Warum Rudolf Steiner lesen anstrengend ist

«Die Lektüre Steiners ist für viele anspruchsvoll. Ein wichtiger Grund dafür liegt darin, dass das heutige Leben immer hektischer wird und der Leistungsdruck steigt. Wenn überhaupt noch etwas Zeit für die Lektüre übrig bleibt, dann besteht die innere Erwartung, dass man «abschalten» und sich ein wenig erholen kann. Ist die Lektüre anstrengend, so gibt man sich gleich enttäuscht, legt das Buch aus der Hand und greift nach einem unterhaltsameren Text.

Das ist es eben: Wir haben uns daran gewöhnt, alles Geistige oder Kulturelle als Erholung, als Unterhaltung haben zu wollen. Wir suchen nach einer Entschädigung für die Härten des Lebens, nach einer Entspannung, die nur abseits des Lebens erlebt werden kann. Diese innere Haltung trägt ihrerseits dazu bei, dass der Geist dem Leben gegenüber immer ohnmächtiger und unsere Ideale immer kraftloser werden. Unsere sittlichen Werte werden dadurch immer abstrakter und treiben uns mehr und mehr in die Resignation, sie machen uns zunehmend innerlich depressiv und nach außen aggressiv.

Gibt es da überhaupt eine Lösung? Natürlich gibt es eine: Jeder kann gleich damit anfangen, mehr Kraft in seinen Geist, in seine Gedanken zu gießen. Und eines der besten Mittel dafür ist eine anspruchsvolle Lektüre, die als Studium verstanden wird und die nur bei innerer Anstrengung einen Sinn hat und Früchte trägt. Man braucht nur das Lesen umgekehrt wie gewohnt zu sehen: auf keinen Fall zum Beispiel einen Vortrag Steiners dann zu lesen, wenn man zu müde ist. Denn der taugt nicht zur Erholung, sondern im Gegenteil zur wohl tuenden «Ermüdung». Vorher muss man gut bei Kräften sein, um seine volle Freude daran zu erleben.

Diese Art der Übung, die den Geist, die Gedanken immer stärker macht, macht den Menschen auch zunehmend fähig, in das tägliche Leben mit voller Kraft einzugreifen, es im eigenen Sinne einzurichten und immer menschenfreundlicher zu gestalten. Für den heutigen Menschen steht also am Anfang die Ohnmacht des Geistes, die Kraftlosigkeit der Ideale dem Leben gegenüber. Dies gibt ihm aber erst recht die Möglichkeit, gerade auch durch die Lektüre die Ohnmacht des Geistes immer wieder zu überwinden. Davon ist in diesem Vortrag die Rede.

Die Frage «Wie finde ich den Christus?» ist die Frage: «Wie finde ich den schöpferischen, lebensgestaltenden Geist in mir?» Und die schlichte Antwort lautet: Dieses Finden ist das Ergebnis einer zweifachen Erfahrung: Zuerst muss der Mensch in sich die Ohnmacht erleben, jene Ohnmacht, die wir alle gut kennen. In der individuellen überwindung dieser Ohnmacht kann dann immer mehr auch die Auferstehung des Geistes zur inneren Erfahrung werden.»

Vorwort von Pietro Archiati zu: Rudolf Steiner, Wie finde ich den Christus?

https://rudolfsteinerausgaben.1kcloud.com/ep1ZM9tA/epaper/rsa-gv-2018.pdf

Das Ende der Demokratie – wie wir sie kennen

Dieser Beitrag befasst sich zunächst mit einigen wichtigen Elementen bei der Definition einer global herrschenden Klasse. Er untersucht dann, wie die Neokonservativen in den USA an die Macht gekommen sind und wie sie Regierungswechsel in anderen Weltregionen erzwingen wollen, um dort Chaos zu stiften. Eine Strategie der Spannung dient dazu, die eigene Bevölkerung unter Konformitätsdruck zu stellen. Aber die eigentliche Revolution besteht darin, dass bereits heute weite Politikbereiche einer wirksamen demokratischen Kontrolle entzogen sind. An drei Fallstudien wird nachgewiesen, wie weit der Dunkle Staat heute bereits geht. Demokratie steht am Rande des Überlebens.

Das Ende der Demokratie – wie wir sie kennen von Bernd Hamm. pdf

Die größte Gefahr für die Mächtigen

"Obwohl sich die Mächtigen in Europa so um ihre weltweite Wettbewerbsfähigkeit, um Migration und Terrorismus sorgen, jagt ihnen nur eines wirklich Angst ein: die Demokratie!

Europa demokratisieren!
Europa wird demokratisiert
oder es wird zerfallen!

DiEM25 ist eine europaweite, grenzüberschreitende Bewegung von Demokraten. Wir glauben, dass die Europäische Union dabei ist zu zerfallen. Die Europäer verlieren ihren Glauben an die Möglichkeit, europäische Lösungen für europäische Probleme zu finden. Zur gleichen Zeit wie das Vertrauen in die EU schwindet, sehen wir einen Anstieg von Menschenverachtung, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus.

Wenn diese Entwicklung nicht beendet wird, befürchten wir eine Rückkehr zu den 1930er Jahren. Deshalb sind wir trotz unserer unterschiedlichen politischen Traditionen zusammen gekommen, - Grüne, radikale und liberale Linke, - um die EU zu reparieren. Die EU muss wieder eine Gemeinschaft für gemeinsamen Wohlstand, Frieden und Solidarität für alle Europäer werden. Wir müssen schnell handeln, bevor die EU zerfällt."

DIEM25 - webseite

diem25 - das Mainfest

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Ein kleines Bonbon:

https://dieunbelehrbaren.wordpress.com/

Der private Konsum - die tragende Säule der Gesellschaft

"Die Bedeutung des privaten Konsums als tragender Säule der Wirtschaft kann nicht hoch genug geschätzt werden. Die Wurzeln des nicht enden wollenden Kaufrausches in den Industrieländern und den urbanen Regionen der Schwellenländer reichen bis zum Ende des zweiten Weltkrieges zurück, als in den USA die Angst aufkam, mit dem Abebben der Rüstungsaufträge drohe wieder Massenarbeitslosigkeit. Findige Ökonomen machten daher den Vorschlag, den privaten Konsum anzukurbeln und dadurch neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Idee war unglaublich erfolgreich. Schon im Jahr 1955 formulierte Victor Lebow, ein amerikanischer Marketingfachmann, ein neues Konsumleitbild:

"[...] unsere ungeheuer produktive Wirtschaft verlangt, dass wir den Konsum zu unserem Lebensstil und den Kauf und die Nutzung von Gütern zu einem Ritual machen, dass wir unsere spirituelle Befriedigung und die Erfüllung unseres Selbst im Konsum suchen." (Worldwatch Institute 2010: 49)

Dieses Leitbild hat im Laufe der Jahrzehnte seinen Siegeszug um die Welt angetreten und ist heute dabei, auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern Fuß zu fassen.

Um den privaten Konsum zur tragenden Säule des Wirtschaftswachstums zu machen, bedurfte es aber einer Reihe flankierender Maßnahmen, allen voran das Hervorrufen ständig neuer Bedürfnisse beim Verbraucher. Fanden die neuen Produkte in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mit relativ geringem Werbeaufwand ihren Absatz, änderte sich dies, als die Unternehmen, zunehmend auf gesättigte Märkte stießen - mehr als ein Radio, eine Waschmaschine, eine Geschirrspülmaschine etc. in einem Haushalt war zunächst nicht abzusetzen. Die kreativen Möglichkeiten in der Schöpfung neuer oder vermeintlicher Bedürfnisse, für die bisher seitens der Verbraucher  keine Nachfrage bestanden hatten und deren Befriedigung in der Regel auch keinen Beitrag zu Steigerung der Lebensqualität leistet, wurde perfektioniert

Mit zunehmender Sättigung der Märkte musste die Werbung verfeinert und intensiviert werden. Heute beherrscht sie uns allumfassend - bin in den privatesten Bereich hinein. So wundert es nicht, dass die weltweiten Werbeaufwendungen der Wirtschaft inzwischen jährlich etwas 640 Milliarden US-Dollar erreicht haben. Die Ironie für den Verbraucher: Diese Aufwendungen werden über die Preise auf ihn abgewälzt."

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von Klaus Wiegandt, Stifter und Vorstand des "Forums für Verantwortung" und gemeinsam mit Harald Welzer Herausgeber der Edition Forum für Verantwortung im Fischer Verlag. Der Auszug ist aus der zweiten Auflage des Bandes Wege aus der Wachstumsgesellschaft, Frankfurt am Main, 2014, aus dem Artikel Hindernisse auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung, von Seite 68.

Lust auf anders

"Nachhaltig leben ist verflixt schwierig. Täglich handeln wir entgegen unseren Überzeugungen. Wieder und wieder. Wie können wir das nur abstellen? Der Umweltpsychologe Maces Hunecke sagt: Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis von Achtsamkeit und Genuss."
 
Von Thomas Friemel im BANK SPIEGEL - Das Magazin der GLS BANK Ausgabe 2/2017 Heft 228 Nachhaltig Wirtschaften


"Der Mensch ist ein Besserwisser. Nein, nein, nicht im Sinne von Naseweis oder Klugscheißer. Der Mensch weiß schlichtweg, was gut ist und was nicht. Nur: Er handelt oft nicht danach.
Die Raucher zum Beispiel: Sie wissen, dass Rauchen ungesund ist, und saugen dennoch tief am Tabakröhrchen. Morgen, schwören sie, sei wirklich Schluss. Ist es aber nicht. Auch nicht bei den Fastfood-Junkies. Den Billigklamotten-Shoppern. Den Bis-zum-nächsten-Briefkasten-Autofahrern. Alle eint das tiefe Wissen: Geht eigentlich nicht. Aber zu lecker, zu billig, zu einfach - wer kommt dagegen schon an?! Selbst der alte Goethe wusste: „Nach dem Gedanken handeln ist unbequem.“
Recht hatte er. In einer Umfrage für die Bundesregierung sagten zwei Drittel der Deutschen, dass die Umwelt nur langfristig geschützt werden kann, wenn alle nachhaltig agieren. Wie ist es dann zu erklären, dass dieses Deutschen im vergangenen Jahr 176 Milliarden Euro für Lebensmittel ausgaben, davon aber nur knapp 5,4 Prozent bio waren? Warum surren auf unseren Straßen nur 34.000 Elektroautos von insgesamt 45,8 Millionen Pkw herum? Warum laufen die Menschen nachhaltigen Banken nicht die Türen ein?

Was hindert uns daran, Überzeugungen in die entsprechenden, richtigen Taten umzusetzen? Eine Antwort kommt von höchster Stelle. Im „Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum“ der Bundesregierung heißt es: Ein Hemmnis „stellen die im Alltag herrschenden Routinen und Gewohnheiten dar, bei denen nicht bewusst über das handeln nachgedacht und deshalb an nicht nachhaltigen Varianten festgehalten wird.“ Der Mensch, das Gewohnheitstier. Zu bequem und zu schwach, um den inneren Schweinehund niederzuringen. Aber wie kann es dann gehen?

Also her mit einem Experten, der berufsbedingt tief in uns hineinschaut. Marcel Hunecke ist Professor für Allgemeine Psychologie sowie Organisations- und Umweltpsychologe an der FH Dortmund und Privatdozent an der Ruhr-Universität Bochum. In seinem Buch „Psychologie der Nachhaltigkeit“ schreibt er „Es ist ein kultureller Wandel notwendig, der nur durch die aktive Beteiligung möglichst vieler und vor allem eigenständig denkender und handelnder Bürger angestoßen werden kann. Der hierfür notwendige Wertewandel kann in den Individuen nur auf der Grundlage von selbstreflexiven Prozessen stattfinden - und zwar auf freiwillige Weise.“ Der erhobene Zeigefinger als moralischer Appell taugt nicht, um Menschen zu dauerhaften Veränderungen ihrer Lebensweise zu motivieren. Und Verbote schon gar nicht. Die erzeugend nur Widerstände und Vermeidungsverhalten. Als die Grünen im Bundestagswahlkampf 2013 den Veggie Day forderten, schrie die kollektive fleischfressende  Seele des Landes auf.

