machten daher den Vorschlag, den privaten Konsum anzukurbeln und dadurch neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Idee war unglaublich erfolgreich. Schon im Jahr 1955 formulierte Victor Lebow, ein amerikanischer Marketingfachmann, ein neues Konsumleitbild:

"[...] unsere ungeheuer produktive Wirtschaft verlangt, dass wir den Konsum zu unserem Lebensstil und den Kauf und die Nutzung von Gütern zu einem Ritual machen, dass wir unsere spirituelle Befriedigung und die Erfüllung unseres Selbst im Konsum suchen." (Worldwatch Institute 2010: 49)

Dieses Leitbild hat im Laufe der Jahrzehnte seinen Siegeszug um die Welt angetreten und ist heute dabei, auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern Fuß zu fassen.

Um den privaten Konsum zur tragenden Säule des Wirtschaftswachstums zu machen, bedurfte es aber einer Reihe flankierender Maßnahmen, allen voran das Hervorrufen ständig neuer Bedürfnisse beim Verbraucher. Fanden die neuen Produkte in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mit relativ geringem Werbeaufwand ihren Absatz, änderte sich dies, als die Unternehmen, zunehmend auf gesättigte Märkte stießen - mehr als ein Radio, eine Waschmaschine, eine Geschirrspülmaschine etc. in einem Haushalt war zunächst nicht abzusetzen. Die kreativen Möglichkeiten in der Schöpfung neuer oder vermeintlicher Bedürfnisse, für die bisher seitens der Verbraucher  keine Nachfrage bestanden hatten und deren Befriedigung in der Regel auch keinen Beitrag zu Steigerung der Lebensqualität leistet, wurde perfektioniert

Mit zunehmender Sättigung der Märkte musste die Werbung verfeinert und intensiviert werden. Heute beherrscht sie uns allumfassend - bin in den privatesten Bereich hinein. So wundert es nicht, dass die weltweiten Werbeaufwendungen der Wirtschaft inzwischen jährlich etwas 640 Milliarden US-Dollar erreicht haben. Die Ironie für den Verbraucher: Diese Aufwendungen werden über die Preise auf ihn abgewälzt."

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von Klaus Wiegandt, Stifter und Vorstand des "Forums für Verantwortung" und gemeinsam mit Harald Welzer Herausgeber der Edition Forum für Verantwortung im Fischer Verlag. Der Auszug ist aus der zweiten Auflage des Bandes Wege aus der Wachstumsgesellschaft, Frankfurt am Main, 2014, aus dem Artikel Hindernisse auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung, von Seite 68.

Lust auf anders

"Nachhaltig leben ist verflixt schwierig. Täglich handeln wir entgegen unseren Überzeugungen. Wieder und wieder. Wie können wir das nur abstellen? Der Umweltpsychologe Maces Hunecke sagt: Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis von Achtsamkeit und Genuss."
 
Von Thomas Friemel im BANK SPIEGEL - Das Magazin der GLS BANK Ausgabe 2/2017 Heft 228 Nachhaltig Wirtschaften


"Der Mensch ist ein Besserwisser. Nein, nein, nicht im Sinne von Naseweis oder Klugscheißer. Der Mensch weiß schlichtweg, was gut ist und was nicht. Nur: Er handelt oft nicht danach.
Die Raucher zum Beispiel: Sie wissen, dass Rauchen ungesund ist, und saugen dennoch tief am Tabakröhrchen. Morgen, schwören sie, sei wirklich Schluss. Ist es aber nicht. Auch nicht bei den Fastfood-Junkies. Den Billigklamotten-Shoppern. Den Bis-zum-nächsten-Briefkasten-Autofahrern. Alle eint das tiefe Wissen: Geht eigentlich nicht. Aber zu lecker, zu billig, zu einfach - wer kommt dagegen schon an?! Selbst der alte Goethe wusste: „Nach dem Gedanken handeln ist unbequem.“
Recht hatte er. In einer Umfrage für die Bundesregierung sagten zwei Drittel der Deutschen, dass die Umwelt nur langfristig geschützt werden kann, wenn alle nachhaltig agieren. Wie ist es dann zu erklären, dass dieses Deutschen im vergangenen Jahr 176 Milliarden Euro für Lebensmittel ausgaben, davon aber nur knapp 5,4 Prozent bio waren? Warum surren auf unseren Straßen nur 34.000 Elektroautos von insgesamt 45,8 Millionen Pkw herum? Warum laufen die Menschen nachhaltigen Banken nicht die Türen ein?

