Nein - Hochmoderne Lastenräder

Ein guter Freund schrieb mir eine sms: „Wenn ich schon meckere, dass zu viele Menschen unsinnig viel Auto fahren, sollte ich mich selbst auch damit beschäftigen, wie ich weitere Fahrten vermeiden kann. Lastenrad - das ist die Lösung.“
Beim nächsten Treffen fragte ich ihn, wie er sich das vorstelle. Seine Erklärung klang überlegt: „Ich fahre häufiger für die ganze Familie einkaufen. In das Ding würden zwei Kästen Bier reinpassen. Auch Carlos [seinen Sohn] in die Kita zu bringen, wäre einfacher. Baumarkt. Picknick. Alles wäre viel leichter zu transportieren. Auch Sophie [seine Frau] könnte damit einkaufen. Sie käme viel besser den Berg hinauf. Wir bräuchten viel weniger Autofahrten.“
„OK“, antwortete ich. „Das verstehe ich. Super Ansatz. Hast du auch schon Sofie gefragt. Was hält sie davon? Hat sie Bock auf ein Lastenrad?“
„Äh - nein“, antwortete er.
„Könnte es sein“, grinse ich, „dass du einfach gerne ein Lastend kaufen willst, weil der Katalog super Bilder hat, du es dir leisten kannst und ein Lastend einfach geil wäre?“
So unterhielten wir uns noch eine Weile, bis bei meinem sehr aufgeschlossenen und mit Freude auch mal selbstkritischen Freund die Einsicht erwachte, dass es tatsächlich so sein könnte. Ich sprach keine detaillierte Empfehlung der Alternativen an. Doch als externer Betrachter grenzte ich verschiedene Gründe für ein Lastend voneinander ab:

1. Weniger Auto fahren.
2. Den Transport auch ohne Auto so einfach wie möglich machen.
3. Sofie zur Nutzung des Fahrrads bewegen.
4. Ich will ein Lastenrad kaufen.

Schon beim Lesen dieser Liste ist zu merken, was verantwortungsbewusste, gemeinwohlorientierte Aspekte sind und was emotionale Glücksherstellung sein soll - es ist, na?
Richtig, lieber Freund. Es ist Punkt vier. Genau. Dieses Bedürfnis, dieser Trieb, diese Idee von Punkt vier ist so mächtig, dass wir darüber hinaus versäumen, wirklich rational an derartige, gut gemeinte und sogar unbequeme Veränderungen heranzugehen. Als Externer diese zu Erkennen, war mir in diesem Fall viel leichter möglich, weil mich nicht die Lastenradkauflust berauscht hatte. Also haben wir folgende Situation:

1. Weniger Autofahren geht unter anderem zu Fuß, mit dem Bus, mit dem vorhandenen Fahrrad, mit dem vorhandenen Fahrradanhänger, durch eine neue Mitbring-Organisation mit der Nachbarin, durch eine bessere Vorratshaltung, durch weniger Das-Haus-Verlassen, durch mehr Gartenarbeit, durch mehr Planung.

2. Den Transport auch ohne Auto so einfach wie möglich machen:
Der Wunsch nach Bequemlichkeit in der Veränderung macht uns kreativ in der Lösungssuche. Denk. Dein Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung wechseln und so. Siehe Punkt 1.

3. Sofie zur Nutzung des Fahrrads bewegen:
Wenn dieser Punkt ernst gemeint ist, er also wirklich möchte, dass Sophie mehr Rad fährt, sollte er das unvoreingenommene, ergebnisoffene Gespräch mit Sofie so früh wie möglich suchen, immer wieder über veränderte Sichtweisen sprechen, nicht für sie entscheiden und vor allem ihre Bedürfnisse als genauso wichtig und gültig akzeptieren, wie seinen eigenen Punkt vier; seien sie noch so verrückt oder egoistisch.

4. Ich will ein Lastenrad kaufen:
Wir erkennen die Irrationalität bei anderen viel schneller, als bei uns selbst. Haben wir sie jedoch bei uns erkannt, neigen wir dazu, die gleiche Einsicht sofort und direkt von anderen zu fordern. Das lässt sich bei frisch gebackenen Vegetariern gut beobachten: Ich bin jetzt Vegetarier. Ab sofort müssen alle anderen auch Vegetarier werden. Dabei wird der Prozess, bis zur Entscheidung, vegetarisch zu leben, mit einem Mal weggewischt.

Nachdem mein Freund nun seine Kauflust beobachtete hatte, konnte er eine neue Position zu dieser Einsicht entstehen lassen. Schon vier Stunden nach unserem Gespräch, mitten auf einem Waldspaziergang, in der Gesprächspause zwischen zwei völlig anderen Themen, sagte er plötzlich: „Irgendwie haste ja schon recht. So ein Lastenrad ist zwar cool. Aber ich denke, mit einem E-Bike, das Sofie und ich mit dem Anhänger nutzen können, ist es auch getan. Wir bleiben dabei viel flexibler in der Nutzung. Sofie muss kein Lastend fahren wollen. Und das E-Bike kostet 3.000 Euro weniger. Aber haste das Modell Känguruh gesehen. Sieht schon geil aus, oder?“

Nein - Keine Verpackung aus der DönerDiele

Ich lese, den Kopf nach hinten geneigt, das „vigitarische“ Angebot der Döner-Yufka-Kebab-Varianten. Ich senke den Blick und will bestellen. Herr Dönermann hinter der Theke schaut durch mich hindurch und spult seinen Text ab:
„Der nächste“, bellt er. Währenddessen schaufelt er Salat in eine Brottasche.
Ich weiß nicht genau, ob er mich meint. Ich schiele nach rechts. Dort steht eine Frau, das Kinn auf der Brust, auf ihr Handy starrend.
Ich schiele nach Links. Dort steht ein junger Mann, den Kopf im Nacken. Er studiert die Angebotsvarianten als stünden dort Texte von Kant.
Ich muss gemeint sein.
„Einmal Falaffel im Yufka, bitte. Ohne Zwiebeln. Auf die Hand. Ohne Alufolie. Ohne Plastiktüte. Ohne Plastiklöffel. Ohne Plastikfleisch. Ohne Zwiebeln. Falaffel im Yufka, bitte. Und wehe! sie stopfen das Ding in ihrem automatischen Wahn doch in Alu und Plastik, dann schmeiß ich es ihnen an die Wand, schreie und beleidige deine Munda, Alda,“ sage ich beinahe, denn in der Massenabfertigung beim Dönermann möglichst wenig Müll zu bestellen, erfordert nicht nur die Entscheidung, Fleisch oder Falaffel, sondern auch ein beherztes, deutliches Artikulieren eines dreifachen Neins, das durch den Wahn des tausendfach einstudierten Automatismus des Dönermanns dringt.
Um Müll zu Vermeiden ist ein klares, deutliches Neins nötig. Ein rechtzeitiges Nein. Eine wiederholtes Nein. Ein spürbares Nein Nein Nein.
Und es bedarf der wissenschaftlichen Observation des Falaffel-Yufka-Verpackungsprozesses bis zum Ende und die Bereitschaft jederzeit erneut Nein zu sagen: „Keine Aluminiumfolie. Keine Plastiktüte. Keine Plastikgabel. Nein. Ich trage hier und jetzt Verantwortung für weniger Plastikmüll. Also, direkt auf die Hand. Bitte. Danke.“

Wollen Fühlen Denken - how to handle that!

Die Welt tritt dem Menschen als eine Vielheit gegenüber, als eine Summe von Einzelheiten. Eine von diesen Einzelheiten, ein Wesen unter Wesen, ist er selbst. Diese Gestalt der Welt bezeichnen wir schlechthin als gegeben, und insofern wir sie nicht durch bewusste Tätigkeit entwickeln, sondern vorfinden, als Wahrnehmung.

Innerhalb der Welt der Wahrnehmungen nehmen wir uns selbst wahr. Diese Selbstwahrnehmung bliebe einfach als eine unter den vielen anderen Wahrnehmungen stehen, wenn nicht aus der Mitte dieser Selbstwahrnehmung etwas auftauchte, das sich geeignet erweist, die Wahrnehmungen überhaupt, also auch die Summe aller anderen Wahrnehmungen mit der unseres Selbst zu verbinden.

Dieses auftauchende Etwas ist nicht mehr bloße Wahrnehmung; es wird auch nicht gleich den Wahrnehmungen einfach vorgefunden. Es wird durch Tätigkeit hervorgebracht. Es erscheint zunächst an das gebunden, was wir als unser Selbst wahrnehmen. Seiner inneren Bedeutung nach greift es aber über das Selbst hinaus. Es fügt den einzelnen Wahrnehmungen ideelle Bestimmtheiten bei, die sich aber aufeinander beziehen, die in einem Ganzen gegründet sind.

Das durch Selbstwahrnehmung Gewonnene bestimmt es auf gleiche Weise ideell wie alle andern Wahrnehmungen und stellt es als Subjekt oder «Ich» den Objekten gegenüber. Dieses Etwas ist das Denken, und die ideellen Bestimmtheiten sind die Begriffe und Ideen. Das Denken äußert sich daher zunächst an der Wahrnehmung des Selbst; ist aber nicht bloß subjektiv; denn das Selbst bezeichnet sich erst mit Hilfe des Denkens als Subjekt.

Diese gedankliche Beziehung auf sich selbst ist eine Lebensbestimmung unserer Persönlichkeit. Durch sie führen wir ein rein ideelles Dasein. Wir fühlen uns durch sie als denkende Wesen. Diese Lebensbestimmung bliebe eine rein begriffliche (logische), wenn keine anderen Bestimmungen unseres Selbst hinzuträten. Wir wären dann Wesen, deren Leben sich in der Herstellung rein ideeller Beziehungen zwischen den Wahrnehmungen untereinander und den letztern und uns selbst erschöpfte.

Nennt man die Herstellung eines solchen gedanklichen Verhältnisses ein Erkennen, und den durch dieselbe gewonnenen Zustand unseres Selbst Wissen, so müssten wir uns beim Eintreffen der obigen Voraussetzung als bloß erkennende oder wissende Wesen ansehen. Alles ist wirklich, was wahrgenommen werden kann, ist daher das Gefühl die Bürgschaft der Realität der eigenen Persönlichkeit.

Das Unsichtbare Komitee

Das Unsichtbare Komitee ist ein anonymes Autorenkomitee in Frankreich. Die Polizei hat im Zuge der "Terroristenbekämpfung" viele Spekulationen angestellt, wer dazugehören mag, aber die Identität der Autoren wurde nie bekanntgegeben.

»Nur wir, die in Betonklötzen zur Welt kommen, in Supermärkten Obst pflücken und im Fernsehen nach dem Echo der Welt Ausschau halten, bringen es fertig, geduldig die Enzyklopädie des Desasters zu erstellen.«

„Es gibt keinen friedlichen Aufstand. Waffen sind notwendig: Es geht darum, alles zu tun, um ihren Gebrauch überflüssig zu machen.“
- Unsichtbares Komitee: Deutschsprachige Ausgabe beim Nautilus Verlag, S. 105

»Dies ist möglicherweise das Böseste, was ich jemals gelesen habe.«
- Glenn Beck, Fox News, USA

„Das Buch ist der aktuellste Versuch, ultralinker Politik ein glamouröses Antlitz zu verpassen. Situationismus, Autonomen-Anarchismus und Punkpoesie werden darin zu einem knackig formulierten Pamphlet gemixt“.
- die tageszeitung

Klappentext: Nach Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde "Der kommende Aufstand" von der französischen Regierung als einziges Beweisstück eines angeblich international bekannten "Terrorismusfalls" beschlagnahmt, als ein "Handbuch des Terrorismus", und war Vorwand für die Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Tatsächlich enthält das Buch eine radikale, situationistisch geprägte Analyse der Reaktionen von Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und Volksaufstände in den letzten Jahren.

"Unter welchem Blickwinkel auch immer man es betrachtet: Die Gegenwart ist ausweglos", konstatieren die Autoren des vorliegenden Manifests. Für sie sind die brennenden Vorstädte in Frankreich oder die Straßengewalt in Griechenland revolutionäre Momente, Symptome des Zusammenbruchs der westlichen Demokratien, die sich gegenseitig verstärken und sich ausbreiten. Die Autoren fordern einen Kommunismus als "ergebnisoffenen" Prozess, die Bildung von Kommunen sowie die Restrukturierung der Ökonomie in kleine, lokale Einheiten und plädieren für eine anonyme Position der Unsichtbarkeit.