Aber was dann? Und wie? Ein Anruf bei Hunecke in Bochum, in Spuckweite zu GLS Bank. „Das ist nicht einfach“, sagt er und alles andere hätte auch überrascht. Um Verhaltensveränderungen zu bewirken, müssen alternative Lebensentwürfe als positiv oder angenehm wahrgenommen werden. Mit anderen Worten: Man muss Lust auf Neues bekommen. Wenn Nachhaltigkeit ein besseres, zufriedeneres Leben verspricht, folgen die Menschen.

Also muss die Vision etwas bereithalten, das heute fehlt und nach dem sich die Menschen sehnen. „Im Hier und Jetzt leben zum Beispiel“, sagt Hunecke. Achtsamkeit ist für ihn zentral. „Aber nicht im Sinne von Stressbewältigung. Wo es Angebote gibt, die uns versprechen, durch eine Wochenendseminar wieder in die innere Balance zu kommen“, sagt der Forscher. „Wer Achtsamkeit regelmäßig praktiziert, der stößt auf existenzielle Fragen: Wer bin ich? Was will ich im Leben? Was macht Sinn?“ Wer diese Fragen für sich beantworte, der allein gehe schon mit sich, Mitmenschen und Umwelt sorgsamer um.

Ein zweiter wichtiger Faktor sei Genuss. Gute Ernährung fördere Wohlbefinden und Gesundheit, und vor dem Hintergrund des Selbstoptimierungs-Hype beschleunige sich das derzeit. „Das Erstarken der Slow-Food-Bewegung ist ein Beleg dafür, dass hier Achtsamkeit und Genuss zusammenfinden.“ Und mehr noch: „Ernährung hat das Potenzial, der Einstieg in die nachhaltige Lebensweise zu sein.“ Der nächste Schritt wäre dann der aus dem eigenen Körper auf die Haut - „da werden sich sich Menschen bald vermehrt haben, was sie eigentlich anhaben, welches Wasser sie an sich heranlassen, welche Kosmetikprodukte.“ Und von dort könne sich die Nachhaltigkeit weiterbewegen bis hin zu den Rändern des Handelns, zum Beispiel wie wir reisen. Oder zu welcher Bank wir gehen.

„Um den Boden für ein nachhaltiges Agieren zu entwickeln, brauchen wir entsprechende Kontexte, also Reflexions- und Erfahrungsräume.“ In diesen Räumen könnten entsprechende Lernprozesse stattfinden, die das Persönlichkeitswachstum anregen und entfalten. Die Räume könnten in Schulen geschaffen werden („wenn sie nicht nur instrumentelles Wissen für die Technik und Wirtschaft vermittelt“), in Unternehmen („wenn sie nicht einseitig einer Erhöhung der Produktivität dienen“) oder im Gemeinwesen („wenn sie weitgehend frei von parteipolitischen Interessen sind“).

Wer sich auf den Weg mache und den Wandel pionierhaft vorantreibe, müsse dann unterstützt werden. Diese Personen seien wichtig, weil sie uns eine Vision aufzeigen. Und damit viele Menschen von ihnen erfahren, sollten ihre Geschichten erzählt werden. „So wie im Bankspiegel“, sagt Marcel Hunecke. Und das lassen wir mal so stehen."

Über die deutsche Nachkriegszeit

"Dieses Filmwunder handelt von dem Fräulein aus dem Wirtschaftswunder: Maria Braun ist eine volksmythische Figur in einem emblematischen Film über die deutsche Nachkriegszeit, in der der Wiederaufbau bezahlt wurde mit dem anhaltenden Abbau der Gefühle, die aufblühende Prosperität angeheizt wurde mit verdorrten Seelen, und in der eine Frau ihrem großen Gefühl und ihrer kleinen Gefühlen, ihrer großen Liebe wie ihren kleinen Liebschaften treu bleibt und ihre Kaft vergeudet am Aufbau einer Gesellschaft, die Verträge zur Vernichtung von Liebe und Würde gesellschaftsfähig macht."

ALFRED HOLIGHAUS (Hg.) Der Filmkanon, 35 Filme, die Sie kennen müssen, bpb, Bonn 2005, S. 196

Die Ehe der Maria Braun - Fassbinder (1979) - Trailer

Für freie Menschen: Aufklärung mit Prof. Rainer Mausfeld

"Prof. Rainer Mausfeld ist eine Koryphäe, wenn es um das Enttarnen von Eliten-Macht geht. Sein aktueller Vortrag [...] hilft dem einzelnen, die Ohnmacht zu überwinden, die jeden beschleicht, wenn er versucht, im Alleingang das System zu durchschauen. Die Chance auf Veränderung beginnt im Kopf. Wissen ist der Schlüssel. Mehr Wissen bei den Massen." schreibt KenFM. Im empfehle die Vorträge in folgender Reihenfolge:

Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ - Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements

Prof. Rainer Mausfeld: Die Angst der Machteliten vor dem Volk

Prof. Rainer Mausfeld: Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert?

28. Pleisweiler Gespräch mit Professor Mausfeld - 22. Oktober 2017

Und wer sich fragt, was das Netzwerk der Mächtigen ist?
Dem empfehle ich die Novemberausgabe von Die Anstalt:

www.zdf.de - die-anstalt-vom-7-november-2017

Die Revolution hat begonnen! - Ret Marut

"Halloh, Ihr Menschen! Halloh!
Ich gehöre weder der Sozialdemokratischen Partei an, noch bin ich ein unabhängiger Sozialist. Ich gehöre weder der Spartacus-Gruppe an, noch bin ich ein Bolschewist. (...)
Ich kann keiner Partei angehören, weil ich in jeder Partei-Zugehörigkeit eine Beschränkung meiner persönlichen Freiheit erblicke, weil die Verpflichtung auf ein Partei-Programm mir die Möglichkeit nimmt, mich zu dem zu entwickeln, was mir als das höchste und das edelste Ziel auf Erden gilt: Mensch sein zu dürfen! (...)
Die edelste, reinste und wahrhafteste Menschenliebe ist die Liebe zu sich selbst. Ich will frei sein! (...)
Aber meine Freiheit ist nur dann gesichert, wenn alle anderen Menschen um mich frei sind. (...)
Mehr als fünfzig Monate bin ich in der schamlosesten Weise belogen und betrogen worden, von der Regierung, vom Kaiser, vom König, von meinen Nachbarn und von der verlumptesten Institution, die sich auf Erden befindet: Die Presse. (...)
Sie wollen nichts weiter als ‘Ruhe und Ordnung’. (...)
Ruhe und Ordnung heißt: Schutz dem Kapitalisten, damit er in aller Ruhe und Ordnung denjenigen, der essen möchte, auspovern kann. (...)
Ruhe und Ordnung macht schlafmützig. Ruhe und Ordnung bringen mich um meine persönliche Freiheit. Bewegung, Gesellen! Nicht einschlafen! Die Revolution hat erst begonnen. (...)
Ich brauche keine National-Versammlung. Ich gehe nicht zur Wahl. Ich wähle nicht, ich will auch nicht gewählt werden. Ich fühle mich unter der Diktatur des Proletariats – obgleich ich kein Arbeiter bin und nicht zum Proletariat gehöre, – so wohl wie ich mich in meinem ganzen Leben noch unter keiner Regierung gefühlt habe und ich habe beinahe alle Länder der Erde kennen gelernt und in vielen nichtdeutschen Ländern viele, viele Jahre gelebt."


Mehr bei:

Revolution in Deutschland

Es ist beängstigend, wie wenig lebende Deutschprachige den Begriff Die Münchner Räterepublik und diese Namen kennen: Kurt Eisner, Ernst Toller, Erich Mühsam, Ret Marut und Gustav Landauer.
Sie waren pazifistisch, anarchistische Intellektuelle. Sie waren führende Geister der Revolution von 1918 in München. Beim bayrischen Rundfunk steht: "Als Pazifist wollte der studierte Philosoph eine gewaltfreie Gesellschaft und ein basisdemokratisches Rätesystem aufbauen. Das verübelten ihm Bayerns Reaktionäre, obwohl er mit sowjetischem Bolschewismus nichts am Hut hatte - und ermordeten ihn am 21. Februar 1919. Der Begriff "Freistaat Bayern" geht auf Eisner zurück. "

Bei Münchner Stadtmuseum online steht; „Die hundert Tage der Regierung Eisners haben mehr Ideen, mehr Freuden der Vernunft, mehr Belebung der Geister gebracht, als die fünfzig Jahre vorher. Sein Glaube an die Kraft des Gedankens, sich in Wirklichkeit zu verwandeln, ergriff selbst Ungläubige.“ (Heinrich Mann in seiner Gedächtnisrede anlässlich der Trauerfeier für Kurt Eisner im Münchner Odeon am 16. März 1919)"

 DIE ZEIT schrieb schon 1994: "Die Verunglimpfung Kurt Eisners – nach seinen eigenen Worten von „leichtfertiger und auch bösartiger Natur“ – hat in der SPD eine bald hundertjährige Tradition. Der Chefredakteur des Vorwärts, der extrem rechte Sozialdemokrat Friedrich Stampfer, bezeichnete 1918/19 die Ministerpräsidentschaft Eisners, ohne auf deren politische Ziele einzugehen, als „Kasperlekomödie“. Auch die bis heute übliche Diffamierung Eisners als „Schwabinger Bohemien“ und „Schwabinger [Kaffeehaus-] Literat“ ist auf Stampfers Invektive zurückzuführen. Weder wohnte Eisner in Schwabing, noch verkehrte er dort. In seinen – und in den von ihm lancierten – Nachrufen stellte Stampfer dann Kurt Eisner als gemeingefährlichen Exzentriker dar: eine Charakterisierung, für die er keinerlei Belege anführte und die er auch in seinen Memoiren nicht korrigierte. Noch angereichert, wurde dieses Zerrbild 1989 zum 70. Todestag und 1992 zum 125. Geburtstag Kurt Eisners erneut verbreitet – vom verantwortlichen Redakteur der von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebenen Neuen Gesellschaft / Frankfurter Hefte. Eine kritische Untersuchung des rund drei Jahrzehnte währenden publizistischen und politischen Schaffens Kurt Eisners erweist diese Charakterisierung als falsch."

Sehr zum empfehlen ist diese 3sat Doku von Ende der 1980er oder Anfang der 90er Jahre:

Münchner Räterepublik 1919 (50 Min)

Mehr zu lesen gibt es hier:

http://www.zeit.de/1994/08/zwischen-kapitalismus-und-kommunismus/komplettansicht 

http://www.br.de/themen/bayern/inhalt/geschichte/bayern-revolution-eisner100.html

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/-geburtstag-kurt-eisner-revolutionaer-und-regierungschef-1.3503100

https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sonderausstellungen/revolutionaer-und-ministerpraesident-kurt-eisner-1867-1919.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Eisner

https://www.dhm.de/lemo/biografie/kurt-eisner

Nein - Hochmoderne Lastenräder

Ein guter Freund schrieb mir eine sms: „Wenn ich schon meckere, dass zu viele Menschen unsinnig viel Auto fahren, sollte ich mich selbst auch damit beschäftigen, wie ich weitere Fahrten vermeiden kann. Lastenrad - das ist die Lösung.“
Beim nächsten Treffen fragte ich ihn, wie er sich das vorstelle. Seine Erklärung klang überlegt: „Ich fahre häufiger für die ganze Familie einkaufen. In das Ding würden zwei Kästen Bier reinpassen. Auch Carlos [seinen Sohn] in die Kita zu bringen, wäre einfacher. Baumarkt. Picknick. Alles wäre viel leichter zu transportieren. Auch Sophie [seine Frau] könnte damit einkaufen. Sie käme viel besser den Berg hinauf. Wir bräuchten viel weniger Autofahrten.“
„OK“, antwortete ich. „Das verstehe ich. Super Ansatz. Hast du auch schon Sofie gefragt. Was hält sie davon? Hat sie Bock auf ein Lastenrad?“
„Äh - nein“, antwortete er.
„Könnte es sein“, grinse ich, „dass du einfach gerne ein Lastend kaufen willst, weil der Katalog super Bilder hat, du es dir leisten kannst und ein Lastend einfach geil wäre?“
So unterhielten wir uns noch eine Weile, bis bei meinem sehr aufgeschlossenen und mit Freude auch mal selbstkritischen Freund die Einsicht erwachte, dass es tatsächlich so sein könnte. Ich sprach keine detaillierte Empfehlung der Alternativen an. Doch als externer Betrachter grenzte ich verschiedene Gründe für ein Lastend voneinander ab:

1. Weniger Auto fahren.
2. Den Transport auch ohne Auto so einfach wie möglich machen.
3. Sofie zur Nutzung des Fahrrads bewegen.
4. Ich will ein Lastenrad kaufen.