Was hindert uns daran, Überzeugungen in die entsprechenden, richtigen Taten umzusetzen? Eine Antwort kommt von höchster Stelle. Im „Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum“ der Bundesregierung heißt es: Ein Hemmnis „stellen die im Alltag herrschenden Routinen und Gewohnheiten dar, bei denen nicht bewusst über das handeln nachgedacht und deshalb an nicht nachhaltigen Varianten festgehalten wird.“ Der Mensch, das Gewohnheitstier. Zu bequem und zu schwach, um den inneren Schweinehund niederzuringen. Aber wie kann es dann gehen?

Also her mit einem Experten, der berufsbedingt tief in uns hineinschaut. Marcel Hunecke ist Professor für Allgemeine Psychologie sowie Organisations- und Umweltpsychologe an der FH Dortmund und Privatdozent an der Ruhr-Universität Bochum. In seinem Buch „Psychologie der Nachhaltigkeit“ schreibt er „Es ist ein kultureller Wandel notwendig, der nur durch die aktive Beteiligung möglichst vieler und vor allem eigenständig denkender und handelnder Bürger angestoßen werden kann. Der hierfür notwendige Wertewandel kann in den Individuen nur auf der Grundlage von selbstreflexiven Prozessen stattfinden - und zwar auf freiwillige Weise.“ Der erhobene Zeigefinger als moralischer Appell taugt nicht, um Menschen zu dauerhaften Veränderungen ihrer Lebensweise zu motivieren. Und Verbote schon gar nicht. Die erzeugend nur Widerstände und Vermeidungsverhalten. Als die Grünen im Bundestagswahlkampf 2013 den Veggie Day forderten, schrie die kollektive fleischfressende  Seele des Landes auf.

Aber was dann? Und wie? Ein Anruf bei Hunecke in Bochum, in Spuckweite zu GLS Bank. „Das ist nicht einfach“, sagt er und alles andere hätte auch überrascht. Um Verhaltensveränderungen zu bewirken, müssen alternative Lebensentwürfe als positiv oder angenehm wahrgenommen werden. Mit anderen Worten: Man muss Lust auf Neues bekommen. Wenn Nachhaltigkeit ein besseres, zufriedeneres Leben verspricht, folgen die Menschen.

Also muss die Vision etwas bereithalten, das heute fehlt und nach dem sich die Menschen sehnen. „Im Hier und Jetzt leben zum Beispiel“, sagt Hunecke. Achtsamkeit ist für ihn zentral. „Aber nicht im Sinne von Stressbewältigung. Wo es Angebote gibt, die uns versprechen, durch eine Wochenendseminar wieder in die innere Balance zu kommen“, sagt der Forscher. „Wer Achtsamkeit regelmäßig praktiziert, der stößt auf existenzielle Fragen: Wer bin ich? Was will ich im Leben? Was macht Sinn?“ Wer diese Fragen für sich beantworte, der allein gehe schon mit sich, Mitmenschen und Umwelt sorgsamer um.

Ein zweiter wichtiger Faktor sei Genuss. Gute Ernährung fördere Wohlbefinden und Gesundheit, und vor dem Hintergrund des Selbstoptimierungs-Hype beschleunige sich das derzeit. „Das Erstarken der Slow-Food-Bewegung ist ein Beleg dafür, dass hier Achtsamkeit und Genuss zusammenfinden.“ Und mehr noch: „Ernährung hat das Potenzial, der Einstieg in die nachhaltige Lebensweise zu sein.“ Der nächste Schritt wäre dann der aus dem eigenen Körper auf die Haut - „da werden sich sich Menschen bald vermehrt haben, was sie eigentlich anhaben, welches Wasser sie an sich heranlassen, welche Kosmetikprodukte.“ Und von dort könne sich die Nachhaltigkeit weiterbewegen bis hin zu den Rändern des Handelns, zum Beispiel wie wir reisen. Oder zu welcher Bank wir gehen.

„Um den Boden für ein nachhaltiges Agieren zu entwickeln, brauchen wir entsprechende Kontexte, also Reflexions- und Erfahrungsräume.“ In diesen Räumen könnten entsprechende Lernprozesse stattfinden, die das Persönlichkeitswachstum anregen und entfalten. Die Räume könnten in Schulen geschaffen werden („wenn sie nicht nur instrumentelles Wissen für die Technik und Wirtschaft vermittelt“), in Unternehmen („wenn sie nicht einseitig einer Erhöhung der Produktivität dienen“) oder im Gemeinwesen („wenn sie weitgehend frei von parteipolitischen Interessen sind“).

Wer sich auf den Weg mache und den Wandel pionierhaft vorantreibe, müsse dann unterstützt werden. Diese Personen seien wichtig, weil sie uns eine Vision aufzeigen. Und damit viele Menschen von ihnen erfahren, sollten ihre Geschichten erzählt werden. „So wie im Bankspiegel“, sagt Marcel Hunecke. Und das lassen wir mal so stehen."