Wikipedia: Das Comité invisible hatte 2007 bereits drei weitere Schriften der Gruppe Tiqqun vorgelegt:
  • Theorie vom Bloom (2000), 
  • Kybernetik und Revolte (2001)
  • Grundbausteine einer Theorie des Jungen-Mädchens (2001). 
Im Rahmen des Chaos Communication Congress 2014 in Hamburg wurde unter dem Titel Fuck Off Google ein weiterer Text desselben Autorenkollektivs verlesen. Es handelte sich um das vierte Kapitel der Fortsetzung von „Der kommende Aufstand“, eines weiteren Manifests, das unter dem Titel A not Amis („An unsere Freunde“) erschien.

Dieses konstatierte schon auf der ersten Seite, bezugnehmend auf etwa die Revolution in Tunesien 2010/2011, die Studentenproteste in Québec 2012, die Ausschreitungen in Griechenland 2008 und die Proteste in Griechenland 2010–2012:  „Die Aufstände sind gekommen, nicht die Revolution.“ (…) wie groß auch immer die Unruhen unter dem Himmel sind, die Revolution scheint überall im Stadium des Aufruhrs zu ersticken. (…) An diesem Punkt müssen wir Revolutionäre unsere Niederlage eingestehen.“

Mit dem erneuten Manifest soll nun ein weiterer Anlauf zur radikalen Veränderung der Verhältnisse geschaffen werden und eine gemeinsame Sprache, mit der die herrschenden Verhältnisse beschrieben und ihre Beseitigung betrieben werden kann, gefunden werden; ein Unterfangen, das nach Ansicht des Rezensenten von WDR 5 am „hohen Abstraktionsniveau“ des Textes scheitert. Am Beispiel des Stratfor-Hacks ziehen die Autoren den Schluss, sich technologisches Wissen anzueignen, sei wichtig, um zerstören zu können und positionieren sich damit im Gegensatz zum Akzelerationismus. Die größte Schwäche des Textes sei, so WDR 5, sein Eurozentrismus.

Der kommende Aufstand (2007)

auf Deutsch
http://www.boelters.de/Aufstand/der-kommende-aufstand.pdf 

auf Französisch
http://www.lafabrique.fr/spip/IMG/pdf_Insurrection.pdf

An unsere Freunde (2015)

auf Deutsch
https://linksunten.indymedia.org/de/system/files/data/2015/04/1995515656.pdf

Waren die Anthroposophen Nazis? Oder die Nazis Anthroposophen?

Sind die Anthroposophen Nazis? Waren die Nazis Anthroposophen?
Wenn man dieser Seite glauben schenkt, könnte man das meinen zu wissen:

https://www.psiram.com/de/index.php/Anthroposophie

Meinen Recherchen nach sind die Ruhrbarone eindeutig rechts-radikle Störenfriede, die unter anderem die Seite Psiram bearbeiten. Auf ihrer eigenen Seite schreiben sie:

https://www.ruhrbarone.de/anthroposophie-und-nationalsozialismus-die-waldorfschulen-erziehen-zur-volksgemeinschaft/44449
























Was hier abgeht, ist auch interessant - vor allem das letzte Bild des Threats:
http://www.cosmiq.de/qa/show/2469528/war-rudolf-steiner-ein-nazi/






















Und ich habe versucht, dieses Buch ganz zu lesen.























Es ging nicht. Irgendwann in der Mitte war Schluss. Aber die Ruhbarone finden es wohl gut und zitieren gerne daraus als Beleg für ???

"Aufmerksamen Beobachtern fallen bestimmte Bekleidungsgewohnheiten ("Gewandung" genannt) bei Anthroposophen auf. Angaben zu einem "Kleiderkult" des aktiven Anthroposophen ist im Werk "Achtung, Anthroposophie!" von Lydie und Andreas Baumann-Bay zu finden:"
"eine würdig aufrechte Haltung [...] einen Hut, eine Baskenmütze oder [...] ein Kopftuch, im Sommer [...] ein Strohhut. Die Kleidung ist wenig bis gar nicht figurbetont, meist ein bisschen zu warm für die Jahreszeit und selbstverständlich aus 100-prozentig natürlichen Materialien, bevorzugt Wolle oder Seide. Bei den Farben dominieren neben diskreten Erdfarben zarte Töne."[3][4]

Bei heise.de steht schon etwas differenzierter:

"So wie Kinder, die nicht glauben wollen, dass sie von ihren Eltern abstammen, suchte Himmler nach seinen wahren, den götterähnlichen Ahnen, die ihn aus Mittelmäßigkeit und beruflichem Versagen reißen sollten, und fand sie in den Irminen und Asen der ariosophischen Zirkel: Panarische Union, Germanischer Orden, Ordinis Novis Templi und Thule Gesellschaft. Letztere gilt als die Keimzelle der NSDAP. Hitler, Heß, Göring, Rosenfeld und Himmler waren Mitglied, und spielte eine Schlüsselrolle beim Ende der Münchner Räterepublik. Deren Hass auf "Unken- Drachen- Robotermenschen" speiste sich aus der Evolutionslehre der "Wurzelrassen", wie es die Theosophen erschauten und Rudolf Steiner hellseherisch erforschte, ein Erbe, mit dem sich die Antroprosophie heute herumschlagen muss: Die erste Wurzelrasse waren astrale Mondschatten, die Zweite, schweißgeborene, hermaphroditische Riesen, die dritte Rasse bestand aus Gasen, Flüssigkeit und gallertartigen Knochen, und die vierte Rasse, vollkörperliche Riesen mit magischen Kräften, lebte auf Atlantis. Die Arier waren die fünfte Rasse, während die Juden aus den minderrassigen Tschandalen hervorgingen."
https://www.heise.de/tp/features/Im-Kreis-der-schwarzen-Sonne-3451400.html

Puh! Die Beweise sind erdrückend - aber nicht für die Aussagen der Autoren dieser Texte, sondern erdrückend für die Autoren - es sei denn, tertiäre Quellen sind das einzige, was unserem Geist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit vermitteln darf, dann erdrücken die Beweise uns. Ich schnapp nach Luft.

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Ergänzungen vom 9.10.2017:


Zum Thema Steiner | Rassismus empfehle ich folgenden Seiten, von denen auch die folgende Steiner-Zitate sind:

»Ich habe den Menschen nie nach etwas anderem beurteilen können als nach den individuellen, persönlichen Charaktereigenschaften, die ich an ihm kennenlerne. ... Und ich habe im Antisemitismus nie etwas anderes sehen können als eine Anschauung, die bei ihren Trägern auf Inferiorität des Geistes, auf mangelndes ethisches Urteilsvermögen und auf Abgeschmacktheit deutet.«
Rudolf Steiner in: "Gesammelte Aufsätze zur Kultur- und Zeitgeschichte 1887-1901" (GA 31), S. 378 f. 
http://www.humanistische-aktion.de/steiner.htm

"Nur wenn man den Menschen als geistiges Wesen anschauen lernt, kann man wahrhaft alle rassistischen Tendenzen überwinden, ohne zugleich die notwendige menschheitsweite Differenzierung der leiblichen Wesensglieder leugnen zu müssen. Anerkennt man den Menschen hingegen nur als körperliches Wesen, so muß man im Sinne der vielzitierten "Toleranz" danach trachten, die körperlichen Unterschiede der Menschen möglichst zu verwischen. Damit steht man aber völlig außerhalb der Tatsachen, was nur deshalb so wenig auffällt, weil man heute zumeist nicht den realen Menschen, sondern nur sein höchst abstraktes gedankliches Abbild betrachtet.

In Wahrheit gibt es beträchtliche und notwendige Unterschiede zwischen den verschiedenen Rassen und Völkern, denen jeweils ganz bestimmte geistige Aufgaben zukommen, die nur sie erfüllen können. Die damit verbundene unterschiedliche Struktur des physischen und ätherischen Leibes entscheidet aber nicht über den Wert des Individuums, das selbst seelisch-geistiger Natur ist. Die rassische und völkische Anlage des Menschen bezeichnet nur die speziellen Bedingungen, in denen das Individuum lebt.

Nur ein unklares Denken kann beides miteinander verwechseln; es wäre genauso, als wollte man den moralischen Wert eines Menschen daran bemessen, wie prunkvoll seine Kleidung oder seine Behausung ist. Die physisch-ätherische Natur des Menschen unterscheidet sich nicht wesentlich von der Landschaft und dem Klima, in das der Mensch hineingeboren wird – aber wollte man deswegen den Bergbewohner dem im flachen Land lebenden Menschen vorziehen, oder umgekehrt? Jede Art von Rassismus oder Nationalismus entspringt einem solchen unklaren Denken, dass überwunden werden muss, wenn die Menschheit nicht in den Niedrgang kommen soll."

https://anthrowiki.at/Rassen#Rassenideale_sind_der_Niedergang_der_Menschheit

Waren die Illuminaten in Wirklichkeit Aufklärer?

Es ist gerdezu verblüffend, welche Wandlungen der Begriff Illuminatismus innerhalb 40 Jahren durchmachen mußte und wie weit er sich von seiner ursprünglichen Bedeutung in der Anschauung der Menschen entfernte. Weishaupt wollte mit Illuminatismus den Weg zur Selbstveredelung und Menschenliebe bezeichnen.
[...]
Jedenfalls ist es gut, daß im Wandel der Zeit jene Verdrehungen und Verleumdungen, namentlich des 18. Jahrhunderts, vergessen wurden, wenn nur nicht in letzter Zeit der klägliche Versuch gemacht wurde, diesen alten Staub aufzuwirbeln mit der unverhohlenen Absicht, den neueren Illuminaten-Orden in Mißkredit zu bringen. Wir werden genötigt sein, über diese Versuche später ein Wort zu reden, jetzt sei nur noch kurz gesagt, was heute unter Illuminatismus zu verstehen ist.
[...]
Wissen steht ihm höher als bedingungsloser Glaube. Das innere Erleben allein kann zum wissenden Erkennen führen und dann zum endlichen Wahrheitssieg. Stellt man nun die alte Pilatusfrage: Was ist Wahrheit? so ist zu antworten: Wahrheit ist ein inneres Licht, dessen Strahlen den Weg des Erdenmenschen erleuchten soll, nur sind viele blind, sie empfinden die Strahlen nicht. Wem die Augen geöffnet sind, der kennt kein Abweichen vom rechten Wege mehr, bedarf keines Führers, sondern wandelt seine Straße ohne solche Hilfe. Den Menschen fähig zu machen, daß ihm das innere Licht aufgehe, lehrt der Illuminatismus.

Quelle: http://www.parareligion.ch/2007/engel/illuminatismus.htm

Bleibt die Frage, wer verbirg sich hinter den "bösen" Illuminaten. Die Antwort 1 ist einfach: Die Satanisten. Ha! Sind die Saturnisten die gleichen? Siehe Fraternitas Saturnis

Wie wir der Selbst-Erkenntnis aus dem Wege gehen.

William Law schrieb: „Wenn Gott auch überall gegenwärtig ist, so für dich nur im Innersten deiner Seele. Deine natürlichen Sinne können Gott weder in Besitz nehmen noch sich mit ihm vereinen. Deine geistigen Kräfte, Verstand, Wille, Gedächtnis können sich lediglich auf Gott hin ausrichten, aber nicht seine Wohnstatt in dir sein. In deinem Innern ist dir doch eine Wurzel oder eine Tiefe, der alle Fähigkeiten entspringen wie Linien von einem Mittelpunkt oder wie Äste vom Stamm eines Baumes ausgehen. Sie heißt die Mitte, der Kern, der Grund der Seele. Diese Tiefe ist die Einheit in Ewigkeit. Ich hätte fast gesagt, die Unendlichkeit deiner Seele.“

Diese Haltung einerseits und andererseits der kühne Versuch (der mit der Reformation begann und im Fundamentalismus endete), die Bibel buchstäblich und nur buchstäblich zu nehmen, gerade zu einer Zeit, als deren Bedeutungsfülle vom Götzenbewusstsein auf subtile Weise unterminiert wurde - das sind die zwei entgegengesetzten und komplementären Pole, um die sich der Protestantismus bisher gedreht hat.
[...]
Und dennoch, für ein feines und aufrichtiges, moralisches Gespür ist vielleicht in keinem der beiden geschilderten Fälle die Beziehung zwischen Moralität und Imagination so irrelevant, wie es zuerst erscheinen mag. Die Verbindung zwischen Geist und Herz ist ein überaus zartes Geheimnis, und Härte ist hier ansteckend. Meiner Überzeugung nach wird es sich zeigen, dass auf einer, wenn auch noch so tiefen Ebene ein berechtigeter Zusammenhang zwischen dem besteht, was ich 'Buchstäblichkeit' genannt habe, und einer gewissen Verhärtung des Herzens.