Schon beim Lesen dieser Liste ist zu merken, was verantwortungsbewusste, gemeinwohlorientierte Aspekte sind und was emotionale Glücksherstellung sein soll - es ist, na?
Richtig, lieber Freund. Es ist Punkt vier. Genau. Dieses Bedürfnis, dieser Trieb, diese Idee von Punkt vier ist so mächtig, dass wir darüber hinaus versäumen, wirklich rational an derartige, gut gemeinte und sogar unbequeme Veränderungen heranzugehen. Als Externer diese zu Erkennen, war mir in diesem Fall viel leichter möglich, weil mich nicht die Lastenradkauflust berauscht hatte. Also haben wir folgende Situation:

1. Weniger Autofahren geht unter anderem zu Fuß, mit dem Bus, mit dem vorhandenen Fahrrad, mit dem vorhandenen Fahrradanhänger, durch eine neue Mitbring-Organisation mit der Nachbarin, durch eine bessere Vorratshaltung, durch weniger Das-Haus-Verlassen, durch mehr Gartenarbeit, durch mehr Planung.

2. Den Transport auch ohne Auto so einfach wie möglich machen:
Der Wunsch nach Bequemlichkeit in der Veränderung macht uns kreativ in der Lösungssuche. Denk. Dein Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung wechseln und so. Siehe Punkt 1.

3. Sofie zur Nutzung des Fahrrads bewegen:
Wenn dieser Punkt ernst gemeint ist, er also wirklich möchte, dass Sophie mehr Rad fährt, sollte er das unvoreingenommene, ergebnisoffene Gespräch mit Sofie so früh wie möglich suchen, immer wieder über veränderte Sichtweisen sprechen, nicht für sie entscheiden und vor allem ihre Bedürfnisse als genauso wichtig und gültig akzeptieren, wie seinen eigenen Punkt vier; seien sie noch so verrückt oder egoistisch.

4. Ich will ein Lastenrad kaufen:
Wir erkennen die Irrationalität bei anderen viel schneller, als bei uns selbst. Haben wir sie jedoch bei uns erkannt, neigen wir dazu, die gleiche Einsicht sofort und direkt von anderen zu fordern. Das lässt sich bei frisch gebackenen Vegetariern gut beobachten: Ich bin jetzt Vegetarier. Ab sofort müssen alle anderen auch Vegetarier werden. Dabei wird der Prozess, bis zur Entscheidung, vegetarisch zu leben, mit einem Mal weggewischt.

Nachdem mein Freund nun seine Kauflust beobachtete hatte, konnte er eine neue Position zu dieser Einsicht entstehen lassen. Schon vier Stunden nach unserem Gespräch, mitten auf einem Waldspaziergang, in der Gesprächspause zwischen zwei völlig anderen Themen, sagte er plötzlich: „Irgendwie haste ja schon recht. So ein Lastenrad ist zwar cool. Aber ich denke, mit einem E-Bike, das Sofie und ich mit dem Anhänger nutzen können, ist es auch getan. Wir bleiben dabei viel flexibler in der Nutzung. Sofie muss kein Lastend fahren wollen. Und das E-Bike kostet 3.000 Euro weniger. Aber haste das Modell Känguruh gesehen. Sieht schon geil aus, oder?“

Nein - Keine Verpackung aus der DönerDiele

Ich lese, den Kopf nach hinten geneigt, das „vigitarische“ Angebot der Döner-Yufka-Kebab-Varianten. Ich senke den Blick und will bestellen. Herr Dönermann hinter der Theke schaut durch mich hindurch und spult seinen Text ab:
„Der nächste“, bellt er. Währenddessen schaufelt er Salat in eine Brottasche.
Ich weiß nicht genau, ob er mich meint. Ich schiele nach rechts. Dort steht eine Frau, das Kinn auf der Brust, auf ihr Handy starrend.
Ich schiele nach Links. Dort steht ein junger Mann, den Kopf im Nacken. Er studiert die Angebotsvarianten als stünden dort Texte von Kant.
Ich muss gemeint sein.
„Einmal Falaffel im Yufka, bitte. Ohne Zwiebeln. Auf die Hand. Ohne Alufolie. Ohne Plastiktüte. Ohne Plastiklöffel. Ohne Plastikfleisch. Ohne Zwiebeln. Falaffel im Yufka, bitte. Und wehe! sie stopfen das Ding in ihrem automatischen Wahn doch in Alu und Plastik, dann schmeiß ich es ihnen an die Wand, schreie und beleidige deine Munda, Alda,“ sage ich beinahe, denn in der Massenabfertigung beim Dönermann möglichst wenig Müll zu bestellen, erfordert nicht nur die Entscheidung, Fleisch oder Falaffel, sondern auch ein beherztes, deutliches Artikulieren eines dreifachen Neins, das durch den Wahn des tausendfach einstudierten Automatismus des Dönermanns dringt.
Um Müll zu Vermeiden ist ein klares, deutliches Neins nötig. Ein rechtzeitiges Nein. Eine wiederholtes Nein. Ein spürbares Nein Nein Nein.
Und es bedarf der wissenschaftlichen Observation des Falaffel-Yufka-Verpackungsprozesses bis zum Ende und die Bereitschaft jederzeit erneut Nein zu sagen: „Keine Aluminiumfolie. Keine Plastiktüte. Keine Plastikgabel. Nein. Ich trage hier und jetzt Verantwortung für weniger Plastikmüll. Also, direkt auf die Hand. Bitte. Danke.“

Wollen Fühlen Denken - how to handle that!

Die Welt tritt dem Menschen als eine Vielheit gegenüber, als eine Summe von Einzelheiten. Eine von diesen Einzelheiten, ein Wesen unter Wesen, ist er selbst. Diese Gestalt der Welt bezeichnen wir schlechthin als gegeben, und insofern wir sie nicht durch bewusste Tätigkeit entwickeln, sondern vorfinden, als Wahrnehmung.

Innerhalb der Welt der Wahrnehmungen nehmen wir uns selbst wahr. Diese Selbstwahrnehmung bliebe einfach als eine unter den vielen anderen Wahrnehmungen stehen, wenn nicht aus der Mitte dieser Selbstwahrnehmung etwas auftauchte, das sich geeignet erweist, die Wahrnehmungen überhaupt, also auch die Summe aller anderen Wahrnehmungen mit der unseres Selbst zu verbinden.

Dieses auftauchende Etwas ist nicht mehr bloße Wahrnehmung; es wird auch nicht gleich den Wahrnehmungen einfach vorgefunden. Es wird durch Tätigkeit hervorgebracht. Es erscheint zunächst an das gebunden, was wir als unser Selbst wahrnehmen. Seiner inneren Bedeutung nach greift es aber über das Selbst hinaus. Es fügt den einzelnen Wahrnehmungen ideelle Bestimmtheiten bei, die sich aber aufeinander beziehen, die in einem Ganzen gegründet sind.

Das durch Selbstwahrnehmung Gewonnene bestimmt es auf gleiche Weise ideell wie alle andern Wahrnehmungen und stellt es als Subjekt oder «Ich» den Objekten gegenüber. Dieses Etwas ist das Denken, und die ideellen Bestimmtheiten sind die Begriffe und Ideen. Das Denken äußert sich daher zunächst an der Wahrnehmung des Selbst; ist aber nicht bloß subjektiv; denn das Selbst bezeichnet sich erst mit Hilfe des Denkens als Subjekt.

Diese gedankliche Beziehung auf sich selbst ist eine Lebensbestimmung unserer Persönlichkeit. Durch sie führen wir ein rein ideelles Dasein. Wir fühlen uns durch sie als denkende Wesen. Diese Lebensbestimmung bliebe eine rein begriffliche (logische), wenn keine anderen Bestimmungen unseres Selbst hinzuträten. Wir wären dann Wesen, deren Leben sich in der Herstellung rein ideeller Beziehungen zwischen den Wahrnehmungen untereinander und den letztern und uns selbst erschöpfte.

Nennt man die Herstellung eines solchen gedanklichen Verhältnisses ein Erkennen, und den durch dieselbe gewonnenen Zustand unseres Selbst Wissen, so müssten wir uns beim Eintreffen der obigen Voraussetzung als bloß erkennende oder wissende Wesen ansehen. Alles ist wirklich, was wahrgenommen werden kann, ist daher das Gefühl die Bürgschaft der Realität der eigenen Persönlichkeit.

Das Unsichtbare Komitee

Das Unsichtbare Komitee ist ein anonymes Autorenkomitee in Frankreich. Die Polizei hat im Zuge der "Terroristenbekämpfung" viele Spekulationen angestellt, wer dazugehören mag, aber die Identität der Autoren wurde nie bekanntgegeben.

»Nur wir, die in Betonklötzen zur Welt kommen, in Supermärkten Obst pflücken und im Fernsehen nach dem Echo der Welt Ausschau halten, bringen es fertig, geduldig die Enzyklopädie des Desasters zu erstellen.«

„Es gibt keinen friedlichen Aufstand. Waffen sind notwendig: Es geht darum, alles zu tun, um ihren Gebrauch überflüssig zu machen.“
- Unsichtbares Komitee: Deutschsprachige Ausgabe beim Nautilus Verlag, S. 105

»Dies ist möglicherweise das Böseste, was ich jemals gelesen habe.«
- Glenn Beck, Fox News, USA

„Das Buch ist der aktuellste Versuch, ultralinker Politik ein glamouröses Antlitz zu verpassen. Situationismus, Autonomen-Anarchismus und Punkpoesie werden darin zu einem knackig formulierten Pamphlet gemixt“.
- die tageszeitung

Klappentext: Nach Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde "Der kommende Aufstand" von der französischen Regierung als einziges Beweisstück eines angeblich international bekannten "Terrorismusfalls" beschlagnahmt, als ein "Handbuch des Terrorismus", und war Vorwand für die Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Tatsächlich enthält das Buch eine radikale, situationistisch geprägte Analyse der Reaktionen von Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und Volksaufstände in den letzten Jahren.

"Unter welchem Blickwinkel auch immer man es betrachtet: Die Gegenwart ist ausweglos", konstatieren die Autoren des vorliegenden Manifests. Für sie sind die brennenden Vorstädte in Frankreich oder die Straßengewalt in Griechenland revolutionäre Momente, Symptome des Zusammenbruchs der westlichen Demokratien, die sich gegenseitig verstärken und sich ausbreiten. Die Autoren fordern einen Kommunismus als "ergebnisoffenen" Prozess, die Bildung von Kommunen sowie die Restrukturierung der Ökonomie in kleine, lokale Einheiten und plädieren für eine anonyme Position der Unsichtbarkeit.

Wikipedia: Das Comité invisible hatte 2007 bereits drei weitere Schriften der Gruppe Tiqqun vorgelegt:
  • Theorie vom Bloom (2000), 
  • Kybernetik und Revolte (2001)
  • Grundbausteine einer Theorie des Jungen-Mädchens (2001). 
Im Rahmen des Chaos Communication Congress 2014 in Hamburg wurde unter dem Titel Fuck Off Google ein weiterer Text desselben Autorenkollektivs verlesen. Es handelte sich um das vierte Kapitel der Fortsetzung von „Der kommende Aufstand“, eines weiteren Manifests, das unter dem Titel A not Amis („An unsere Freunde“) erschien.