Beobachtet man aufmerksam die Reaktion eines abgestrumpften, am Buchstäblichen hängenden Geistes auf das, was sich immerfort als Allegorie oder Symbol darstellt, wird man eine bestimmte Gereiztheit feststellen, d. h. die Anfänge einer Aggressivität, die sich in der Ablehnung andeutet. Hier liegt meiner Meinung nach eine im Tiefen verborgene moralische Geste vor.

Man hört z. B. von buchstäblich gesonnenen Menschen, dass sie den Verdacht hegen, 'man wolle ihnen etwas'. Und das trifft wirklich zu, denn man will ihnen in dem selben Sinne etwas, in dem auch ihr Unterbewusstsein ihnen durch symbolische Träume 'etwas will'.

Solche Menschen sind sich dunkel der Tatsache bewusst, dass versucht wird, ihre Götzenbilder zu zerschlagen; und dass sie eingeladen sind, ihren Fuß auf einen langen Weg zu setzten, der am Ende zur Selbst-Erkenntnis führt - mit all den belastenden Erniedrigungen, die das mit sich bringt. Hiergegen hegen sie eine instinktive Abneigung und bevorzugen es, 'buchstäblich-gesonnen' zu bleiben. Doch dass sie dies tun, wird ihnen kaum bewusst, das sie ja gerade der Selbst-Erkenntnis aus dem Wege gehen."

aus Owen Barfield - Die Evolution des Bewusstseins

Paracelsus - Sieben Wege zum Wissen

Nach Paracelsus sollte man gewisse Regeln befolgen und sieben Wege kennen, um sich das notwendige Wissen für Heilkunst anzueignen.

Die erste Regel ist ein lebenslanges Studieren, denn das Leben ist kurz und die Kunst in lang. Wer glaubt, ausgelernt zu haben, hat das Wesentliche nicht begriffen.

Die zweite Regel ist der Respekt vor dem Wissen und der Erfahrung anderer. Paracelsus meinte, „dass der Arzt nicht alles, was er können und wissen soll, auf den Hohen Schulen lernt und erfährt, sondern er muss auch zeitweise zu alten Weibern, Zigeunern, Schwarzkünstlern, Landfahrern, alten Bauersleuten und dergleichen unachtsamen Leuten in die Schule gehen und von ihnen lernen. Denn diese haben mehr Wissen von solchen Dingen als alle Hohen Schulen.“

Um solchen Menschen zu begegnen, muss man allerdings sein Studierstübchen verlassen und sich auf Wanderschaft begeben, „weil keinem der Meister im Hause wächst und weil keiner seinen Lehrer hinter dem Ofen hat. Nicht alle Künste sind im Vaterland eines Menschen verschlossen, sondern sie sind in der ganzen Welt verteilt.“

Die dritte Regel ist die Lebensweise. Sie sollte nicht nur bescheiden, sondern so weit wie möglich im Einklang mit den kosmischen Gesetzten sein. Dabei ist nicht wichtig, ob einem dies bereits gelungen ist, wichtig ist, dass man sich bemüht. Außerdem solle man jede Art von Exzessen meiden.

Die vierte, letzte und wichtigste Regel ist die Erfahrung, denn nur sie macht den Heiler zu einem Meister. Erfahrung hat bei Paracelsus allerdings nichts mit „Trial and error“ zu tun. Erfahrung ist vielmehr, „die Kenntnis von dem, was mit Wissen erprobt wird“. Dieses Wissen kann man sich auf sieben verschiedene Weisen aneignen, denn „sieben Wege gibt es, auf welchen wir kunstreich werden“.

Wahre Heiler erlangen Wissen [Zusammenfassung]

1. über Geistwesen (Magie, Channeling, etc.)
2. durch die Überlieferung von Mensch zu Mensch
3. durch die eigene Erfahrung
4. durch Voraussicht über Kontakt mit Elementarwesen
5. über die Chiromantie
6. über die Physionomie
7. über die gesamte Formensprache einer Substanz.

Text aus:
Paracelsusmedizin: Altes Wissen in der Heilkunde von heute. Philosophie, Astrologie, Alchimie, Therapiekonzepte

An was glaubst du?

1. Der Materialismus behauptet, dass das Leben eine Reise vom Mutterschoß bis zum Grab sei, dass der Intellekt das Resultat gewisser wechselseitiger Beziehungen innerhalb der Materie sei, dass der Mensch die höchste Intelligenz im Weltganzen darstelle, und dass diese Intelligenz zugrunde gehe, sobald sich der Körper im Tod auflöse.

2. Die Theorie der Theologen behauptet, dass bei jeder Geburt eine neugeschaffene Seele frisch aus der Hand Gottes in die Arena des Lebens trete und aus einem unsichtbaren Zustand durch das Tor der Geburt in eine sichtbare Existenz gelange; dass sie am Ende einer kurzen Zeitspanne - die sie in der materiellen Welt verbringe - durch das Tor des Todes in das unsichtbare Jenseits hinübergehe, von wo sie niemals wiederkehre; dass ihr Glück oder Elend dort für alle Ewigkeit durch ihre Taten während des winzigen Zeitraumes zwischen Geburt und Tod bestimmt werde.

3. Die Theorie der Wiedergeburt lehrt, dass jede Seele ein integrierter Bestandteil der Gottheit sei, der alle göttlichen Eigenschaften entfalte, so wie sich aus dem Samen die Pflanze entwickle. Sie lehrt, dass durch wiederholte Leben in immer besseren Erdenkörpern die latenten Möglichkeiten sich langsam zu treibenden Kräften entwickeln würden, dass bei diesem Vorgang niemand verloren gehe, und dass alle Menschen am Ende das Ziel der Vollkommenheit und die Wiedervereinigung mit Gott erreichen.

Fazit: Die erste dieser drei Theorien ist monistisch. Sie sucht alle Tatsachen des Daseins als Vorgänge innerhalb der Materie zu erklären. Die anderen zwei Theorien stimmen darin überein, dass sie dualistisch sind, das heißt, sie schreiben einen Teil der Existenz-Phasen und Existenz-Tatsachen einem überphysischen, unsichtbaren Zustand zu, gehen aber in anderen Punkten weit auseinander.

Die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewusstsein

Denn zu dieser [okkulten] Ausbildung muss die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewusstsein angestrebt werden, so dass bei ihm Leib, Seele und Geist in einer vollkommenen Harmonie sind. Die Verrichtungen des Leibes, die Neigungen und Leidenschaften der Seele, die Gedanken und Ideen des Geistes müssen in einen vollkommenen Einklang miteinander gebracht werden.

Der Leib muss so veredelt und geläutert werden, dass seine Organe zu nichts drängen, was nicht im Dienste der Seele und des Geistes geschieht. Die Seele soll durch den Leib nicht zu Begierden und Leidenschaften gedrängt werden, die einem reinen und edlen Denken widersprechen.

Der Geist aber soll nicht wie ein Sklavenhalter mit seinen Pflichtgeboten und Gesetzen über die Seele herrschen müssen; sondern diese soll aus eigener freier Neigung den Pflichten und Geboten folgen. Nicht wie etwas, dem er sich widerwillig fügt, soll die Pflicht über dem Geheimschüler schweben, sondern wie etwas, das er vollführt, weil er es liebt.

Eine freie Seele, die im Gleichgewichte zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit steht, muss der Geheimschüler entwickeln. Er muss es dahin bringen, dass er sich seiner Sinnlichkeit überlassen darf, weil diese so geläutert ist, dass sie die Macht verloren hat, ihn zu sich herabzuziehen.

Er soll es nicht mehr nötig haben, seine Leidenschaften zu zügeln, weil diese von selbst dem Rechten folgen. Solange der Mensch es nötig hat, sich zu kasteien, kann er nicht Geheimschüler auf einer gewissen Stufe sein.

Eine Tugend, zu der man sich erst zwingen muss, ist für die Geheimschülerschaft noch wertlos. Solange man eine Begierde noch hat, stört diese die Schülerschaft, auch wenn man sich bemüht, ihr nicht zu willfahren. Und es ist einerlei, ob diese Begierde mehr dem Leibe oder mehr der Seele angehört.

Wenn jemand zum Beispiel ein bestimmtes Reizmittel vermeidet, um durch die Entziehung des Genusses sich zu läutern, so hilft ihm dies nur dann, wenn sein Leib durch diese Enthaltung keine Beschwerden erleidet. Ist letzteres der Fall, so zeigt es, dass der Leib das Reizmittel begehrt, und die Enthaltung ist wertlos.

In diesem Falle kann es eben durchaus sein, dass der Mensch zunächst auf das angestrebte Ziel verzichten muss und warten, bis günstigere sinnliche Verhältnisse - vielleicht erst in einem anderen Leben - fuür ihn vorliegen.

Ein vernünftiger Verzicht ist in einer gewissen Lage eine viel größere Errungenschaft als das Erstreben einer Sache, die unter gegebenen Verhältnissen eben nicht zu erreichen ist. Ja, es fördert solch ein vernünftiger Verzicht die Entwicklung mehr als das Entgegengesetzte.

Aus WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN, Kapitel: Über einige Wirkungen der Geheimschulung, RUDOLF STEINER ONLINE ARCHIV, 4. Auflage 2010, http://anthroposophie.byu.edu

Bewusste Frau, du leuchtest hell wie der hellste Stern.

Mujer consciente, cuando soltas la impaciencia, las cosas llegan. Mujer consciente, cuando te relajas, tu entorno se acomoda. Mujer consciente, cuando te das permisos, las puertas se abren. Mujer consciente, cuando solltas los miedos, ellos se van. Cuando te decidis, las piedras del camino ruedan y te dejan el paso libre. Mujer consciente, cuando soltas las preocupaciones aflora tu sonrisa. Mujer consciente, cuando te calmas, todo esta mejor. Mujer consciente, cuando soltas la mente, destapas tu brillante magia intuitiva. Mujer consciente, cuando te ves y aceptas, brillas fulgorosamente como la estrella mas brillante de todo el Cosmos. *Julieta Saenz Valiente

Bewusste Frau, wenn du die Ungeduld freigibst, kommen die Dinge. Bewusste Frau, wenn du dich entspannst, entspannt sich dein Umfeld. Bewusste Frau, wenn du dir die Erlaubnis gibst, öffnen sich die Türen. Bewusste Frau, wenn du die Ängste los lässt, ziehen sie davon. Wenn du dich entscheidest, rollen die Steine vom Weg und machen ihn dir frei. Bewusste Frau, wenn du die Sorgen loslässt, erblüht dein Lächeln. Bewusste Frau, wenn du dich beruhigst, ist alles besser. Bewusste Frau, wenn du den Verstand freilässt, erkennst du du deine brillante intuitive Magie. Bewusste Frau, wenn du siehst und akzeptierst, leuchtest du hell wie der hellste Stern im ganzen Kosmos. *Julieta Saenz Valiente

Professoren der Philosophie, aber keine Philosophen

"Heutzutage gibt es Professoren der Philosophie, aber keine Philosophen. Es lässt sich trefflich darüber doziern, wie trefflich man einst sein Leben verbrachte. Um ein Philosoph zu sein, ist es nicht genug, geistreiche Gedanken zu haben oder eine Schule zu gründen, sondern man muss die Weisheit so lieben, dass man nach ihr lebt, ein Leben in Einfachheit, der Unabhängigkeit, des Großmuts und des Vertrauens", formulierte Henry David Thoreau, der Zeitgenosse und Seelenverwandte Walt Whitmans.
aus WALT WHITMAN: Meine "GRASBLÄTTER" und "ICH von Axel von Cossart

Die Nürnberger Prinzipien

Robert H. Jackson, amerikanischer
Chefankläger, in seiner Rede zur
Eröffnung des Prozesses, Nürnberg
21. November 1945: „…wir dürfen
niemals vergessen, dass nach dem
gleichen Maß, mit dem wir die Angeklagten
heute messen, auch wir
morgen von der Geschichte gemessen
werden. Diesen Angeklagten einen vergifteten
Becher reichen, bedeutet, ihn
an unsere eigenen Lippen zu bringen.“

Die Nürnberger Prinzipien

Nach den Prozessen von Nürnberg und Tokio gab es lange Jahre keine internationalen Prozesse gegen Kriegs- und Menschenrechtsverbrecher mehr, obwohl Robert Jackson das in Nürnberg angekündigt hatte. Doch wurden die Anklagepunkte und die wesentlichen Rechtsgrundsätze von Nürnberg, wie sie im Londoner Statut niedergelegt waren, von der UNO rasch zu allgemeinen Prinzipien des Völkerrechts erklärt. Bereits wenige Wochen nach dem Nürnberger Urteil, am 11. Dezember 1946 bestätigte die VN-Generalversammlung einstimmig die Völkerrechtsprinzipien, die dem Statut des Nürnberger Prozesses und dem Urteil zugrunde lagen.