Dieses konstatierte schon auf der ersten Seite, bezugnehmend auf etwa die Revolution in Tunesien 2010/2011, die Studentenproteste in Québec 2012, die Ausschreitungen in Griechenland 2008 und die Proteste in Griechenland 2010–2012:  „Die Aufstände sind gekommen, nicht die Revolution.“ (…) wie groß auch immer die Unruhen unter dem Himmel sind, die Revolution scheint überall im Stadium des Aufruhrs zu ersticken. (…) An diesem Punkt müssen wir Revolutionäre unsere Niederlage eingestehen.“

Mit dem erneuten Manifest soll nun ein weiterer Anlauf zur radikalen Veränderung der Verhältnisse geschaffen werden und eine gemeinsame Sprache, mit der die herrschenden Verhältnisse beschrieben und ihre Beseitigung betrieben werden kann, gefunden werden; ein Unterfangen, das nach Ansicht des Rezensenten von WDR 5 am „hohen Abstraktionsniveau“ des Textes scheitert. Am Beispiel des Stratfor-Hacks ziehen die Autoren den Schluss, sich technologisches Wissen anzueignen, sei wichtig, um zerstören zu können und positionieren sich damit im Gegensatz zum Akzelerationismus. Die größte Schwäche des Textes sei, so WDR 5, sein Eurozentrismus.

Der kommende Aufstand (2007)

auf Deutsch
http://www.trend.infopartisan.net/trd1210/insurrection.pdf


An unsere Freunde (2015)

auf Deutsch
weg

Waren die Anthroposophen Nazis? Oder die Nazis Anthroposophen?

Sind die Anthroposophen Nazis? Waren die Nazis Anthroposophen?
Wenn man dieser Seite glauben schenkt, könnte man das meinen zu wissen:

https://www.psiram.com/de/index.php/Anthroposophie

Meinen Recherchen nach sind die Ruhrbarone eindeutig rechts-radikle Störenfriede, die unter anderem die Seite Psiram bearbeiten. Auf ihrer eigenen Seite schreiben sie:

https://www.ruhrbarone.de/anthroposophie-und-nationalsozialismus-die-waldorfschulen-erziehen-zur-volksgemeinschaft/44449
























Was hier abgeht, ist auch interessant - vor allem das letzte Bild des Threats:
http://www.cosmiq.de/qa/show/2469528/war-rudolf-steiner-ein-nazi/






















Und ich habe versucht, dieses Buch ganz zu lesen.























Es ging nicht. Irgendwann in der Mitte war Schluss. Aber die Ruhbarone finden es wohl gut und zitieren gerne daraus als Beleg für ???

"Aufmerksamen Beobachtern fallen bestimmte Bekleidungsgewohnheiten ("Gewandung" genannt) bei Anthroposophen auf. Angaben zu einem "Kleiderkult" des aktiven Anthroposophen ist im Werk "Achtung, Anthroposophie!" von Lydie und Andreas Baumann-Bay zu finden:"
"eine würdig aufrechte Haltung [...] einen Hut, eine Baskenmütze oder [...] ein Kopftuch, im Sommer [...] ein Strohhut. Die Kleidung ist wenig bis gar nicht figurbetont, meist ein bisschen zu warm für die Jahreszeit und selbstverständlich aus 100-prozentig natürlichen Materialien, bevorzugt Wolle oder Seide. Bei den Farben dominieren neben diskreten Erdfarben zarte Töne."[3][4]

Bei heise.de steht schon etwas differenzierter:

"So wie Kinder, die nicht glauben wollen, dass sie von ihren Eltern abstammen, suchte Himmler nach seinen wahren, den götterähnlichen Ahnen, die ihn aus Mittelmäßigkeit und beruflichem Versagen reißen sollten, und fand sie in den Irminen und Asen der ariosophischen Zirkel: Panarische Union, Germanischer Orden, Ordinis Novis Templi und Thule Gesellschaft. Letztere gilt als die Keimzelle der NSDAP. Hitler, Heß, Göring, Rosenfeld und Himmler waren Mitglied, und spielte eine Schlüsselrolle beim Ende der Münchner Räterepublik. Deren Hass auf "Unken- Drachen- Robotermenschen" speiste sich aus der Evolutionslehre der "Wurzelrassen", wie es die Theosophen erschauten und Rudolf Steiner hellseherisch erforschte, ein Erbe, mit dem sich die Antroprosophie heute herumschlagen muss: Die erste Wurzelrasse waren astrale Mondschatten, die Zweite, schweißgeborene, hermaphroditische Riesen, die dritte Rasse bestand aus Gasen, Flüssigkeit und gallertartigen Knochen, und die vierte Rasse, vollkörperliche Riesen mit magischen Kräften, lebte auf Atlantis. Die Arier waren die fünfte Rasse, während die Juden aus den minderrassigen Tschandalen hervorgingen."
https://www.heise.de/tp/features/Im-Kreis-der-schwarzen-Sonne-3451400.html

Puh! Die Beweise sind erdrückend - aber nicht für die Aussagen der Autoren dieser Texte, sondern erdrückend für die Autoren - es sei denn, tertiäre Quellen sind das einzige, was unserem Geist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit vermitteln darf, dann erdrücken die Beweise uns. Ich schnapp nach Luft.

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Ergänzungen vom 9.10.2017:


Zum Thema Steiner | Rassismus empfehle ich folgenden Seiten, von denen auch die folgende Steiner-Zitate sind:

»Ich habe den Menschen nie nach etwas anderem beurteilen können als nach den individuellen, persönlichen Charaktereigenschaften, die ich an ihm kennenlerne. ... Und ich habe im Antisemitismus nie etwas anderes sehen können als eine Anschauung, die bei ihren Trägern auf Inferiorität des Geistes, auf mangelndes ethisches Urteilsvermögen und auf Abgeschmacktheit deutet.«
Rudolf Steiner in: "Gesammelte Aufsätze zur Kultur- und Zeitgeschichte 1887-1901" (GA 31), S. 378 f. 
http://www.humanistische-aktion.de/steiner.htm

"Nur wenn man den Menschen als geistiges Wesen anschauen lernt, kann man wahrhaft alle rassistischen Tendenzen überwinden, ohne zugleich die notwendige menschheitsweite Differenzierung der leiblichen Wesensglieder leugnen zu müssen. Anerkennt man den Menschen hingegen nur als körperliches Wesen, so muß man im Sinne der vielzitierten "Toleranz" danach trachten, die körperlichen Unterschiede der Menschen möglichst zu verwischen. Damit steht man aber völlig außerhalb der Tatsachen, was nur deshalb so wenig auffällt, weil man heute zumeist nicht den realen Menschen, sondern nur sein höchst abstraktes gedankliches Abbild betrachtet.

In Wahrheit gibt es beträchtliche und notwendige Unterschiede zwischen den verschiedenen Rassen und Völkern, denen jeweils ganz bestimmte geistige Aufgaben zukommen, die nur sie erfüllen können. Die damit verbundene unterschiedliche Struktur des physischen und ätherischen Leibes entscheidet aber nicht über den Wert des Individuums, das selbst seelisch-geistiger Natur ist. Die rassische und völkische Anlage des Menschen bezeichnet nur die speziellen Bedingungen, in denen das Individuum lebt.

Nur ein unklares Denken kann beides miteinander verwechseln; es wäre genauso, als wollte man den moralischen Wert eines Menschen daran bemessen, wie prunkvoll seine Kleidung oder seine Behausung ist. Die physisch-ätherische Natur des Menschen unterscheidet sich nicht wesentlich von der Landschaft und dem Klima, in das der Mensch hineingeboren wird – aber wollte man deswegen den Bergbewohner dem im flachen Land lebenden Menschen vorziehen, oder umgekehrt? Jede Art von Rassismus oder Nationalismus entspringt einem solchen unklaren Denken, dass überwunden werden muss, wenn die Menschheit nicht in den Niedrgang kommen soll."

https://anthrowiki.at/Rassen#Rassenideale_sind_der_Niedergang_der_Menschheit

Waren die Illuminaten in Wirklichkeit Aufklärer?

Es ist gerdezu verblüffend, welche Wandlungen der Begriff Illuminatismus innerhalb 40 Jahren durchmachen mußte und wie weit er sich von seiner ursprünglichen Bedeutung in der Anschauung der Menschen entfernte. Weishaupt wollte mit Illuminatismus den Weg zur Selbstveredelung und Menschenliebe bezeichnen.
[...]
Jedenfalls ist es gut, daß im Wandel der Zeit jene Verdrehungen und Verleumdungen, namentlich des 18. Jahrhunderts, vergessen wurden, wenn nur nicht in letzter Zeit der klägliche Versuch gemacht wurde, diesen alten Staub aufzuwirbeln mit der unverhohlenen Absicht, den neueren Illuminaten-Orden in Mißkredit zu bringen. Wir werden genötigt sein, über diese Versuche später ein Wort zu reden, jetzt sei nur noch kurz gesagt, was heute unter Illuminatismus zu verstehen ist.
[...]
Wissen steht ihm höher als bedingungsloser Glaube. Das innere Erleben allein kann zum wissenden Erkennen führen und dann zum endlichen Wahrheitssieg. Stellt man nun die alte Pilatusfrage: Was ist Wahrheit? so ist zu antworten: Wahrheit ist ein inneres Licht, dessen Strahlen den Weg des Erdenmenschen erleuchten soll, nur sind viele blind, sie empfinden die Strahlen nicht. Wem die Augen geöffnet sind, der kennt kein Abweichen vom rechten Wege mehr, bedarf keines Führers, sondern wandelt seine Straße ohne solche Hilfe. Den Menschen fähig zu machen, daß ihm das innere Licht aufgehe, lehrt der Illuminatismus.

Quelle: http://www.parareligion.ch/2007/engel/illuminatismus.htm

Bleibt die Frage, wer verbirg sich hinter den "bösen" Illuminaten. Die Antwort 1 ist einfach: Die Satanisten. Ha! Sind die Saturnisten die gleichen? Siehe Fraternitas Saturnis

Wie wir der Selbst-Erkenntnis aus dem Wege gehen.

William Law schrieb: „Wenn Gott auch überall gegenwärtig ist, so für dich nur im Innersten deiner Seele. Deine natürlichen Sinne können Gott weder in Besitz nehmen noch sich mit ihm vereinen. Deine geistigen Kräfte, Verstand, Wille, Gedächtnis können sich lediglich auf Gott hin ausrichten, aber nicht seine Wohnstatt in dir sein. In deinem Innern ist dir doch eine Wurzel oder eine Tiefe, der alle Fähigkeiten entspringen wie Linien von einem Mittelpunkt oder wie Äste vom Stamm eines Baumes ausgehen. Sie heißt die Mitte, der Kern, der Grund der Seele. Diese Tiefe ist die Einheit in Ewigkeit. Ich hätte fast gesagt, die Unendlichkeit deiner Seele.“

Diese Haltung einerseits und andererseits der kühne Versuch (der mit der Reformation begann und im Fundamentalismus endete), die Bibel buchstäblich und nur buchstäblich zu nehmen, gerade zu einer Zeit, als deren Bedeutungsfülle vom Götzenbewusstsein auf subtile Weise unterminiert wurde - das sind die zwei entgegengesetzten und komplementären Pole, um die sich der Protestantismus bisher gedreht hat.
[...]
Und dennoch, für ein feines und aufrichtiges, moralisches Gespür ist vielleicht in keinem der beiden geschilderten Fälle die Beziehung zwischen Moralität und Imagination so irrelevant, wie es zuerst erscheinen mag. Die Verbindung zwischen Geist und Herz ist ein überaus zartes Geheimnis, und Härte ist hier ansteckend. Meiner Überzeugung nach wird es sich zeigen, dass auf einer, wenn auch noch so tiefen Ebene ein berechtigeter Zusammenhang zwischen dem besteht, was ich 'Buchstäblichkeit' genannt habe, und einer gewissen Verhärtung des Herzens.

Beobachtet man aufmerksam die Reaktion eines abgestrumpften, am Buchstäblichen hängenden Geistes auf das, was sich immerfort als Allegorie oder Symbol darstellt, wird man eine bestimmte Gereiztheit feststellen, d. h. die Anfänge einer Aggressivität, die sich in der Ablehnung andeutet. Hier liegt meiner Meinung nach eine im Tiefen verborgene moralische Geste vor.

Man hört z. B. von buchstäblich gesonnenen Menschen, dass sie den Verdacht hegen, 'man wolle ihnen etwas'. Und das trifft wirklich zu, denn man will ihnen in dem selben Sinne etwas, in dem auch ihr Unterbewusstsein ihnen durch symbolische Träume 'etwas will'.

Solche Menschen sind sich dunkel der Tatsache bewusst, dass versucht wird, ihre Götzenbilder zu zerschlagen; und dass sie eingeladen sind, ihren Fuß auf einen langen Weg zu setzten, der am Ende zur Selbst-Erkenntnis führt - mit all den belastenden Erniedrigungen, die das mit sich bringt. Hiergegen hegen sie eine instinktive Abneigung und bevorzugen es, 'buchstäblich-gesonnen' zu bleiben. Doch dass sie dies tun, wird ihnen kaum bewusst, das sie ja gerade der Selbst-Erkenntnis aus dem Wege gehen."

aus Owen Barfield - Die Evolution des Bewusstseins

Paracelsus - Sieben Wege zum Wissen

Nach Paracelsus sollte man gewisse Regeln befolgen und sieben Wege kennen, um sich das notwendige Wissen für Heilkunst anzueignen.

Die erste Regel ist ein lebenslanges Studieren, denn das Leben ist kurz und die Kunst in lang. Wer glaubt, ausgelernt zu haben, hat das Wesentliche nicht begriffen.

Die zweite Regel ist der Respekt vor dem Wissen und der Erfahrung anderer. Paracelsus meinte, „dass der Arzt nicht alles, was er können und wissen soll, auf den Hohen Schulen lernt und erfährt, sondern er muss auch zeitweise zu alten Weibern, Zigeunern, Schwarzkünstlern, Landfahrern, alten Bauersleuten und dergleichen unachtsamen Leuten in die Schule gehen und von ihnen lernen. Denn diese haben mehr Wissen von solchen Dingen als alle Hohen Schulen.“

Um solchen Menschen zu begegnen, muss man allerdings sein Studierstübchen verlassen und sich auf Wanderschaft begeben, „weil keinem der Meister im Hause wächst und weil keiner seinen Lehrer hinter dem Ofen hat. Nicht alle Künste sind im Vaterland eines Menschen verschlossen, sondern sie sind in der ganzen Welt verteilt.“

Die dritte Regel ist die Lebensweise. Sie sollte nicht nur bescheiden, sondern so weit wie möglich im Einklang mit den kosmischen Gesetzten sein. Dabei ist nicht wichtig, ob einem dies bereits gelungen ist, wichtig ist, dass man sich bemüht. Außerdem solle man jede Art von Exzessen meiden.

Die vierte, letzte und wichtigste Regel ist die Erfahrung, denn nur sie macht den Heiler zu einem Meister. Erfahrung hat bei Paracelsus allerdings nichts mit „Trial and error“ zu tun. Erfahrung ist vielmehr, „die Kenntnis von dem, was mit Wissen erprobt wird“. Dieses Wissen kann man sich auf sieben verschiedene Weisen aneignen, denn „sieben Wege gibt es, auf welchen wir kunstreich werden“.

Wahre Heiler erlangen Wissen [Zusammenfassung]

1. über Geistwesen (Magie, Channeling, etc.)
2. durch die Überlieferung von Mensch zu Mensch
3. durch die eigene Erfahrung
4. durch Voraussicht über Kontakt mit Elementarwesen
5. über die Chiromantie
6. über die Physionomie
7. über die gesamte Formensprache einer Substanz.

Text aus:
Paracelsusmedizin: Altes Wissen in der Heilkunde von heute. Philosophie, Astrologie, Alchimie, Therapiekonzepte

An was glaubst du?

1. Der Materialismus behauptet, dass das Leben eine Reise vom Mutterschoß bis zum Grab sei, dass der Intellekt das Resultat gewisser wechselseitiger Beziehungen innerhalb der Materie sei, dass der Mensch die höchste Intelligenz im Weltganzen darstelle, und dass diese Intelligenz zugrunde gehe, sobald sich der Körper im Tod auflöse.

2. Die Theorie der Theologen behauptet, dass bei jeder Geburt eine neugeschaffene Seele frisch aus der Hand Gottes in die Arena des Lebens trete und aus einem unsichtbaren Zustand durch das Tor der Geburt in eine sichtbare Existenz gelange; dass sie am Ende einer kurzen Zeitspanne - die sie in der materiellen Welt verbringe - durch das Tor des Todes in das unsichtbare Jenseits hinübergehe, von wo sie niemals wiederkehre; dass ihr Glück oder Elend dort für alle Ewigkeit durch ihre Taten während des winzigen Zeitraumes zwischen Geburt und Tod bestimmt werde.

3. Die Theorie der Wiedergeburt lehrt, dass jede Seele ein integrierter Bestandteil der Gottheit sei, der alle göttlichen Eigenschaften entfalte, so wie sich aus dem Samen die Pflanze entwickle. Sie lehrt, dass durch wiederholte Leben in immer besseren Erdenkörpern die latenten Möglichkeiten sich langsam zu treibenden Kräften entwickeln würden, dass bei diesem Vorgang niemand verloren gehe, und dass alle Menschen am Ende das Ziel der Vollkommenheit und die Wiedervereinigung mit Gott erreichen.

Fazit: Die erste dieser drei Theorien ist monistisch. Sie sucht alle Tatsachen des Daseins als Vorgänge innerhalb der Materie zu erklären. Die anderen zwei Theorien stimmen darin überein, dass sie dualistisch sind, das heißt, sie schreiben einen Teil der Existenz-Phasen und Existenz-Tatsachen einem überphysischen, unsichtbaren Zustand zu, gehen aber in anderen Punkten weit auseinander.

Die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewusstsein

Denn zu dieser [okkulten] Ausbildung muss die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewusstsein angestrebt werden, so dass bei ihm Leib, Seele und Geist in einer vollkommenen Harmonie sind. Die Verrichtungen des Leibes, die Neigungen und Leidenschaften der Seele, die Gedanken und Ideen des Geistes müssen in einen vollkommenen Einklang miteinander gebracht werden.

Der Leib muss so veredelt und geläutert werden, dass seine Organe zu nichts drängen, was nicht im Dienste der Seele und des Geistes geschieht. Die Seele soll durch den Leib nicht zu Begierden und Leidenschaften gedrängt werden, die einem reinen und edlen Denken widersprechen.

Der Geist aber soll nicht wie ein Sklavenhalter mit seinen Pflichtgeboten und Gesetzen über die Seele herrschen müssen; sondern diese soll aus eigener freier Neigung den Pflichten und Geboten folgen. Nicht wie etwas, dem er sich widerwillig fügt, soll die Pflicht über dem Geheimschüler schweben, sondern wie etwas, das er vollführt, weil er es liebt.

Eine freie Seele, die im Gleichgewichte zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit steht, muss der Geheimschüler entwickeln. Er muss es dahin bringen, dass er sich seiner Sinnlichkeit überlassen darf, weil diese so geläutert ist, dass sie die Macht verloren hat, ihn zu sich herabzuziehen.

Er soll es nicht mehr nötig haben, seine Leidenschaften zu zügeln, weil diese von selbst dem Rechten folgen. Solange der Mensch es nötig hat, sich zu kasteien, kann er nicht Geheimschüler auf einer gewissen Stufe sein.

Eine Tugend, zu der man sich erst zwingen muss, ist für die Geheimschülerschaft noch wertlos. Solange man eine Begierde noch hat, stört diese die Schülerschaft, auch wenn man sich bemüht, ihr nicht zu willfahren. Und es ist einerlei, ob diese Begierde mehr dem Leibe oder mehr der Seele angehört.

Wenn jemand zum Beispiel ein bestimmtes Reizmittel vermeidet, um durch die Entziehung des Genusses sich zu läutern, so hilft ihm dies nur dann, wenn sein Leib durch diese Enthaltung keine Beschwerden erleidet. Ist letzteres der Fall, so zeigt es, dass der Leib das Reizmittel begehrt, und die Enthaltung ist wertlos.

In diesem Falle kann es eben durchaus sein, dass der Mensch zunächst auf das angestrebte Ziel verzichten muss und warten, bis günstigere sinnliche Verhältnisse - vielleicht erst in einem anderen Leben - fuür ihn vorliegen.

Ein vernünftiger Verzicht ist in einer gewissen Lage eine viel größere Errungenschaft als das Erstreben einer Sache, die unter gegebenen Verhältnissen eben nicht zu erreichen ist. Ja, es fördert solch ein vernünftiger Verzicht die Entwicklung mehr als das Entgegengesetzte.

Aus WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN, Kapitel: Über einige Wirkungen der Geheimschulung, RUDOLF STEINER ONLINE ARCHIV, 4. Auflage 2010, http://anthroposophie.byu.edu

Bewusste Frau, du leuchtest hell wie der hellste Stern.

Mujer consciente, cuando soltas la impaciencia, las cosas llegan. Mujer consciente, cuando te relajas, tu entorno se acomoda. Mujer consciente, cuando te das permisos, las puertas se abren. Mujer consciente, cuando solltas los miedos, ellos se van. Cuando te decidis, las piedras del camino ruedan y te dejan el paso libre. Mujer consciente, cuando soltas las preocupaciones aflora tu sonrisa. Mujer consciente, cuando te calmas, todo esta mejor. Mujer consciente, cuando soltas la mente, destapas tu brillante magia intuitiva. Mujer consciente, cuando te ves y aceptas, brillas fulgorosamente como la estrella mas brillante de todo el Cosmos. *Julieta Saenz Valiente

Bewusste Frau, wenn du die Ungeduld freigibst, kommen die Dinge. Bewusste Frau, wenn du dich entspannst, entspannt sich dein Umfeld. Bewusste Frau, wenn du dir die Erlaubnis gibst, öffnen sich die Türen. Bewusste Frau, wenn du die Ängste los lässt, ziehen sie davon. Wenn du dich entscheidest, rollen die Steine vom Weg und machen ihn dir frei. Bewusste Frau, wenn du die Sorgen loslässt, erblüht dein Lächeln. Bewusste Frau, wenn du dich beruhigst, ist alles besser. Bewusste Frau, wenn du den Verstand freilässt, erkennst du du deine brillante intuitive Magie. Bewusste Frau, wenn du siehst und akzeptierst, leuchtest du hell wie der hellste Stern im ganzen Kosmos. *Julieta Saenz Valiente

Professoren der Philosophie, aber keine Philosophen

"Heutzutage gibt es Professoren der Philosophie, aber keine Philosophen. Es lässt sich trefflich darüber doziern, wie trefflich man einst sein Leben verbrachte. Um ein Philosoph zu sein, ist es nicht genug, geistreiche Gedanken zu haben oder eine Schule zu gründen, sondern man muss die Weisheit so lieben, dass man nach ihr lebt, ein Leben in Einfachheit, der Unabhängigkeit, des Großmuts und des Vertrauens", formulierte Henry David Thoreau, der Zeitgenosse und Seelenverwandte Walt Whitmans.
aus WALT WHITMAN: Meine "GRASBLÄTTER" und "ICH von Axel von Cossart

Die Nürnberger Prinzipien

Robert H. Jackson, amerikanischer
Chefankläger, in seiner Rede zur
Eröffnung des Prozesses, Nürnberg
21. November 1945: „…wir dürfen
niemals vergessen, dass nach dem
gleichen Maß, mit dem wir die Angeklagten
heute messen, auch wir
morgen von der Geschichte gemessen
werden. Diesen Angeklagten einen vergifteten
Becher reichen, bedeutet, ihn
an unsere eigenen Lippen zu bringen.“

Die Nürnberger Prinzipien

Nach den Prozessen von Nürnberg und Tokio gab es lange Jahre keine internationalen Prozesse gegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrecher mehr, obwohl Robert Jackson das in Nürnberg angekündigt hatte. Doch wurden die Anklagepunkte und die wesentlichen Rechtsgrundsätze von Nürnberg, wie sie im Londoner Statut niedergelegt waren, von der UNO rasch zu allgemeinen Prinzipien des Völkerrechts erklärt. Bereits wenige Wochen nach dem Nürnberger Urteil, am 11. Dezember 1946 bestätigte die VN-Generalversammlung einstimmig die Völkerrechtsprinzipien, die dem Statut des Nürnberger Prozesses und dem Urteil zugrunde lagen.

Zugleich beauftragte sie – mittels ihres „Komitees für die fortschreitende Entwicklung des Völkerrechts und seiner Kodifizierung“ – die entstehende Völkerrechtskommission, einen Entwurf für ein Völkerstrafgesetzbuch und Vorschläge für einen internationalen Strafgerichtshof auszuarbeiten.