Zugleich beauftragte sie – mittels ihres „Komitees für die fortschreitende Entwicklung des Völkerrechts und seiner Kodifizierung“ – die entstehende Völkerrechtskommission, einen Entwurf für ein Völkerstrafgesetzbuch und Vorschläge für einen internationalen Strafgerichtshof auszuarbeiten.

Am 29. Juli 1950 formulierte die Völkerrechtskommission ihre Fassung der „Nürnberger Prinzipien“, die seither als verbindliche völkerrechtliche Prinzipien gelten.  Im gleichen Jahr legte die Völkerrechtskommission einen ersten Entwurf für ein internationales Strafgesetzbuch für „Verbrechen gegen den Frieden und die Sicherheit der Menschheit“ vor. Zugleich sprach sich die Kommission für die Schaffung eines ständigen internationalen Strafgerichtshofs für diese Verbrechen aus. 1954 legte sie der Generalversammlung einen überarbeiteten Entwurf dieses Strafgesetzbuches vor, der wiederum die „Nürnberger Prinzipien“ aufnahm.

Allerdings vermochte die Generalversammlung damals weder, das Strafgesetzbuch zu verabschieden, noch den vorgeschlagenen Gerichtshof einzurichten. Bis in die neunziger Jahre blieben die „Nürnberger Prinzipien“ ohne Implementierung. Selbst ein erneuter Entwurf, den die Völkerrechtskommission 1991 der Generalversammlung vorlegte, scheiterte. Erst die beiden Ad-Hoc-Gerichtshöfe zu Jugoslawien und Ruanda machten den Weg frei für einen ständigen internationalen Strafgerichtshof.

Völkerrechtliche Bedeutung

Unbestritten war die Wertung der Angriffskriege Deutschlands als Bruch des geltenden Völkerrechts. Neu war, dass dafür nicht die traditionellen Völkerrechtssubjekte, die Staaten, sondern Einzelpersonen verantwortlich gemacht wurden. Auch Kriegsverbrechen, Verbrechen im Krieg also, waren eindeutig definiert. Im Prozess versuchten die deutschen Verteidiger immer wieder, auch Kriegsverbrechen der Alliierten zum Thema zu machen. Es wird eine berechtigte Kritik bleiben, dass zum Beispiel die Angriffskriege der Sowjetunion, die Bombardierung von mit Zivilbevölkerung überfüllten Städten, der Abwurf der Atombomben auf Japan oder die Ermordung von 4000 polnischen Offizieren durch die sowjetische Armee bei Katyn nicht wenigstens Gegenstand eines späteren Verfahrens wurden.

Der bis dahin noch wenig gebräuchliche Straftatbestand „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ wurde von Robert Jackson mit Recht als notwendig bezeichnet, um einen barbarischen Rückfall hinter die erreichten Normen der zivilisierten Völker völkerrechtlich zu fassen. Der verbreitete Vorwurf „Siegerjustiz“ kann sich weder auf willkürliche Anklagepunkte noch auf unfaire Prozessführung berufen. Ziel das Verfahrens war nicht, eine Kollektivschuld Deutschlands festzustellen, im Gegenteil: Es waren Personen angeklagt, Ziel des Verfahrens war der Nachweis ihrer individuellen Verantwortlichkeit.

Der Prozess war Teil der Anstrengungen, der deutschen Bevölkerung die Augen über das Nazi-Regime zu öffnen, also Teil der demokratischen Re-Education.  Damit war der Prozess allerdings überfordert, wie sich angesichts der ambivalenten Wirkung in Deutschland zeigte. Dennoch fand im Nürnberger Gerichtssaal die erste große und öffentliche Präsentation der Verbrechen des Nationalsozialismus und somit geschichtliche Aufklärungsarbeit statt. Trotz mancher Defizite bleibt der Nürnberger Prozess Grundstein für das Völkerstrafrecht der Nachkriegszeit.

Die Nürnberger Prinzipien

  1. Jede Person, welche ein völkerrechtliches Verbrechen begeht, ist hierfür strafrechtlich verantwortlich.
  2. Auch wenn das nationale Recht für ein völkerrechtliches Verbrechen keine Strafe androht, ist der Täter nach dem Völkerrecht strafbar.
  3. Auch Staatsoberhäupter und Regierungsmitglieder sind für von ihnen begangene völkerrechtliche Verbrechen nach dem Völkerrecht verantwortlich.
  4. Handeln auf höheren Befehl befreit nicht von völkerrechtlicher Verantwortlichkeit, sofern der Täter auch anders hätte handeln können.
  5. Jeder, der wegen eines völkerrechtlichen Verbrechens angeklagt ist, hat Anspruch auf ein ordnungsgemäßes Verfahren.
  6. 06 Folgende Verbrechen sind als völkerrechtliche Verbrechen strafbar: a) Verbrechen gegen den Frieden b) Kriegsverbrechen c) Verbrechen gegen die Menschlichkeit
  7. Die Mittäterschaft zur Begehung der genannten Verbrechen stellt ebenfalls ein völkerrechtliches Verbrechen dar.

http://www.von-nuernberg-nach-den-haag.de/seite1/die_nuernberger_prinzipien/

Warum Europa eine Republik werden muss

Bildet euch, liebe Menschen, bildet euch. Und geht selbstbewusst aus der unverschuldeten, unbewussten Unmündigkeit heraus in eine Welt des neuen bewussten, liebvollen, demokratischen Miteinanders! Yeah!

Text aus: Ulrike Guérot, Warum Europa eine Republik werden muss! Eine politische Utopie, Bonn 2016, S.43ff

In Folge der kolossalen Verletzungen demokratischer Gebote sowie der Entkoppelung von wirtschaftlichen und politischen Raum sprießen heute überall in Europa von Finnland bis Griechenland Populisten wie Pilze aus dem Boden, rechte wie linke. Die so genannten Populisten opponieren gegen die EU. Sie brechen die klassischen Parteiensysteme auf und sorgen so für die Erosion der nationalen Demokratien. Der Populismus wird gemeinhin als Bedrohung für die liberalen demokratischen Gesellschaften gebrandmarkt. Europa hat aber nur in zweiter Linie ein Populismus Problem. Sein größtes Problem ist die politische Mitte!

Denn die politische Mitte ist nicht in der Lage oder willens, die EU als eine Vergewaltigung der Demokratie anzuprangern. Auch fühlt sie sich nicht bemüßigt, die EU in Richtung auf eine echte transnationale Demokratie hin weiterzuentwickeln und dabei besonders die positive politische und soziale Integration in Europa in den Mittelpunkt zu stellen. Die EU ist nicht in der Lage aus ihrer politischen Selbstverleugnung herauszutreten. Das ist das eigentliche Problem in Europa!

Der europäische Populismus kommt immer mit zwei Gesichtern daher. Das eine ist ein Anti-Euro-Gesicht, das andere Gesicht wendet sich gegen Migration und Überfremdung. Beide Gesichter verbindet Marie Le Pen mit Viktor Orbán, die „Wahren Finnen“ mit der FPÖ,  oder die schwedischen Demokraten mit Geert Wilders. Die deutsche AfD glaubte unter Bernd Lücke noch, sie könne das hässliche Gesicht hinter ihrem prozessoralen Anti-Euro-Gesicht verstecken, bevor Frauke Petra und Björn Hecke die xenophobe Fratze der Partei auch öffentlich zeigten.

Die Anti-Migration-Fratze der europäischen Populisten macht es der politischen Mitte leicht sich in moralische Überheblichkeit zu flüchten. Diese Überheblichkeit versperrt den Blick darauf, das die Populisten mit ihrer Euro-Kritik einen sehr wunden Punkt des Euro-Governance Systems treffen: der Euro kann zwar funktionieren, ist aber nicht demokratisch. Was Marie Le Pen und ihre fellows kritisieren, nämlich die europäische Post Demokratie, ist nicht sonderlich originell und findet sich als Tatbestand und Kritik in so ziemlich jeder wissenschaftlichen Analyse angesehener Politik und Sozialwissenschaftler. Ganze Bibliotheken lehren uns, dass der Euro nicht ausreichend legitimiert und europäische Parlamentarismus brüchig ist. Der Euro kann die soziale Kohäsion in Europa nicht gewährleisten. Nur wollten wir dieses Wissen jahrzehntelang nicht in die europäischen Parlamente transportieren. Wenn das jemand im politischen Raum laut sagt, kann er schnell in die Gefahr geraten, als Populist zu gelten.

Der gemeine Pegida-Spruch „Wir sind das Volk“ spiegelt für alle auf unangenehm grelle Weise die Tatsache wider, dass Bürger und nicht Staaten souverän sind - nicht im plebiszitären Sinn. Aber sie legitimieren als souveränes Kollektiv die parlamentarische Repräsentation. Folgt man dem Versuch einer Theorie des Populismus von Jan-Werner Müller, dann ist jemand noch lange kein Populist, nur weil er der Herrschaftsmeinung von nationalen oder europäischen Eliten widerspricht. Marie Le Pen wäre mithin noch keine Populisten oder gar pathologisch, nur weil sie berechtigte Kritik an der derzeitigen Euro Politik in Frankreich geltend macht.

Anstatt die Ursachen des populistischen Votums ernst zu nehmen und anzuerkennen, dass es dafür reale Gründe eines Systemversagens gibt, welches soziale und kulturelle Exklusiv produziert, reagiert die politische Klasse oft selbstgefällig moralisch: Das eigene Argument wird ethisch überhöht, Rechtspopulisten gelten als nicht integer, irrational, böswillig oder gefährlich, wobei die identitären Bedürfnisse der Globalisierungverlierer als konkurrierende Werteordnung oder als einfach andere politische Meinung nicht anerkannt werden. Das geflügelte Wort dafür ist heute polarisieren: Wer der Mitte nicht beipflichtet, der polarisiert. Dadurch werden die Argumente der anderen nicht pariert, sondern nur politisch entwertet, und dem demokratischen Diskurs wird mithin selbst die Grundlage entzogen: Er muss zwangsläufig erodieren, wenn die politischen Argumente a priori nicht gleichwertig sind und Konsens über Dissens gestellt wird.

Mit der Ausgrenzung der Populisten beginnt also der Verfall der Demokratie. Dies ist nun wahrlich nicht zur Verteidigung, gar zur Entschuldigung von Einlassungen von AfD-Stimmungsmacher à la André Roggendorf oder Björn Hecke gemeint, indes ist die Frage aufzuwerfen, warum es ihnen beiden gelingt, in Sachsen-Anhalt respektive Thüringen die AfD auf inzwischen satte 24,2 Prozent (Landtagswahl Sachsen-Anhalt 2016) beziehungsweise 10,6 Prozent (Landtagswahl Thüringen 2014) zu bringen. Das sachlich Richtige darf nicht genannt werden und wird in die populistische Ecke gerückt. Im alltäglichen Klein-Klein scheiterte daran sogar jüngst die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses im europäischen Parlament zur Juncker-Steueraffäre, den Linke und die Grünen nicht zusammen mit den Rechtspopulisten einsetzen wollten. Das ästhetische Prinzip von form follows funktion wird hier durchbrochen: Die Form, nicht die Funktion bestimmt die Politik in der EU. Die Wiedererlangung der politischen Ästhetik in Europa müsste hier ansetzen.

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Mehr Selbstgedachtes und darum richtig „Gefährliches“ bei: Daniela Dahn - Wir sind der Staat! Warum Volk sein nicht genügt - 180 Seiten.

Es gibt keinen Grund

Es gibt keinen Grund außer für mich. Da ist kein Erlebnis in der Welt. Es gibt nur mich und meine Bilder, meine Wünsche, Träume und Sehnsüchte. Sie drängen auf mich ein, wie der Nebel, der abends langsam vom See ans Ufer kriecht. Es ist unheimlich, im Nebel zu verschwinden. Er ist so mächtig, so undurchsichtig. Er hüllt mich ein, nimmt mir die Sicht, doch er lässt mir die Handlungsräume offen.

Im Nebel schwimmt die Zeit. Das Klare wird trüb. Farben verschmelzen und lösen sich auf. Konturen verwischen, verschwinden und täuschen. Wohl bleiben die Gegenstände erhalten, weiß mein Verstand. Doch sehen und riechen, ja nicht einmal hören kann ich sie noch.