Am 29. Juli 1950 formulierte die Völkerrechtskommission ihre Fassung der „Nürnberger Prinzipien“, die seither als verbindliche völkerrechtliche Prinzipien gelten.  Im gleichen Jahr legte die Völkerrechtskommission einen ersten Entwurf für ein internationales Strafgesetzbuch für „Verbrechen gegen den Frieden und die Sicherheit der Menschheit“ vor. Zugleich sprach sich die Kommission für die Schaffung eines ständigen internationalen Strafgerichtshofs für diese Verbrechen aus. 1954 legte sie der Generalversammlung einen überarbeiteten Entwurf dieses Strafgesetzbuches vor, der wiederum die „Nürnberger Prinzipien“ aufnahm.

Allerdings vermochte die Generalversammlung damals weder, das Strafgesetzbuch zu verabschieden, noch den vorgeschlagenen Gerichtshof einzurichten. Bis in die neunziger Jahre blieben die „Nürnberger Prinzipien“ ohne Implementierung. Selbst ein erneuter Entwurf, den die Völkerrechtskommission 1991 der Generalversammlung vorlegte, scheiterte. Erst die beiden Ad-Hoc-Gerichtshöfe zu Jugoslawien und Ruanda machten den Weg frei für einen ständigen internationalen Strafgerichtshof.

Völkerrechtliche Bedeutung

Unbestritten war die Wertung der Angriffskriege Deutschlands als Bruch des geltenden Völkerrechts. Neu war, dass dafür nicht die traditionellen Völkerrechtssubjekte, die Staaten, sondern Einzelpersonen verantwortlich gemacht wurden. Auch Kriegsverbrechen, Verbrechen im Krieg also, waren eindeutig definiert. Im Prozess versuchten die deutschen Verteidiger immer wieder, auch Kriegsverbrechen der Alliierten zum Thema zu machen. Es wird eine berechtigte Kritik bleiben, dass zum Beispiel die Angriffskriege der Sowjetunion, die Bombardierung von mit Zivilbevölkerung überfüllten Städten, der Abwurf der Atombomben auf Japan oder die Ermordung von 4000 polnischen Offizieren durch die sowjetische Armee bei Katyn nicht wenigstens Gegenstand eines späteren Verfahrens wurden.

Der bis dahin noch wenig gebräuchliche Straftatbestand „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ wurde von Robert Jackson mit Recht als notwendig bezeichnet, um einen barbarischen Rückfall hinter die erreichten Normen der zivilisierten Völker völkerrechtlich zu fassen. Der verbreitete Vorwurf „Siegerjustiz“ kann sich weder auf willkürliche Anklagepunkte noch auf unfaire Prozessführung berufen. Ziel das Verfahrens war nicht, eine Kollektivschuld Deutschlands festzustellen, im Gegenteil: Es waren Personen angeklagt, Ziel des Verfahrens war der Nachweis ihrer individuellen Verantwortlichkeit.

Der Prozess war Teil der Anstrengungen, der deutschen Bevölkerung die Augen über das Nazi-Regime zu öffnen, also Teil der demokratischen Re-Education.  Damit war der Prozess allerdings überfordert, wie sich angesichts der ambivalenten Wirkung in Deutschland zeigte. Dennoch fand im Nürnberger Gerichtssaal die erste große und öffentliche Präsentation der Verbrechen des Nationalsozialismus und somit geschichtliche Aufklärungsarbeit statt. Trotz mancher Defizite bleibt der Nürnberger Prozess Grundstein für das Völkerstrafrecht der Nachkriegszeit.

Die Nürnberger Prinzipien

  1. Jede Person, welche ein völkerrechtliches Verbrechen begeht, ist hierfür strafrechtlich verantwortlich.
  2. Auch wenn das nationale Recht für ein völkerrechtliches Verbrechen keine Strafe androht, ist der Täter nach dem Völkerrecht strafbar.
  3. Auch Staatsoberhäupter und Regierungsmitglieder sind für von ihnen begangene völkerrechtliche Verbrechen nach dem Völkerrecht verantwortlich.
  4. Handeln auf höheren Befehl befreit nicht von völkerrechtlicher Verantwortlichkeit, sofern der Täter auch anders hätte handeln können.
  5. Jeder, der wegen eines völkerrechtlichen Verbrechens angeklagt ist, hat Anspruch auf ein ordnungsgemäßes Verfahren.
  6. 06 Folgende Verbrechen sind als völkerrechtliche Verbrechen strafbar: a) Verbrechen gegen den Frieden b) Kriegsverbrechen c) Verbrechen gegen die Menschlichkeit
  7. Die Mittäterschaft zur Begehung der genannten Verbrechen stellt ebenfalls ein völkerrechtliches Verbrechen dar.

http://www.von-nuernberg-nach-den-haag.de/seite1/die_nuernberger_prinzipien/

Warum Europa eine Republik werden muss

Bildet euch, liebe Menschen, bildet euch. Und geht selbstbewusst aus der unverschuldeten, unbewussten Unmündigkeit heraus in eine Welt des neuen bewussten, liebvollen, demokratischen Miteinanders! Yeah!

Text aus: Ulrike Guérot, Warum Europa eine Republik werden muss! Eine politische Utopie, Bonn 2016, S.43ff

In Folge der kolossalen Verletzungen demokratischer Gebote sowie der Entkoppelung von wirtschaftlichen und politischen Raum sprießen heute überall in Europa von Finnland bis Griechenland Populisten wie Pilze aus dem Boden, rechte wie linke. Die so genannten Populisten opponieren gegen die EU. Sie brechen die klassischen Parteiensysteme auf und sorgen so für die Erosion der nationalen Demokratien. Der Populismus wird gemeinhin als Bedrohung für die liberalen demokratischen Gesellschaften gebrandmarkt. Europa hat aber nur in zweiter Linie ein Populismus Problem. Sein größtes Problem ist die politische Mitte!

Denn die politische Mitte ist nicht in der Lage oder willens, die EU als eine Vergewaltigung der Demokratie anzuprangern. Auch fühlt sie sich nicht bemüßigt, die EU in Richtung auf eine echte transnationale Demokratie hin weiterzuentwickeln und dabei besonders die positive politische und soziale Integration in Europa in den Mittelpunkt zu stellen. Die EU ist nicht in der Lage aus ihrer politischen Selbstverleugnung herauszutreten. Das ist das eigentliche Problem in Europa!

Der europäische Populismus kommt immer mit zwei Gesichtern daher. Das eine ist ein Anti-Euro-Gesicht, das andere Gesicht wendet sich gegen Migration und Überfremdung. Beide Gesichter verbindet Marie Le Pen mit Viktor Orbán, die „Wahren Finnen“ mit der FPÖ,  oder die schwedischen Demokraten mit Geert Wilders. Die deutsche AfD glaubte unter Bernd Lücke noch, sie könne das hässliche Gesicht hinter ihrem prozessoralen Anti-Euro-Gesicht verstecken, bevor Frauke Petra und Björn Hecke die xenophobe Fratze der Partei auch öffentlich zeigten.

Die Anti-Migration-Fratze der europäischen Populisten macht es der politischen Mitte leicht sich in moralische Überheblichkeit zu flüchten. Diese Überheblichkeit versperrt den Blick darauf, das die Populisten mit ihrer Euro-Kritik einen sehr wunden Punkt des Euro-Governance Systems treffen: der Euro kann zwar funktionieren, ist aber nicht demokratisch. Was Marie Le Pen und ihre fellows kritisieren, nämlich die europäische Post Demokratie, ist nicht sonderlich originell und findet sich als Tatbestand und Kritik in so ziemlich jeder wissenschaftlichen Analyse angesehener Politik und Sozialwissenschaftler. Ganze Bibliotheken lehren uns, dass der Euro nicht ausreichend legitimiert und europäische Parlamentarismus brüchig ist. Der Euro kann die soziale Kohäsion in Europa nicht gewährleisten. Nur wollten wir dieses Wissen jahrzehntelang nicht in die europäischen Parlamente transportieren. Wenn das jemand im politischen Raum laut sagt, kann er schnell in die Gefahr geraten, als Populist zu gelten.

Der gemeine Pegida-Spruch „Wir sind das Volk“ spiegelt für alle auf unangenehm grelle Weise die Tatsache wider, dass Bürger und nicht Staaten souverän sind - nicht im plebiszitären Sinn. Aber sie legitimieren als souveränes Kollektiv die parlamentarische Repräsentation. Folgt man dem Versuch einer Theorie des Populismus von Jan-Werner Müller, dann ist jemand noch lange kein Populist, nur weil er der Herrschaftsmeinung von nationalen oder europäischen Eliten widerspricht. Marie Le Pen wäre mithin noch keine Populisten oder gar pathologisch, nur weil sie berechtigte Kritik an der derzeitigen Euro Politik in Frankreich geltend macht.

Anstatt die Ursachen des populistischen Votums ernst zu nehmen und anzuerkennen, dass es dafür reale Gründe eines Systemversagens gibt, welches soziale und kulturelle Exklusiv produziert, reagiert die politische Klasse oft selbstgefällig moralisch: Das eigene Argument wird ethisch überhöht, Rechtspopulisten gelten als nicht integer, irrational, böswillig oder gefährlich, wobei die identitären Bedürfnisse der Globalisierungverlierer als konkurrierende Werteordnung oder als einfach andere politische Meinung nicht anerkannt werden. Das geflügelte Wort dafür ist heute polarisieren: Wer der Mitte nicht beipflichtet, der polarisiert. Dadurch werden die Argumente der anderen nicht pariert, sondern nur politisch entwertet, und dem demokratischen Diskurs wird mithin selbst die Grundlage entzogen: Er muss zwangsläufig erodieren, wenn die politischen Argumente a priori nicht gleichwertig sind und Konsens über Dissens gestellt wird.

Mit der Ausgrenzung der Populisten beginnt also der Verfall der Demokratie. Dies ist nun wahrlich nicht zur Verteidigung, gar zur Entschuldigung von Einlassungen von AfD-Stimmungsmacher à la André Roggendorf oder Björn Hecke gemeint, indes ist die Frage aufzuwerfen, warum es ihnen beiden gelingt, in Sachsen-Anhalt respektive Thüringen die AfD auf inzwischen satte 24,2 Prozent (Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2016) beziehungsweise 10,6 Prozent (Landtagswahl Thüringen 2014) zu bringen. Das sachlich Richtige darf nicht genannt werden und wird in die populistische Ecke gerückt. Im alltäglichen Klein-Klein scheiterte daran sogar jüngst die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im europäischen Parlament zur Juncker-Steueraffäre, den Linke und die Grünen nicht zusammen mit den Rechtspopulisten einsetzen wollten. Das ästhetische Prinzip von form follows funktion wird hier durchbrochen: Die Form, nicht die Funktion bestimmt die Politik in der EU. Die Wiedererlangung der politischen Ästhetik in Europa müsste hier ansetzen.

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Mehr Selbstgedachtes und darum richtig „Gefährliches“ bei: Daniela Dahn - Wir sind der Staat! Warum Volk sein nicht genügt - 180 Seiten.

Es gibt keinen Grund

Es gibt keinen Grund außer für mich. Da ist kein Erlebnis in der Welt. Es gibt nur mich und meine Bilder, meine Wünsche, Träume und Sehnsüchte. Sie drängen auf mich ein, wie der Nebel, der abends langsam vom See ans Ufer kriecht. Es ist unheimlich, im Nebel zu verschwinden. Er ist so mächtig, so undurchsichtig. Er hüllt mich ein, nimmt mir die Sicht, doch er lässt mir die Handlungsräume offen.

Im Nebel schwimmt die Zeit. Das Klare wird trüb. Farben verschmelzen und lösen sich auf. Konturen verwischen, verschwinden und täuschen. Wohl bleiben die Gegenstände erhalten, weiß mein Verstand. Doch sehen und riechen, ja nicht einmal hören kann ich sie noch.

Die ganze äußere Welt ist verändert. In Nebel gehüllt. Ich finde mich wieder, an meinem Platz stehend. Um mich diese befremdliche Welt. Ohne Orientierung. Sie fehlt mir, die Orientierung. Ich vermisse sie. Ich vermisse ihren Halt. Auf was soll ich achten? Welche Schatten betrügen mich? Welche Klänge verführen mich? Es ist alles so fremdartig im Nebel.

Ich bin ohne Nebel aufgewachsen. Ohne Wind. Ohne Fluss. Ohne See. Ohne Meer. Bei mir gab es den Wald. Den konnte ich studieren. Aber nicht das, was ich als Bild verwende, wenn ich das beschreibe, was mir geschieht, wenn ich an dich denke im Nebel.

Du bist mein Nebel. Du bist die fehlende Welt. Du bist das Unbekannte, Mysteriöse, das, wovor ich Angst habe - manchmal, das, was mich am Handeln hindert, weil ich keine Orientierung habe. Du bist meine Welt im Nebel. Du bist mein Nebel.

Ich stehe am Ufer eines Sees. Die Sonne geht unter, das Licht nimmt ab. Gleichzeitig kommt der Nebel auf. Er kriecht auf mich zu, umschlängelt meine Beine. Er schlingt sich nach oben. Mit der nächsten Woge verschwinde ich ganz, er umhüllt mich, packt mich ein, umfasst und streichelt mich, nimmt mir den Atem, die Sicht, den Raum. Raubt mir die Welt, wie ich sie kenne. Ich verschwinde im Nebel.

Dunkelheit kenne ich. Sie ist die Einsamkeit. Darin gibt es nur mich. Der Nebel ist anders. Er bringt mich in Beziehung zur Welt. In eine fremde. In eine neblige.

Im düsteren Nebel einsam verloren, von plötzlichem Mut gepackt, schreite ich los. Mit mir als einsamer Quelle im ewigen Nichts. Ich hebe den Fuß, brineg ihn nach vorne, laufe ihm nach. Doch halt. Da ist doch wer? Ich kann dich sehen, hören, fühlen. Ich erkenne dich nicht. Wer bist du? Dort bis du, du wundersamer Engel ohne Augen. Du Decke ohne Wand. Du Wüste ohne Sand. Du Meer ohne Wellen. Du Alles mit dem vielen Nichts.

Für mich bist du unerreichbar. Undurchdringbar. Ich kann nicht fliegen, nicht schweben. Ich kann nicht schwimmen. Du bist nicht hier. Du bist nur eine Fantasie. Du bist meine Sehnsucht, mein im Nebel verborgenes Herz.

Mutig schreite ich zwei schnelle Schritte nach vorne. Doch hoppla! Etwas geschieht. Ich stolpere, ja wirklich, hinüber, eine Wurzel? Eine Hand? Zwei unsichere, hastige Schritte muss ich tun, sonst falle ich, stolpere weiter in die Nebelwelt, die unendliche, und dann stehe ich wieder.

Nichts lies mich stürzen? Nichts fing mich auf? Ich strebte, schritt und strauchelte - und stand erneut. Fest. Unbeweglich. Einige Meter weiter als bisher, doch erneut im selben feuchten Nebel, der auf mich wartet.

Was will der Nebel von mir? Was will er wirklich? Ich schreie ihn an: Was soll ich tun? Wer bin ich? Was willst du von mir? Er schluckt meine Worte und sprüht sie zurück. Ich spüre es: Er will mir etwas sagen. Mit seiner nebligen Stille. Ich soll zuhören. Ja?

Er lädt mich ein. Flüsternd. Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Ich zittere. Mein Atem stockt. Ich kann den Nebel verstehen, mit meinen Gedanken, den Dunst schmecke, den Dies fühlen. Ich schließe die Augen und atme das Nass ein. Ich verwachse mit dem Boden, erreiche den Himmel und lasse dazwischen im Nebel mein Leben. Tief in mir, dort wo Glut und Feuer tanzen, dort tanzt der Nebel mit mir. Dort tanzt du mit mir, du Nebel, und löst dich auf, löst mich auf.

Liebe, ruft mir der Nebel zu. Liebe! Und vertraue mir! Was lerne ich mit dir, die du nicht da bist? Was lerne ich im Nebel? Du, du liebes Liebeswesen, du fehlendes Puzzleteil in einem Spiel ohne Bild. Du fehlende Geigerin in einem Orchester ohne Instrumente. Du, du meine Illusion der Unvollkommenheit, dein Glanz blendet mich und erfreut mein Herz obgleich die Sterne dunkeln.

Lasst eure Gefühle nicht missbrauchen!



Rede Alves Besenstiels (aus Franz Müllers Drahtfrühling)

MENSCHEN!
Lasst eure Gefühle nicht missbrauchen.
Es gibt keine Ehre.
Es gibt keine Schmach.
Strebt, Menschen zu werden!
Nieder den Krieg.

Wenn du glaubst, durch Hass zum Völkerfrieden zu kommen, wenn du glaubst, durch Krieg zum Frieden zu kommen, wenn du glaubst durch Unrecht zum Recht zu kommen, so glaube ich, durch dada zum Stil zu gelangen. Aber anders, als du denkst. Durch den Dadaismus gelangen wir zum Stil, weil uns dada die ganze erhabene Stillosigkeit unserer Zeit so recht „lieb“ und eindringlich zeigt. Darum fordere ich euch auf, ihr Kriegshetzer hier und dort, dass ihr Hass säet und Unrecht vorbereitet, zeigt, wie grausam der Krieg ist, zeigt, wie kleinlich euer Hass ist, zeigt, welch ein Unrecht der Krieg ist, damit wir den Krieg hassen lernen. Bevor es Völker gab, gab es Menschen. Bevor es Hass gab, gab es Liebe. Bevor es Krieg gab, gab es Frieden. Bevor es Unrecht gab, gab es nur Recht. Nur nennen wir unseren Hass jetzt Liebe: „Vaterlandsliebe“. Und unser Unrecht nennen wir: „Unser gutes Recht“. Seid nicht kleinlich, dann werden wir alle eine große Nation sein, wie wir deutschen Stämme jetzt ein großes Deutschland sind und einander lieben und vereint hast. Früher haben wir uns gegenseitig bekämpft, als wir noch nicht wussten, dass der bleiche Mond unser gemeinsamer Feind ist. Seid Menschen, dann werdet ihr Hass mit Liebe beantworten, den Hasser beschämen und den Hass durch Liebe ausrotten. Boykottiert den völkerverhetzenden Hass in den billigen Witzen der Variétékomiker und Witzblätter, in den fetten Balken der Tageszeitungen, in den Plakaten der Schande in den Schaufenstern.

Kurt Schwitters, Das literarische Werk, Band 2 Prosa 1918-1930, S. 39

Die Statuten des Menschen

Es wird verfügt, daß jetzt die Wahrheit zählt, daß jetzt das Leben zählt und daß wir alle Hand in Hand für das wahre Leben eintreten.

Es wird verfügt, daß der Mensch niemals mehr am Menschen zweifeln muss, daß der Mensch dem Menschen vertrauen kann, wie die Palme dem Wind vertraut, wie der Wind der Luft vertraut, wie die Luft dem blauen Feld des Himmels vertraut. Der Mensch kann dem Menschen vertrauen, wie ein Kind einem anderen Kind vertraut.

Es wird verfügt, daß die Menschen jetzt frei vom Joch der Lüge sind. Niemals wird es mehr vonnöten sein, sich zum Schutze in Schweigen zu hüllen oder in die Rüstung der Wörter. Der Mensch wird sich an den Tisch setzen mit reinem Blick, denn die Wahrheit wird vor dem Nachtisch serviert.

Der Wolf und das Lamm werden gemeinsam weiden, und die Nahrung beider wird nach Morgenröte schmecken.

Unwiderruflich wird die ewige Herrschaft der Gerechtigkeit und des Lichtes ausgerufen; und die Freude wird eine edle Fahne sein, für immer gehißt im Herzen des Volkes.

Es wird verfügt, daß es der tiefste Schmerz schon immer war und immer sein wird, die Liebe nicht dem geben zu können, den man liebt, und zu wissen, daß es das Wasser ist, das der Pflanze das Wunder der Blüte gibt.

Es wird erlaubt, daß das tägliche Brot den salzigen Geschmack des Schweißes in sich trägt, vor allem aber soll es, immer den warmen Geschmack der Zärtlichkeit haben.

Es wird erlassen, daß nichts mehr erzwungen noch untersagt sein wird, vor allem mit dem Rhinozeros zu spielen und am Nachmittag spazierenzugehen, mit einer riesengroßen Begonie im Knopfloch. Nur eines wird verboten bleiben: zu lieben ohne Liebe.

Der Gebrauch des Wortes Freiheit wird hiermit verboten, dieses Wort wird überdies aus allen Wörterbüchern gestrichen und aus dem trügerischen Morast der Münder. Von nun an wird Freiheit etwas Lebendiges und Durchsichtiges sein wie das Feuer, der Fluß oder der Same des Weizens, und ihre Wohnung wird immer das Herz des Menschen sein.

- Thiago de Mello

So lassen sich die Chakren öffnen

Wurzelchakra
Du musst dir Klarheit über deine Ängste verschaffen. Lass sie los. Lass sie den Bach entlangfließen.

Wasserchakra
Freude. Schuld blockiert sie. Wofür gibst du dir die Schuld? Akzeptiere die Tatsachen; dass sie passiert sind. Verzeihe dir selbst.

Feuerchakra
Dieses Chakra ist für die Willenskraft zuständig und wird durch Scham blockiert. Wofür schämst du dich? Aus welchem Grund warst du irgendwann mal in deinem Leben von dir enttäuscht? Dieses Chakra öffnet sich nicht wie ein Bach, eher wie ein rülpsender Bison.

Herzchakra
Es ist für die Liebe zuständig. Es wird durch Kummer blockiert. Liebe ist eine Form der Energie. Die Energie ist immer in deinem Herzen und wird in einer neuen Liebe wiedergeboren. Lass den Kummer von dir abfallen.

Halschakra
Es liegt in der Kehle. Es wird durch Lügen blockiert, die wir uns selbst erzählen. Du darfst nicht lügen, wenn es um deine Person geht.

Lichtchakra
Es repräsentiert die Einsicht. Es wird durch Illusion und Neid blockiert. Die größte Illusion dieser Welt ist die Illusion der Trennung. Dinge, die du für unabhängig voneinander und verschieden hälst, sind ein und das selbe.

Kronenchakra
Irdische Bindungen blockieren deine Verbindung zum Kosmos. Lerne loszulassen. Dann kannst du den Avatarzustand meistern.

Reinigung aus der Tiefe des Schuldbewusstseins

Ohne den Weg der Reinigung aus der Tiefe des Schuldbewusstseins ist keine Wahrheit für den Deutschen zu verwirklichen. (HS 140)

Das Schicksal, als Deutscher geboren zu sein, ist für uns unentrinnbar. Wir müssen es übernehmen. Es ist schrecklich, wenn es zum verborgenen Einverständnis mit den Verlogenheiten oder mit dem Bösen führt. Es kann wundersam zu eigen werden, wenn die Erfahrung der Durchhellung des Dunkeln, des Bösen, der Unwahrhaftigkeit und des Unheils zur Umkehr führt. Die Erinnerung an unseren ewigen Ursprung wird zu neuem Leben. (HS 364 f.)

Eines würde mir seit 1933 zum selbstverständlichen Grunde meines deutschen Selbstbewusstseins. Das politische Deutschland, als Kleindeutschland aufgrund der Tendenzen von 1848 durch Bismarck begründet, aus verhängnisvoller Unwahrhaftigkeit umkleidet mit dem Reichsgedanken, der aus dem Mittelalter kam, als Zweites Reich geistig so lügenhaft begründet, wie man damals Bahnhöfe in gotischen Stil baute, ist nicht Deutschland schlechthin, sondern eine, auf die Weltgeschichte gesehen, kurzfristige politische Episode. Deutschland, das ist seit 1000 Jahren etwas ganz Anderes, Gehaltvolleres. Der herrliche abendländische Reichsgedanke ging schon im 13. Jahrhundert zugrunde.