Die ganze äußere Welt ist verändert. In Nebel gehüllt. Ich finde mich wieder, an meinem Platz stehend. Um mich diese befremdliche Welt. Ohne Orientierung. Sie fehlt mir, die Orientierung. Ich vermisse sie. Ich vermisse ihren Halt. Auf was soll ich achten? Welche Schatten betrügen mich? Welche Klänge verführen mich? Es ist alles so fremdartig im Nebel.

Ich bin ohne Nebel aufgewachsen. Ohne Wind. Ohne Fluss. Ohne See. Ohne Meer. Bei mir gab es den Wald. Den konnte ich studieren. Aber nicht das, was ich als Bild verwende, wenn ich das beschreibe, was mir geschieht, wenn ich an dich denke im Nebel.

Du bist mein Nebel. Du bist die fehlende Welt. Du bist das Unbekannte, Mysteriöse, das, wovor ich Angst habe - manchmal, das, was mich am Handeln hindert, weil ich keine Orientierung habe. Du bist meine Welt im Nebel. Du bist mein Nebel.

Ich stehe am Ufer eines Sees. Die Sonne geht unter, das Licht nimmt ab. Gleichzeitig kommt der Nebel auf. Er kriecht auf mich zu, umschlängelt meine Beine. Er schlingt sich nach oben. Mit der nächsten Woge verschwinde ich ganz, er umhüllt mich, packt mich ein, umfasst und streichelt mich, nimmt mir den Atem, die Sicht, den Raum. Raubt mir die Welt, wie ich sie kenne. Ich verschwinde im Nebel.

Dunkelheit kenne ich. Sie ist die Einsamkeit. Darin gibt es nur mich. Der Nebel ist anders. Er bringt mich in Beziehung zur Welt. In eine fremde. In eine neblige.

Im düsteren Nebel einsam verloren, von plötzlichem Mut gepackt, schreite ich los. Mit mir als einsamer Quelle im ewigen Nichts. Ich hebe den Fuß, brineg ihn nach vorne, laufe ihm nach. Doch halt. Da ist doch wer? Ich kann dich sehen, hören, fühlen. Ich erkenne dich nicht. Wer bist du? Dort bis du, du wundersamer Engel ohne Augen. Du Decke ohne Wand. Du Wüste ohne Sand. Du Meer ohne Wellen. Du Alles mit dem vielen Nichts.

Für mich bist du unerreichbar. Undurchdringbar. Ich kann nicht fliegen, nicht schweben. Ich kann nicht schwimmen. Du bist nicht hier. Du bist nur eine Fantasie. Du bist meine Sehnsucht, mein im Nebel verborgenes Herz.

Mutig schreite ich zwei schnelle Schritte nach vorne. Doch hoppla! Etwas geschieht. Ich stolpere, ja wirklich, hinüber, eine Wurzel? Eine Hand? Zwei unsichere, hastige Schritte muss ich tun, sonst falle ich, stolpere weiter in die Nebelwelt, die unendliche, und dann stehe ich wieder.

Nichts lies mich stürzen? Nichts fing mich auf? Ich strebte, schritt und strauchelte - und stand erneut. Fest. Unbeweglich. Einige Meter weiter als bisher, doch erneut im selben feuchten Nebel, der auf mich wartet.

Was will der Nebel von mir? Was will er wirklich? Ich schreie ihn an: Was soll ich tun? Wer bin ich? Was willst du von mir? Er schluckt meine Worte und sprüht sie zurück. Ich spüre es: Er will mir etwas sagen. Mit seiner nebligen Stille. Ich soll zuhören. Ja?

Er lädt mich ein. Flüsternd. Ein Schauer läuft mir über den Rücken. Ich zittere. Mein Atem stockt. Ich kann den Nebel verstehen, mit meinen Gedanken, den Dunst schmecke, den Dies fühlen. Ich schließe die Augen und atme das Nass ein. Ich verwachse mit dem Boden, erreiche den Himmel und lasse dazwischen im Nebel mein Leben. Tief in mir, dort wo Glut und Feuer tanzen, dort tanzt der Nebel mit mir. Dort tanzt du mit mir, du Nebel, und löst dich auf, löst mich auf.

Liebe, ruft mir der Nebel zu. Liebe! Und vertraue mir! Was lerne ich mit dir, die du nicht da bist? Was lerne ich im Nebel? Du, du liebes Liebeswesen, du fehlendes Puzzleteil in einem Spiel ohne Bild. Du fehlende Geigerin in einem Orchester ohne Instrumente. Du, du meine Illusion der Unvollkommenheit, dein Glanz blendet mich und erfreut mein Herz obgleich die Sterne dunkeln.

Lasst eure Gefühle nicht missbrauchen!



Rede Alves Besenstiels (aus Franz Müllers Drahtfrühling)

MENSCHEN!
Lasst eure Gefühle nicht missbrauchen.
Es gibt keine Ehre.
Es gibt keine Schmach.
Strebt, Menschen zu werden!
Nieder den Krieg.

Wenn du glaubst, durch Hass zum Völkerfrieden zu kommen, wenn du glaubst, durch Krieg zum Frieden zu kommen, wenn du glaubst durch Unrecht zum Recht zu kommen, so glaube ich, durch dada zum Stil zu gelangen. Aber anders, als du denkst. Durch den Dadaismus gelangen wir zum Stil, weil uns dada die ganze erhabene Stillosigkeit unserer Zeit so recht „lieb“ und eindringlich zeigt. Darum fordere ich euch auf, ihr Kriegshetzer hier und dort, dass ihr Hass säet und Unrecht vorbereitet, zeigt, wie grausam der Krieg ist, zeigt, wie kleinlich euer Hass ist, zeigt, welch ein Unrecht der Krieg ist, damit wir den Krieg hassen lernen. Bevor es Völker gab, gab es Menschen. Bevor es Hass gab, gab es Liebe. Bevor es Krieg gab, gab es Frieden. Bevor es Unrecht gab, gab es nur Recht. Nur nennen wir unseren Hass jetzt Liebe: „Vaterlandsliebe“. Und unser Unrecht nennen wir: „Unser gutes Recht“. Seid nicht kleinlich, dann werden wir alle eine große Nation sein, wie wir deutschen Stämme jetzt ein großes Deutschland sind und einander lieben und vereint hast. Früher haben wir uns gegenseitig bekämpft, als wir noch nicht wussten, dass der bleiche Mond unser gemeinsamer Feind ist. Seid Menschen, dann werdet ihr Hass mit Liebe beantworten, den Hasser beschämen und den Hass durch Liebe ausrotten. Boykottiert den völkerverhetzenden Hass in den billigen Witzen der Variétékomiker und Witzblätter, in den fetten Balken der Tageszeitungen, in den Plakaten der Schande in den Schaufenstern.

Kurt Schwitters, Das literarische Werk, Band 2 Prosa 1918-1930, S. 39

Die Statuten des Menschen

Es wird verfügt, daß jetzt die Wahrheit zählt, daß jetzt das Leben zählt und daß wir alle Hand in Hand für das wahre Leben eintreten.

Es wird verfügt, daß der Mensch niemals mehr am Menschen zweifeln muss, daß der Mensch dem Menschen vertrauen kann, wie die Palme dem Wind vertraut, wie der Wind der Luft vertraut, wie die Luft dem blauen Feld des Himmels vertraut. Der Mensch kann dem Menschen vertrauen, wie ein Kind einem anderen Kind vertraut.

Es wird verfügt, daß die Menschen jetzt frei vom Joch der Lüge sind. Niemals wird es mehr vonnöten sein, sich zum Schutze in Schweigen zu hüllen oder in die Rüstung der Wörter. Der Mensch wird sich an den Tisch setzen mit reinem Blick, denn die Wahrheit wird vor dem Nachtisch serviert.

Der Wolf und das Lamm werden gemeinsam weiden, und die Nahrung beider wird nach Morgenröte schmecken.

Unwiderruflich wird die ewige Herrschaft der Gerechtigkeit und des Lichtes ausgerufen; und die Freude wird eine edle Fahne sein, für immer gehißt im Herzen des Volkes.

Es wird verfügt, daß es der tiefste Schmerz schon immer war und immer sein wird, die Liebe nicht dem geben zu können, den man liebt, und zu wissen, daß es das Wasser ist, das der Pflanze das Wunder der Blüte gibt.

Es wird erlaubt, daß das tägliche Brot den salzigen Geschmack des Schweißes in sich trägt, vor allem aber soll es, immer den warmen Geschmack der Zärtlichkeit haben.

Es wird erlassen, daß nichts mehr erzwungen noch untersagt sein wird, vor allem mit dem Rhinozeros zu spielen und am Nachmittag spazierenzugehen, mit einer riesengroßen Begonie im Knopfloch. Nur eines wird verboten bleiben: zu lieben ohne Liebe.

Der Gebrauch des Wortes Freiheit wird hiermit verboten, dieses Wort wird überdies aus allen Wörterbüchern gestrichen und aus dem trügerischen Morast der Münder. Von nun an wird Freiheit etwas Lebendiges und Durchsichtiges sein wie das Feuer, der Fluß oder der Same des Weizens, und ihre Wohnung wird immer das Herz des Menschen sein.

- Thiago de Mello

So lassen sich die Chakren öffnen

Wurzelchakra
Du musst dir Klarheit über deine Ängste verschaffen. Lass sie los. Lass sie den Bach entlangfließen.

Wasserchakra
Freude. Schuld blockiert sie. Wofür gibst du dir die Schuld? Akzeptiere die Tatsachen; dass sie passiert sind. Verzeihe dir selbst.

Feuerchakra
Dieses Chakra ist für die Willenskraft zuständig und wird durch Scham blockiert. Wofür schämst du dich? Aus welchem Grund warst du irgendwann mal in deinem Leben von dir enttäuscht? Dieses Chakra öffnet sich nicht wie ein Bach, eher wie ein rülpsender Bison.

Herzchakra
Es ist für die Liebe zuständig. Es wird durch Kummer blockiert. Liebe ist eine Form der Energie. Die Energie ist immer in deinem Herzen und wird in einer neuen Liebe wiedergeboren. Lass den Kummer von dir abfallen.

Halschakra
Es liegt in der Kehle. Es wird durch Lügen blockiert, die wir uns selbst erzählen. Du darfst nicht lügen, wenn es um deine Person geht.

Lichtchakra
Es repräsentiert die Einsicht. Es wird durch Illusion und Neid blockiert. Die größte Illusion dieser Welt ist die Illusion der Trennung. Dinge, die du für unabhängig voneinander und verschieden hälst, sind ein und das selbe.

Kronenchakra
Irdische Bindungen blockieren deine Verbindung zum Kosmos. Lerne loszulassen. Dann kannst du den Avatarzustand meistern.

Reinigung aus der Tiefe des Schuldbewusstseins

Ohne den Weg der Reinigung aus der Tiefe des Schuldbewusstseins ist keine Wahrheit für den Deutschen zu verwirklichen. (HS 140)

Das Schicksal, als Deutscher geboren zu sein, ist für uns unentrinnbar. Wir müssen es übernehmen. Es ist schrecklich, wenn es zum verborgenen Einverständnis mit den Verlogenheiten oder mit dem Bösen führt. Es kann wundersam zu eigen werden, wenn die Erfahrung der Durchhellung des Dunkeln, des Bösen, der Unwahrhaftigkeit und des Unheils zur Umkehr führt. Die Erinnerung an unseren ewigen Ursprung wird zu neuem Leben. (HS 364 f.)

Eines würde mir seit 1933 zum selbstverständlichen Grunde meines deutschen Selbstbewusstseins. Das politische Deutschland, als Kleindeutschland aufgrund der Tendenzen von 1848 durch Bismarck begründet, aus verhängnisvoller Unwahrhaftigkeit umkleidet mit dem Reichsgedanken, der aus dem Mittelalter kam, als Zweites Reich geistig so lügenhaft begründet, wie man damals Bahnhöfe in gotischen Stil baute, ist nicht Deutschland schlechthin, sondern eine, auf die Weltgeschichte gesehen, kurzfristige politische Episode. Deutschland, das ist seit 1000 Jahren etwas ganz Anderes, Gehaltvolleres. Der herrliche abendländische Reichsgedanke ging schon im 13. Jahrhundert zugrunde.

Was deutsch ist, das ist zusammengehalten nur durch die deutsche Sprache und das in ihr sich kundgebende geistige Leben, die religiöse und sittliche Wirklichkeit, die in ihr sich mitteilt. Dieses Deutsche ist ungemein vieldeutig. Das politische ist darin nur eine Dimension, und zwar eine unglückselige, von Katastrophe zu Katastrophe gehende Geschichte. Was deutsch ist, das lebt in dem großen geistigen Raum, geistig schaffend und kämpfend, braucht sich nicht deutsch zu nennen, hat keine deutschen Absichten und keinen deutschen Stolz, sondern lebt geistig von den Sachen, den Ideen, der weltweiten Kommunikation. (PuW 357)

Daher wird die Frage „Was ist deutsch?“ entschieden dadurch, ob wir durch ständige Kompromisse unseres Ethos verloren gehen oder ob wir die Umkehr finden und die Folgerungen der Umkehr ziehen. (HS 363)

Umkehr gehört zum Menschen als Menschen. Umkehr ist der Ruf der großen Philosophien und Religionen. Umkehr ist aber als Wirklichkeit stets geschichtlich, einmalig. Was die Umkehr für uns Deutsche sein, werden wir nicht geradezu bestimmen. Es ist nicht als eine rational Faßliches planmäßig zu machen. Aber wir können in den Vordergründen Alternativen zeigen, an denen wir spüren: es sind Symptome des Einen, das wir nicht begreifen. Hinter diesen Alternativen als auftretenden Meinungen verbirgt sich ein Kampf um die Wahrheit im Selbstsein der deutschen Menschen. (HS 360 f.)

Karl Jaspers, Was ist Erziehung? Eine Lesebuch, München 1977, Kapitel: Wahrheit, Freiheit und Friede, Text von S. 271

Wie würde die Welt aussehen

Wie würde die Welt aussehen, wenn plötzlich jeder in Sachen Sexualität machen würde, was er oder wie will? Was würde geschehen, wenn man alle Regeln wegließe? Ich habe absolutes Vertrauen, dass wenn Ihr eure äußeren Regeln fallen ließet, eure inneren sich als weit menschlicher, spontaner, liebevoller und freundlicher erweisen würden. Ich glaube an euch, wo ihr nicht an euch glaubt. Ihr scheint euch für eine Art eingesperrte Raubtiere zu halten, die, wenn der Käfig geöffnet würde, wenn es keine Regeln gäbe, alle möglichen schrecklichen Dinge tun würden. Es ist nicht so, meine Freunde. Ihr seid ein Teil der Schöpfung, die in sich ein Bewusstsein trägt, im Falle einer Möglichen Wahl, das für sie Zuträglichste zu tun. Wenn ihr euch jedoch auf Regeln bezieht, anstatt auf euch selbst, dann wird die Sache unklar. Bartholomä

Und wir kritisieren Russland ...

Immer wieder stolpere ich in der sogenannten "spirituellen Szene" über Aussagen, Einstellungen und Andeutungen, die das Anderssein abwerten und als krank diffamieren, es als nicht lebenswert erachten. Oft folgt dann soetwas wie "Menschlichkeit", innerhalb derer zumindest gewünscht wird, "das Anderssein würde geheilt werden". Und wenn das nicht geht, weil man ja einen "schwarzen" nicht "weiß heilen" kann, doch zumindest klar wird, dass das Weiß-sein, eben auch spirituell "höher schwingend" und darum reiner sei. Oft folgt in diesem Kontext dann noch die Wut darüber, dass böse Mächte versuchen, Deutschland aufzulösen, wobei eine Definition, was Deutschland sei (und noch schöner: deutsch sein bedeute), völlig vernachlässigt wird.

Ich wundere mich sehr über die Kreativität der Menschen, scheinbare Gründe zu finden, die die eigene Xenophobie (Angst von dem Fremden) nicht zum Kern des Problems machen. Und was Deutschland angeht: Deutschland wird sich auflösen, genauso wie alle anderen Nationalstaaten auch. Nicht morgen. Aber irgendwann. Genauso wie das Königreich Schwaben nicht mehr existiert. Nur zur Verdeutlichung: Von außen mag Spanien vielleicht spanisch und als Einheit wirken. Fragt mal, was die Basken und die Catalanen dazu sagen. Wären da alle unglücklich wenn der Staat Spanien sich auflöse? Und was verbindet nochmal einen Menschen von der Nordsee kulturgeschichtlich mit einem aus dem Voralpenland? Die Sprache? War das nicht ein Gesetz eines Staates ab sofort "Hochdeutsch" zu sprechen und die Steuern an den Gleichen zu zahlen? Das Volk wollte sich als Deutschland vereinen? Junge Junge Junge. Schon interessant, wie sich das faschistische Gedankengut auch in der "spirituellen Szene" ausbreiten kann.

Ich danke Carolin Emcke von Herzen für ihr mutiges, persönliches Buch "Wie wir begehren". Ich zitiere die Seite 111.

Obgleich die Justiz der neu gegründeten Bundesrepublik sich 1949 verpflichtet hatte, nur Gesetze aus der Zeit des Nationalsozialismus zu übernehmen, soweit sie dem neuen Grundgesetz nicht widersprachen, galt mit Hinblick auf das Sexualstrafrecht die faschistische Tradition fort, in der Homosexualität als „Unzucht“ kriminalisiert wurde. In der Verschärfung des seit 1872 bestehenden Paragraphen hatten die Nationalsozialisten 1935 bereits die „subjektiv wollüstige Absicht“ eines Mannes, der einen anderen begehrt, unter Strafe gestellt. Demnach brauchte es nicht mehr „beischlafähnlichen Handlungen“, was immer das heißen sollte, es brauchte nicht einmal mehr eine Berührung, sondern es genügte, wenn das allgemeine Schamgefühl verletzt wurde. Was das genau bedeuten sollte oder wann das Schamgefühl verletzt wurde, blieb willkürlich bestimmbar. Das Verbot der Homosexualität wurde mit biopolitische Rhetorik gerechtfertigt: Ideologische Konzepte von hygienischer und moralischer Reinheit mischten sich, die „sittliche Gesunderhaltung des Volkes“ verlangte den Schutz vor der „seuchenartigen Ausbreitung der Homosexualität.“

Diese Vorstellung der Homosexualität als „Seuche“, als „Krankheit“, die sich „epidemisch“ ausbreiten konnte, hat mich immer erstaunt. Woraus speist sich eine solche Fantasie? Wie soll die Ansteckung funktionieren? Durch Anschauen? Wer dem Anblick von Schwulen ausgesetzt wird, der wird selbst schwul? Durch Tröpfchenübertragung? Durch Sex?

Das Buch ist wunderbar. Und die Seiten 110 bis 117 bringen es sowas von auf den Punkt.

Ich schickte einer spirituell und psychologisch arbeitenden Person im Jahre 2017 den Link zur Rede von Carolin Emcke zum Erhalt des Friedenspreis. https://www.youtube.com/watch?v=CRkf6k7CYXI

Die Antwort, die ich erhielt war:

Hallo,
danke für den Link, habe stellenweise reingehört ... haarsträubend, die Dame.
Mehr sag ich dazu jetzt nicht ;-)
Liebe Grüße

Führungswechsel

Das Buch The End of Leadership von der Havard-Professorin Barbara Kellermann hat er [der Patriarch] ganz bestimmt nicht gelesen. Denn darin geht es um das Ende der hierarchischen Struktur von Führung, um die Demontage des Ideals der allmächtigen Führungskraft. In Zukunft werden laut Kellermann einander unterstützende Netzwerke im Mittelpunkt stehen. Es gibt noch einen Grund, warum der Patriarch das Buch nicht lesen wird: Eine Frau hat es geschrieben. Da fällt ihm ein Witz ein ...
Den wollten wir aber nicht hören.
Der Patriarch verschwindet mit zunehmendem Anstieg starker Frauen in seinem privaten und beruflichen Umfeld. Dienjenigen, die sich von ihm herumkommandieren lassen, werden nämlich immer weniger.

Der Übergang von der Top-Down-Industriegesellschaft zur vernetzten Wissensgesellschaft ist gleichzeitig der Übergang von der Funktion zu Persönlichkeit, also vom „Management-Direktor“ zu „Hans Meier“. Wichtiger als sein Titel ist heutzutage, wie Herr Meier so als Mensch ist.
Es menschelt also zunehmend in Unternehmen. Damit gewinnen Beziehungen an Bedeutung - jene zu sich selbst und die zu anderen. Ein klarer Trumpf für die Frauen also, immerhin ist Beziehungspflege traditionell ihre Angelegenheit. Das war schon immer ihr Ressort, nur eben im privaten Bereich, auf dem Frauenplaneten.
In Beziehung zu andern muss man gehen, und dazu muss man sich bewegen. Wenn man das tut, denkt und handelt man in Bezug zu anderen Menschen, zu seinem Umfeld, zur Umwelt. Man öffnet das eigene Blickfeld für das, was außerhalb der eigenen Person ist, und bedenkt die Auswirkungen seinen Handelns. Das ist gelebte Verantwortung. 

Was Männer jetzt tun müssen:
  • Aufwachen
  • Aufmachen
  • Bewegen
  • Reden
  • In Beziehung gehen
  • Zum Arzt gehen
  • Vater sein
  • Erwachsen werden

Was Frauen jetzt tun müssen:
  • Das Ergänzungsspiel nicht mitspielen
  • Schluss mit Unterhosen und Übervorsorge
  • Nicht mehr alles hinnehmen
  • Einfordern statt sich überfordern
  • Raus aus der Abhängigkeit
  • Nicht vom Märchenprinzen träumen
  • Nicht jammern - handeln
  • Das Kleinmädchengehabe sein lassen
  • Aus einem Pony kein Pferd machen
  • Nicht arrogant resignieren

Quelle: Daza Szekely - Das Schweigen der Männer, München 2016

Zur Vertiefung für die Spiris: 0714 Führungswechsel Teil 1 - Sabine Wolf

Die Umkehrung des Subjektiven

Können die bisherigen Ausführungen akzeptiert werden, so sind wir nun endlich frei und offen für dasjenige, was uns der ganze Charakter und die Geschichte der Sprache laut zurufen: nämlich, dass die herrschende Voraussetzungen, die Materie sei in der Entwicklungsgeschichte des Universums dem Geistigen vorausgegangen, ein historischer Trugschluss ist, und zwar leider einer mit sehr weitreichenden Konsequenzen.

Es wird uns klar, dass Subjektivität niemals, weder ontogenetisch noch phylogenetisch etwas ist, was an einem bestimmten Ort im Raum aus dem Nichts entstanden wäre, sondern eine Form von Bewusstsein darstellt, das sich aus der Peripherie in individuelle Zentrum zusammengezogen hat.

Im phylogenetischen Sinne wird uns deutlich, dass die Aufgabe des homo sapiens, als er in physischer Gestalt auf der Erde aufzutreten begann, nicht darin bestand, irgendwie aus dem Nichts heraus eine Denkfähigkeit zu entwickeln, sondern darin, die unfreie Weisheit, welche er durch seine Organisation als gegebenen Bedeutungsinhalt erlebte, in die frei Subjektivität zu verwandeln, die nur in einem aktiven Denken, einer individuellen Denkaktivität entsprechen kann.

Wie die Philosophiegeschichte das spätestes Stadium dieses äonenlangen Prozesses reflektiert, so spiegelt sich in der semantischen Geschichte der Wörter „Subjekt “und „subjektiv“ die Geschichte der Philosophie. So finden wir zum Beispiel im Oxford English Dictionary, durch Zitate illustriert, für das 17. Jahrhundert die folgende lexikalische Bedeutung dieses Wortes: dem Wesen oder der Realität eines Dingens zugehörig; real, wesentlich.

Eine weitere lexikalische Bedeutung, nun aber nur bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückreichend, ist: seine Quelle im menschlichen Bewusstsein habend. Daraus wird in der zweiten Hälfte desselben Jahrhunderts: einem individuellen Subjekt oder seinen geistigen Funktionen eigen oder zugehörig… persönlich, individuell.

Wir haben also bis jetzt mit „subjektiv“ etwas Reales verbunden, und zwar im Zusammenhang mit einer allmählich zunehmenden Betonung einer Aktivität des Individuums. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kommt es schließlich in gewisser Beziehung zu einer endgültigen Umkehrung der ursprünglichen Wortbedeutung, so dass das Adjektiv, dessen lexikalische Bedeutung ursprünglich real, wesentlich war, nun die folgende lexikalische Bedeutung erhält: nur im Bewusstsein („mind“) existent, ohne irgendetwas Reales, dass ihm entsprechen würde; illusorisch, fantastisch.

Owen Barfield - Der Sprecher und sein Wort, Dornach 1967, S.100

Kommentare aus der Angst

Zur Rede von Frau Emcke gab es einige beachtenswerte Kommentare. Sie machen die aktuelle Entscheidung, die jeder Mensch für sich treffen muss, klar ersichtlich: Denke, fühle, handle ich aus Angst - oder gehe ich ein Risiko ein und vertraue der Liebe? In diesem Sinne stehen hier auf der Bühne: Humanistischer Realismus vs. realistische Xenophobie (Xenophobie = Angst vor dem Fremden).