Was deutsch ist, das ist zusammengehalten nur durch die deutsche Sprache und das in ihr sich kundgebende geistige Leben, die religiöse und sittliche Wirklichkeit, die in ihr sich mitteilt. Dieses Deutsche ist ungemein vieldeutig. Das politische ist darin nur eine Dimension, und zwar eine unglückselige, von Katastrophe zu Katastrophe gehende Geschichte. Was deutsch ist, das lebt in dem großen geistigen Raum, geistig schaffend und kämpfend, braucht sich nicht deutsch zu nennen, hat keine deutschen Absichten und keinen deutschen Stolz, sondern lebt geistig von den Sachen, den Ideen, der weltweiten Kommunikation. (PuW 357)

Daher wird die Frage „Was ist deutsch?“ entschieden dadurch, ob wir durch ständige Kompromisse unseres Ethos verloren gehen oder ob wir die Umkehr finden und die Folgerungen der Umkehr ziehen. (HS 363)

Umkehr gehört zum Menschen als Menschen. Umkehr ist der Ruf der großen Philosophien und Religionen. Umkehr ist aber als Wirklichkeit stets geschichtlich, einmalig. Was die Umkehr für uns Deutsche sein, werden wir nicht geradezu bestimmen. Es ist nicht als eine rational Faßliches planmäßig zu machen. Aber wir können in den Vordergründen Alternativen zeigen, an denen wir spüren: es sind Symptome des Einen, das wir nicht begreifen. Hinter diesen Alternativen als auftretenden Meinungen verbirgt sich ein Kampf um die Wahrheit im Selbstsein der deutschen Menschen. (HS 360 f.)

Karl Jaspers, Was ist Erziehung? Eine Lesebuch, München 1977, Kapitel: Wahrheit, Freiheit und Friede, Text von S. 271

Wie würde die Welt aussehen

Wie würde die Welt aussehen, wenn plötzlich jeder in Sachen Sexualität machen würde, was er oder wie will? Was würde geschehen, wenn man alle Regeln wegließe? Ich habe absolutes Vertrauen, dass wenn Ihr eure äußeren Regeln fallen ließet, eure inneren sich als weit menschlicher, spontaner, liebevoller und freundlicher erweisen würden. Ich glaube an euch, wo ihr nicht an euch glaubt. Ihr scheint euch für eine Art eingesperrte Raubtiere zu halten, die, wenn der Käfig geöffnet würde, wenn es keine Regeln gäbe, alle möglichen schrecklichen Dinge tun würden. Es ist nicht so, meine Freunde. Ihr seid ein Teil der Schöpfung, die in sich ein Bewusstsein trägt, im Falle einer Möglichen Wahl, das für sie Zuträglichste zu tun. Wenn ihr euch jedoch auf Regeln bezieht, anstatt auf euch selbst, dann wird die Sache unklar. Bartholomä

Und wir kritisieren Russland ...

Immer wieder stolpere ich in der sogenannten "spirituellen Szene" über Aussagen, Einstellungen und Andeutungen, die das Anderssein abwerten und als krank diffamieren, es als nicht lebenswert erachten. Oft folgt dann soetwas wie "Menschlichkeit", innerhalb derer zumindest gewünscht wird, "das Anderssein würde geheilt werden". Und wenn das nicht geht, weil man ja einen "schwarzen" nicht "weiß heilen" kann, doch zumindest klar wird, dass das Weiß-sein, eben auch spirituell "höher schwingend" und darum reiner sei. Oft folgt in diesem Kontext dann noch die Wut darüber, dass böse Mächte versuchen, Deutschland aufzulösen, wobei eine Definition, was Deutschland sei (und noch schöner: deutsch sein bedeute), völlig vernachlässigt wird.

Ich wundere mich sehr über die Kreativität der Menschen, scheinbare Gründe zu finden, die die eigene Xenophobie (Angst von dem Fremden) nicht zum Kern des Problems machen. Und was Deutschland angeht: Deutschland wird sich auflösen, genauso wie alle anderen Nationalstaaten auch. Nicht morgen. Aber irgendwann. Genauso wie das Königreich Schwaben nicht mehr existiert. Nur zur Verdeutlichung: Von außen mag Spanien vielleicht spanisch und als Einheit wirken. Fragt mal, was die Basken und die Catalanen dazu sagen. Wären da alle unglücklich wenn der Staat Spanien sich auflöse? Und was verbindet nochmal einen Menschen von der Nordsee kulturgeschichtlich mit einem aus dem Voralpenland? Die Sprache? War das nicht ein Gesetz eines Staates ab sofort "Hochdeutsch" zu sprechen und die Steuern an den Gleichen zu zahlen? Das Volk wollte sich als Deutschland vereinen? Junge Junge Junge. Schon interessant, wie sich das faschistische Gedankengut auch in der "spirituellen Szene" ausbreiten kann.

Ich danke Carolin Emcke von Herzen für ihr mutiges, persönliches Buch "Wie wir begehren". Ich zitiere die Seite 111.

Obgleich die Justiz der neu gegründeten Bundesrepublik sich 1949 verpflichtet hatte, nur Gesetze aus der Zeit des Nationalsozialismus zu übernehmen, soweit sie dem neuen Grundgesetz nicht widersprachen, galt mit Hinblick auf das Sexualstrafrecht die faschistische Tradition fort, in der Homosexualität als „Unzucht“ kriminalisiert wurde. In der Verschärfung des seit 1872 bestehenden Paragraphen hatten die Nationalsozialisten 1935 bereits die „subjektiv wollüstige Absicht“ eines Mannes, der einen anderen begehrt, unter Strafe gestellt. Demnach brauchte es nicht mehr „beischlafähnlichen Handlungen“, was immer das heißen sollte, es brauchte nicht einmal mehr eine Berührung, sondern es genügte, wenn das allgemeine Schamgefühl verletzt wurde. Was das genau bedeuten sollte oder wann das Schamgefühl verletzt wurde, blieb willkürlich bestimmbar. Das Verbot der Homosexualität wurde mit biopolitische Rhetorik gerechtfertigt: Ideologische Konzepte von hygienischer und moralischer Reinheit mischten sich, die „sittliche Gesunderhaltung des Volkes“ verlangte den Schutz vor der „seuchenartigen Ausbreitung der Homosexualität.“

Diese Vorstellung der Homosexualität als „Seuche“, als „Krankheit“, die sich „epidemisch“ ausbreiten konnte, hat mich immer erstaunt. Woraus speist sich eine solche Fantasie? Wie soll die Ansteckung funktionieren? Durch Anschauen? Wer dem Anblick von Schwulen ausgesetzt wird, der wird selbst schwul? Durch Tröpfchenübertragung? Durch Sex?

Das Buch ist wunderbar. Und die Seiten 110 bis 117 bringen es sowas von auf den Punkt.

Ich schickte einer spirituell und psychologisch arbeitenden Person im Jahre 2017 den Link zur Rede von Carolin Emcke zum Erhalt des Friedenspreis. https://www.youtube.com/watch?v=CRkf6k7CYXI

Die Antwort, die ich erhielt war:

Hallo,
danke für den Link, habe stellenweise reingehört ... haarsträubend, die Dame.
Mehr sag ich dazu jetzt nicht ;-)
Liebe Grüße

Führungswechsel

Das Buch The End of Leadership von der Havard-Professorin Barbara Kellermann hat er [der Patriarch] ganz bestimmt nicht gelesen. Denn darin geht es um das Ende der hierarchischen Struktur von Führung, um die Demontage des Ideals der allmächtigen Führungskraft. In Zukunft werden laut Kellermann einander unterstützende Netzwerke im Mittelpunkt stehen. Es gibt noch einen Grund, warum der Patriarch das Buch nicht lesen wird: Eine Frau hat es geschrieben. Da fällt ihm ein Witz ein ...
Den wollten wir aber nicht hören.
Der Patriarch verschwindet mit zunehmendem Anstieg starker Frauen in seinem privaten und beruflichen Umfeld. Dienjenigen, die sich von ihm herumkommandieren lassen, werden nämlich immer weniger.

Der Übergang von der Top-Down-Industriegesellschaft zur vernetzten Wissensgesellschaft ist gleichzeitig der Übergang von der Funktion zu Persönlichkeit, also vom „Management-Direktor“ zu „Hans Meier“. Wichtiger als sein Titel ist heutzutage, wie Herr Meier so als Mensch ist.
Es menschelt also zunehmend in Unternehmen. Damit gewinnen Beziehungen an Bedeutung - jene zu sich selbst und die zu anderen. Ein klarer Trumpf für die Frauen also, immerhin ist Beziehungspflege traditionell ihre Angelegenheit. Das war schon immer ihr Ressort, nur eben im privaten Bereich, auf dem Frauenplaneten.
In Beziehung zu andern muss man gehen, und dazu muss man sich bewegen. Wenn man das tut, denkt und handelt man in Bezug zu anderen Menschen, zu seinem Umfeld, zur Umwelt. Man öffnet das eigene Blickfeld für das, was außerhalb der eigenen Person ist, und bedenkt die Auswirkungen seinen Handelns. Das ist gelebte Verantwortung. 

Was Männer jetzt tun müssen:
  • Aufwachen
  • Aufmachen
  • Bewegen
  • Reden
  • In Beziehung gehen
  • Zum Arzt gehen
  • Vater sein
  • Erwachsen werden

Was Frauen jetzt tun müssen:
  • Das Ergänzungsspiel nicht mitspielen
  • Schluss mit Unterhosen und Übervorsorge
  • Nicht mehr alles hinnehmen
  • Einfordern statt sich überfordern
  • Raus aus der Abhängigkeit
  • Nicht vom Märchenprinzen träumen
  • Nicht jammern - handeln
  • Das Kleinmädchengehabe sein lassen
  • Aus einem Pony kein Pferd machen
  • Nicht arrogant resignieren

Quelle: Daza Szekely - Das Schweigen der Männer, München 2016

Zur Vertiefung für die Spiris: 0714 Führungswechsel Teil 1 - Sabine Wolf

Die Umkehrung des Subjektiven

Können die bisherigen Ausführungen akzeptiert werden, so sind wir nun endlich frei und offen für dasjenige, was uns der ganze Charakter und die Geschichte der Sprache laut zurufen: nämlich, dass die herrschende Voraussetzungen, die Materie sei in der Entwicklungsgeschichte des Universums dem Geistigen vorausgegangen, ein historischer Trugschluss ist, und zwar leider einer mit sehr weitreichenden Konsequenzen.

Es wird uns klar, dass Subjektivität niemals, weder ontogenetisch noch phylogenetisch etwas ist, was an einem bestimmten Ort im Raum aus dem Nichts entstanden wäre, sondern eine Form von Bewusstsein darstellt, das sich aus der Peripherie in individuelle Zentrum zusammengezogen hat.

Im phylogenetischen Sinne wird uns deutlich, dass die Aufgabe des homo sapiens, als er in physischer Gestalt auf der Erde aufzutreten begann, nicht darin bestand, irgendwie aus dem Nichts heraus eine Denkfähigkeit zu entwickeln, sondern darin, die unfreie Weisheit, welche er durch seine Organisation als gegebenen Bedeutungsinhalt erlebte, in die frei Subjektivität zu verwandeln, die nur in einem aktiven Denken, einer individuellen Denkaktivität entsprechen kann.

Wie die Philosophiegeschichte das spätestes Stadium dieses äonenlangen Prozesses reflektiert, so spiegelt sich in der semantischen Geschichte der Wörter „Subjekt “und „subjektiv“ die Geschichte der Philosophie. So finden wir zum Beispiel im Oxford English Dictionary, durch Zitate illustriert, für das 17. Jahrhundert die folgende lexikalische Bedeutung dieses Wortes: dem Wesen oder der Realität eines Dingens zugehörig; real, wesentlich.

Eine weitere lexikalische Bedeutung, nun aber nur bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückreichend, ist: seine Quelle im menschlichen Bewusstsein habend. Daraus wird in der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts: einem individuellen Subjekt oder seinen geistigen Funktionen eigen oder zugehörig… persönlich, individuell.

Wir haben also bis jetzt mit „subjektiv“ etwas Reales verbunden, und zwar im Zusammenhang mit einer allmählich zunehmenden Betonung einer Aktivität des Individuums. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommt es schließlich in gewisser Beziehung zu einer endgültigen Umkehrung der ursprünglichen Wortbedeutung, so dass das Adjektiv, dessen lexikalische Bedeutung ursprünglich real, wesentlich war, nun die folgende lexikalische Bedeutung erhält: nur im Bewusstsein („mind“) existent, ohne irgendetwas Reales, dass ihm entsprechen würde; illusorisch, fantastisch.

Owen Barfield - Der Sprecher und sein Wort, Dornach 1967, S.100