Kommentar von Peter Gehrkenvor:

Der Punkt ist nicht das jemand lesbisch, Schwul, Transgender und haste nich gesehen,  usw. ist, nach dem Motto "ich wollt ich wär ein Huhn", solche verstörten Abnomarlitäten sind Privatache, sondern das wir medial nirgendwo mehr hinschauen können, das die Mehrheit der normalen Bevölkerung im Westen von der Gender Mainstreaming Propaganda  belästigt wird. Das ist auch in derem Sinne abträglich. Minderheiten bzw.. deren Selbsternannten "Vetreter" haben der Mehrheit nicht deren Meinung zu diktieren. Es gibt genügend Bücher wo man Russland die Hand reicht, über den Hintegrund zu ISIS aufgeklärt wird usw.. Alleine Ulfkottes Aufdecker "Gekaufte Jorunalisten", es gäbe genug wahre Vertreter für den Friedenspreis.  Warum ein Preis über das Jammertal von Minderheiten und ihre unnatürlichen Sexualität? Hier feiert sich der Linksfaschismus nur selbst, während wir draussen echte Probleme zu bewältigen haben, z:b. den Hochverrat einer Merkel am Amtseid die unseren Staat hinrichtet! Ekelhaft was aus dieser Welt langsam wird.

Antwort von Thomas Aquinas:

Ohh! Sie sind ja ein wahrer Philosoph! So weit ich sie verstanden habe, ist es ihrer Meinung nach eine "Perversion" und "Abnormalität", wenn jemand tiefsitzende homosexuelle Neigungen hat oder starke Probleme, sich auf eine positive und wertschätzende Art und Weise mit seiner angeborenen Sexualität zu identifizieren. Sie unterstellen diesen Menschen also, dass sie diese "Abnormalitäten" und "Perversionen" aus bloßer Willkür und Spaß an der Freude "begehen"? Als würden diese Menschen nichts Besseres zu tun haben, als sich solchen großen seelischen Belastungen und sozialer Ausgrenzung auszusetzen, indem sie zu ihrer ganz persönlichen sexuellen Neigung und Identität stehen, gerade weil es Menschen wie Sie gibt, welche diese Menschen, gleich einem mittelalterlichen Inquisitionsgericht, dafür verurteilen.
Außerdem "diktieren" Menschen, welche homosexuell oder transgedender sind, niemandem etwas auf. Sie verlangen einfach nur in Ruhe und Frieden zu leben, ohne beschimpft, ausgestoßen und gedemütigt, verprügelt, verfolgt oder umgebracht zu werden. Denn die Geschichte der Menschheit besteht nun mal in der Unterdrückung und Verfolgung von Minderheiten. Dazu liefern Sie mit ihrer erbärmlichen und niederträchtigen Polemik ja gerade das beste Beispiel. Solche "Argumente" von oben herab zeigen eigentlich nur, dass ihr Denken auf Arroganz, absoluter Verständnislosigkeit für existentielle, intime menschliche Belange und Intoleranz beruht.

Und was bitte schön ist denn eine "unnatürliche Sexualität"? Definieren Sie das doch bitte mal Herr Philosoph! Aber verschonen Sie uns mit jeglichem pseudowissenschaftlichen Gefasel, dass es z.B. in der Tierwelt keine Homosexualität gebe würde.
Sie geben hier schlicht und einfach ihre ganz subjektive Meinung, ihre ganz persönliche Weltanschauung und kulturelle Prägung wieder. Nicht mehr und nicht weniger. Aber eine krude Mischung aus mittelalterlicher Sexualmoral, Nationalismus und Biologismus.

Falls Sie sich zur sogenannten "Mehrheit der normalen Bevölkerung im Westen" zählen, möchte ich, um Gottes Willen!, auf gar keinen Fall zu dieser Gruppe gehören. Denn ihre "Normalität" erscheint mir einfach nur moralisch verkommen, ungebildet und unmenschlich.

Dass ich nicht lache! Sie bewältigen also gerade die nationalen Probleme, den angeblichen "Hochverrat einer Merkel am Amtseid"! Unglaublich! Hören Sie nicht, was für ein unglaublich größenwahnsinniges Geschwätz Sie von sich geben!? Was müssen Sie denn bewältigen? "Haben Ihnen die Zuwanderer und Migranten schon ihr letztes Hemd geklaut und die letzte weiße, deutsche Frau? Jetzt auch noch den Arbeitsplatz!"
Was haben Sie denn geopfert, verloren, wo sind sie denn zu kurz gekommen? Nur ein Beispiel bitte! Ansonsten erkenne ich in ihren Behauptungen nichts weiter als reaktionäre Ressentiments und womöglich sogar einfach nur vulgären Biologismus und Rassismus.
In Wirklichkeit haben Sie doch nur Angst, auch nur einen Krümel vom großen, fetten Kuchen zu verlieren, einen Millimeter ihres Wohlstandes mit anderen teilen zu müssen und deshalb vergraben sie sich krampfhaft in diffusen Ängsten vor Zuwanderung und einer offenen, demokratischen Gesellschaft, in der Menschen unabhängig ihrer Religion und Ethnie gleichwertig behandelt werden. Daebei sind Sie gegen jeglichen gesellschaftlichen Wandel, der den Erfordnissen der Zeit nicht nur in ethischer Hinsicht mehr als entspricht. Die Idee ethnisch homogener Nationalstaaten ist eine Kopfgeburt gewesen und entspricht weder "Der Natur", noch können in der Geschichte positive Beispiele der Realisierung einer solchen Ideen erbracht werden. Die letzten Experimente dieser Art endeten mit Zehntausenden Toten und über zwei Millionen Flüchtlingen (Jugoslawienkriege).

Wahrlich, wahrlich! Meinungen und Gedanken wie die Ihren, sind der wirkliche Hochverrat an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung dieses Landes!

Kommentar von Abaris Freigeist:

DEUTSCHLAND SCHAFFT SICH AB - AUS TIEFSTER BÖSER ABSICHT

Angehöriger der Deutschen zu sein bedeutet heute, dem Hass und der Hetze derjenigen ausgeliefert zu sein, die sich in ihrem hypermoralischen Wahn anmaßen, jeden zu diskreditieren, der sich nicht dem Diktat einer humanistisch getünchten Willkommenskultur fügt oder es gar wagt, das Dogma einer undifferenzierten  Fremdenliebe zu hinterfragen.
Jeder nonkonforme und nicht einverstandene Deutsche wird ausgegrenzt und, sofern er ein öffentliches Amt bekleidet, regelrecht vernichtet.
Jeder, der sich nicht der meinungsvorgebenden linken Pöbelherrschaft anschließt, die multikultiutopistisch umnachtet ihre Identität einer nichtssagenden Weltoffenheit opfert, sondern sein Recht auf Selbstbestimmung und seine Verwurzelung
von der Familie über die Gemeinschaft gleichen Geistes bis zur Nation bewahren will, wird stigmatisiert und ausgegrenzt.
Selbige Kritik von einem Nichtdeutschen geäußert, wird höchstens mit einem Achselzucken registriert.
Wer wollte einem bei dieser Feststellung verübeln, wenn er zu dem Schluß kommt, das gesamte, so fahrlässige wie irrsinnige  Sozialexperiment einer Massenansiedlung kultur- und wildfremder Habenichtse und Nichtsnutze diene einzig dem Zweck,
die Deutschen samt ihrer Kultur in die Bedeutungslosigkeit zu versenken.

Antwort von Thomas Aquinas:

Ihre Worte mögen wohlformuliert sein aber deren Inhalt entlarvt Sie dennoch als jene Art Mensch, der mit seinem Denken und Handeln Deutschland erst recht seiner Bedeutungslosigkeit zuführen wird. Und falls Ihr "Ethos" einst das Sagen in dieser Gesellschaft haben wird, dann hätte Deutschland seine Bedeutungslosigkeit auch mehr als verdient. Denn wenn Zynismus, Kaltschnäuzigkeit, Ignoranz, Egoismus, Hass, und Selbstgerechtigkeit obsiegen, dann wäre es wohl besser, wenn dieses Land, in dem die Keime des Unglücks so prächtig gedeihen konnten, untergeht. Nach all den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, nach all den Kriegen und dem schier unendlichen Morden, dem unsagbaren Leid, kommt Ihnen nichts Besseres in den Sinn, als gegen die Versöhnung und Verständigung unter den Menschen zu predigen und so zu tun, als hätten die Menschen auf dem Weg zu Frieden und Freiheit schon alles getan, um sich jetzt in selbstgefälliger nationalistisch-rassistischer Dekadenz gütlich zu tun? Als sei die Tatsache, dass allgemeine Menschenrechte Menschen auf der Flucht vor Krieg und Terror schützen und die freien Länder dieser Erde sich darauf verständigt haben, diese Rechte in Gesetze umzusetzen, der "hypermoralische Wahn" einer "humanistisch getünchten Willkommenskultur"!? Es ist geradezu ekelhaft und entsetzlich, solche Worte lesen zu müssen! Ich selber muss gerade mit meinen Worten ringen und mein Herz bebt vor Zorn!

Ich stand in den Gaskammern im Stammlager Auschwitz I, ich habe die fußballfeldergroßen Barackenanlagen von Auschwitz-Birkenau gesehen, das Krematorium in Buchenwald, die zigtausend muslimischen Grabsteine in Srebrenica und ich kann es immer noch nicht fassen, dass all dies tatsächlich passiert ist. Aber wenn ich Worte wie die Ihren lese, dann wird mir schlagartig bewusst, dass all dies immer und immer wieder passieren kann und wird. Solange es Menschen gibt, die Hilfe in Not für lästige Almosen und "undifferenzierte Fremdenliebe" halten und nicht für eine ethische Pflicht, die eine humanistische Gesinnung für ein "Diktat" erachten und die friedliche Versöhnung unter den Menschen auf dieser Erde als "nichtssagende Weltoffenheit" verkennen- solange Menschen so denken, solange wird es Kriege geben, solange wird es  heuchlerischen Nationalstolz geben und ätzenden Rassismus, solange wird es Herren und Knechte geben, Über- und Untermenschen. Solange es Gedanken wie die Ihren gibt, die besagen, dass schutzsuchende Menschen, die alles, selbst das Leben ihrer Familien verloren haben, "kultur- und wildfremde Habenichtse und Nichtsnutze" seien, solange wird das Leben und die Existenz des Menschen tatsächlich wert- und bedeutungslos bleiben. Denn wenn es keine Liebe gibt, dann gibt es wahrhaftig nichts mehr, wofür es sich zu leben lohnt.

 Sie sagen Fremde zu den Zuwanderern. Wenn sie in Not geraten würden und es wäre niemand da, der sie kennt und den Sie kennen, keine Familie, keine Freunde und Bekannten- wäre dann nicht jeder Mensch, egal welcher Hautfarbe und welcher Herkunft, ein Fremder? Und doch auch zugleich ein Mit-Mensch, vielleicht sogar ein Freund. Denn jemand, der ihnen in der Not hilft, wünschten Sie sich nicht solch einen Menschen zum Freund? Aber ist nicht in Wirklichkeit jeder Mensch, dem wir auf der Straße begegnen fremd? Laufen wir denn als Brüder und Schwestern umher, als Freunde, erweisen einander Gastfreundschaft und Mitgefühl, helfen und ertragen einander? In Wirklichkeit sind doch auch wir Deutschen uns so entsetzlich fremd untereinander. Das zeigt doch schon diese Debatte hier auf diesem Forum. Ich mag ein Weißer und meine Familie seit Generationen in Thüringen und Sachsen ansässig sein aber "Abaris Freigeist" und seine Vorstellungen sind mir so fremd, als wohnten wir Lichtjahre voneinander entfernt.
Was lehrt uns die deutsche Geschichte? Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und noch Jahre danach, waren in Europa Millionen Menschen auf der Flucht. Sie alle waren auf der Suche nach einer neuen Heimat, nach einer neuen Identität. Eigentlich müssten wir Deutschen das nur allzu gut verstehen. Die aus dem 19. Jahrhundert stammende furchtbare Wahnidee von ethnisch homogenen Nationalstaaten hatte nicht nur im Zweiten Weltkrieg ihr infernalisches Potential offenbart, sondern auch in den Kriegen auf dem Balkan in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. In Sarajevo, dem Jerusalem des Okzidents, lebten lange Zeit Muslime, Juden und Christen Tür an Tür. Bis mit dem Aufschrei der Nationalisten nach dem Zusammenbruch von Titos Reich die Jugoslawienkriege begannen. Abermals wurden Millionen von Menschen zur Flucht gezwungen, viele von ihnen kamen nach Europa, nach Deutschland.
Sind wir denn mittlerweile so abgestumpft gegen das Leid anderer? Ist es vielleicht der Wohlstand der uns plagt, die Angst, auch nur einen Krümel zu viel vom großen Kuchen zu verlieren? Jedenfalls war Gastfreundschaft in diesem Land schon immer ein Problem und es gibt leider Menschen, die denken, dass sie diesem Land und dieser Gesellschaft einen Gefallen damit tun, wenn sie "Ausländer raus!" und "Volksverräter!" skandieren. Genauso bringen Aussagen, die von der "Gemeinschaft gleichen Geistes bis zur Nation" (@Abaris Freigeist) erzählen, dem hochgelobten Deutsch Reich recht wenig. Ja, sie leisten noch nicht mal einen Bärendienst. Denn sie sind schon im Ansatz schlicht und einfach unmenschlich und falsch.

„Der Mensch, wenn er ins Leben tritt, ist
weich und schwach, und wenn er stirbt, so ist er hart und stark. Die Pflanzen,
wenn sie ins Leben treten, sind weich und zart, und wenn sie sterben, sind sie
dünn und starr. Darum sind die Harten und Starken Gefährten des Todes, die
Weichen und Schwachen Gefährten des Lebens.
Darum:
Sind die Waffen stark, so siegen sie
nicht. Sind die Bäume stark, so werden sie gefällt. Das Starke und Große ist
unten. Das Weiche und Schwache ist oben.“ (Tao Te King, II 76)

Kommentar von Siegfried del Moral:

Da hat ja jemand meine Timeline bei Facebook vorgelesen. Diese Art der Kalendersprüche habe ich schon zuhauf gehört und kann dabei auch immer bejahend nicken. "Morgen geht die Sonne auf", ist auch so eine Weisheit. Dem kann ich nicht widersprechen.
Aber eines habe ich durch diese Rede und der PR-Kampagne für das dazugehörige Buch neu gelernt. Das was ich bisher unter "Hass" verstanden habe, ist nun neu konnotiert und bedeutet jetzt: Eine anderer Meinung zu äußern, die nicht die, der öffentlichen Meinungshoheit entspricht.

Antwort von Thomas Aquinas:

Dieser Kommentar verkennt die Realität, denn 1) ist die öffentliche Meinung Flüchtlingen und Zuwanderern gegenüber mindestens skeptisch und 2) rudern jene Politiker, welche sich anfangs für die Aufnahme von Flüchtlingen eingesetzt haben, aufgrund eben dieser öffentlichen Meinung schon wieder zurück.

Dieser Kommentar verkennt die Realität massiver Fremdenfeindlichkeit in diesem Land, verkennt die Realität von massiver politisch motivierter Gewalt in Deutschland und verkennt die schleichende aber erkennbare Verrohung der Sitten und des zwischenmenschlichen Umgangs.

Der Kommentator (@Siegfried del Moral) sollte sich nur einmal ein Bild der allgemeinen politischen Debatten auf all den gängigen deutschen  Internetforen machen und er kann nicht die Tatsache nicht abweisen, dass sich Hass und Vorurteile schon längst ihren Weg bis in die Mitte der Gesellschaft gebahnt haben.

Seine Meinung frei äußern zu dürfen, ist ein Grundrecht in diesem Land. Aber man sollte auch seine eigene Meinung hinterfragen können, inwieweit die in ihr vorkommenden Werturteile auf bloßen Gefühlen und Vorurteilen beruhen, anstelle auf einem differenzierten und sachlichen Blick. Denn eine Meinung ist eben eine Meinung, eine subjektive Überzeugung. Und als solche muss sie sich auch Kritik aussetzen lassen dürfen.

Zumindest kann dadurch verhindert werden, sich in kollektiven Schuldzuweisungen gegen "Die" Flüchtlinge oder "Die Muslime" zu ergehen. Vielmehr sollte man sich fragen, woher jene Ängste stammen, die sich dann in Vorurteilen, Schuldzuweisungen und Hass gegenüber ganzen Gruppen von Menschen äußern. Ich denken immer noch, dass Gewalt, Hass und Angst vor allem durch soziale Ungerechtigkeit entstehen und die durch diese hervorgerufenen gesellschaftlichen Probleme (mangelnde Teilhabe an gesellschaftlichen Gütern, mangelnde Bildung etc.).

Der Humanismus ist ein Realismus

Carolin Emckes Dankesrede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises 2016 - Der Text folgt dem gesprochenen Wort.

Wow. So sieht es also aus dieser Perspektive aus...

All die ersten Jahre, seit der Auszeichnung an George F. Kennan 1982, schaute ich die Verleihung des Friedenspreises von unten nach oben: Meine Eltern hatten eigenwilligerweise nur zwei Fernseh-Sessel, Kinder mussten sich unterhalb arrangieren und so lag ich auf dem Teppich und hörte gebannt die Reden der Preisträger. Ich sage »Preisträger«, denn die ersten dreizehn Jahre, die ich von unten nach oben blickte, waren es ausschließlich Männer. Auch als ich längst eine eigene Wohnung hatte, behielt ich dieses Ritual bei: Ich betrachtete den Friedenspreis vom Fußboden aus. Irgendwie schien das auch angemessen zu sein. Seit der Preisverleihung an David Grossman saß ich dort, wo Sie jetzt sitzen. Letztes Jahr noch bin ich mit einem Freund am Vorabend der Verleihung nachts in den Festsaal im Frankfurter Hof geschlichen, um die Tischordnung für das Festessen zu manipulieren... (wobei wir peinlicherweise erwischt wurden) und jetzt das hier...

Meine Damen und Herren, ich bedanke mich beim Stiftungsrat des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels für diese Auszeichnung. Sie erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit und einem glücklichen Staunen.

Niemand wächst allein. Einige, die vor mir hier an dieser Stelle standen, waren für mein Denken existentiell. Die Werke vieler Friedenspreisträger*innen, aber auch die Begegnung mit manchen haben mich zu der gemacht, als die ich heute vor Ihnen stehe: Martin Buber und Nelly Sachs, David Grossman und Jorge Semprún, und in besonderer Weise Jürgen Habermas und Susan Sontag. Nach ihnen in einer Reihe zu stehen, lässt mich diesen Preis weniger als Auszeichnung denn als Aufgabe begreifen.

Niemand schreibt allein. Zwei Menschen waren für mein Schreiben unverzichtbar und ihnen möchte ich ausdrücklich danken: der Photograph und Freund Sebastian Bolesch, der mich über 14 Jahre auf allen Reisen ins Ausland begleitet hat und ohne den kein Text so entstanden wäre. Und mein Verleger und Lektor Peter Sillem vom S. Fischer Verlag, der mich seit dem ersten Manuskript über alle Zweifel hinwegträgt und ohne den kein Buch so erschienen wäre. Vielen Dank.

II.

Nicht alle, aber viele, die vor mir hier standen, haben nicht allein als Individuen, sondern sie haben auch als Angehörige gesprochen. Sie haben sich selbst verortet in einem Glauben oder einer Erfahrung, in der Geschichte eines Landes oder einer Lebensform – und darauf reflektiert, was das heißt, als chinesischer Dissident, als nigerianischer Autor, als Muslim, als Jüdin hier in der Paulskirche zu sprechen, in diesem Land, mit dieser Geschichte.

Die zwölf Regeln der inneren Göttin

  1. Sei du selbst! Werde, der du bist! Tief in deiner Seele gibt es ein Bild, das darauf wartet, gelebt zu werden. Verleugne es nicht, befreie es. 
  2. Lerne loszulassen. -- Nicht nur Materielles, sondern auch Verstandenes und Gelerntes, Verhaltensmuster und Denkmodelle. 
  3. Lebe im Hier und Jetzt. Weder das Gestern noch das Morgen gehört dir, nur dieser Augenblick. 
  4. Übernimm Verantwortung. -- Verantwortung für dich selbst. Nicht nur für das, was du tust, sondern auch für das, was du bist. 
  5. Nimm Herausforderungen an. Verantwortlich sein heißt dem Leben zu antworten. 
  6. Vertraue. Mach dir nicht so viele Sorgen. Das Leben trägt dich. 
  7. Liebe, achte und pflege dich. -- Deinen Körper, deine Seele und deinen Geist. 
  8. Handle makellos. Unser Handeln ist fast immer ein Mittel zum Zweck. 
  9. Überwinde deine Ängste. Neunundneunzig Prozent aller Ängste sind dumme Ängste. 
  10. Finde das rechte Maß. Du bist nur im Gleichgewicht, wenn du in der Mitte bleibst. 
  11. Geh einen Weg mit Herz. „Wege mit Herz sind gute Wege, alle anderen sind sinnlos" (Carlos Castaneda). 
  12. Feiere das Leben! Feiern ist ein Danksagen für alles, was dir das Leben gibt. 
Kürzere Videos:

TV-Seminar "Männer, Frauen und Partnerschaften": Einführung und Meditation

TV-Seminar "Männer, Frauen und Partnerschaften": Feminine Macht

Längere Videos:

0712 Parabel der Zwillingsseele - Teil 1

0714 Führungswechsel Teil 1

Wir merken es alle: So kann es nicht weitergehen!

von Heini Staudinger, GEA Geschäftsführer:

Liebe Freundinnen, liebe Freunde!

Mein Freund Markus Distelberger sagt, die Sowjetunion sei nicht zugrunde gegangen, weil der Westen so stark geworden sei, sondern weil nicht mehr genug Sowjetbürger an dieses System glaubten. Nun. Du ahnst schon, warum mir das jetzt einfällt. Unser kapitalistisches System ist am Ende. Wir spüren es alle. Da ist was faul.

Stichwort: Klimawandel – und wir tun weiter so, als wäre eh nix. Stichwort – soziale Spannungen: die Schere zwischen Arm und Reich geht auf, aber wir machen genauso weiter. Am unteren Ende unserer Gesellschaft, bei den sozial Schwachen, da wird gespart. Am oberen jedoch ganz und gar nicht – Banken werden gerettet und die reichsten Konzerne der Welt wie Apple, Ikea, Amazon, Google und Co zahlen für ihre Milliardengewinne längst keine Steuern mehr, während die Kleinen vom Staat geschröpft werden. Genug der Aufzählungen. Wir wissen es längst. Es ist Zeit, etwas zu tun. Die da oben tun das NOTwendige nicht. Nun liegt es an uns.

Barbara Rauchwarter, evangelische Theologin und eine liebe Freundin, hat mir zum Geburtstag eine schöne hebräische Kalligrafie geschenkt. Drauf steht: »Lech lacha!« »Geh, brich auf.« »Geh in das Land, das ich dir zeigen werde«, so sprach Gott zu Abraham. So machte er ihm klar, dass er im Gewohnten nicht bleiben könne. Er müsse aufbrechen – heraus aus der Gefangenschaft der Gewohnheiten, hinein in die Ungewissheit des Lebens. Also los. Brich auf!

Es muss erlaubt sein, dass man beim Aufbrechen noch nicht (genau) weiß, wohin die Reise gehen soll. Ja. Dieses Nicht-Wissen muss man sich zuerst selber erlauben. »Lech lacha« meint, Gott weiß wohin. Und im Vertrauen, dass ER es weiß, mache ich mich auf den Weg.

Gott weiß es und ER ist IN dir. Nun … wenn du mit dem Wort »Gott« wenig anfangen kannst, macht nix. Du musst nur eines wissen: DU selber weißt es! Denn in der Tiefe deines Herzens ist die Sehnsucht nach dem richtigen Leben, nach dem Fluss der Lebendigkeit. Diese Sehnsucht verbindet uns alle. Dort sind wir alle Geschwister.

Ohne Zweifel müssen wir uns als Gesellschaft auf den Weg machen. Weg von diesem zerstörerischen System, hin zu einer lebensbejahenden Wirtschaft. Und wie soll das gehen? Wie schon gesagt, man muss nicht schon alles beim Losgehen wissen. Die, deren Sehnsucht klarer ist und deren Wille stärker ist, die müssen vorangehen. Und du? Sag nicht, du bist zu schwach. Denn da gibt’s noch was Starkes – wir können miteinander füreinander RÜCKENWIND sein. Denn RÜCKENWIND erleichtert das Gehen (auch das Radfahren) und ermutigt zum richtigen Leben.

Das meint im Ernst
Euer Heini Staudinger
GEA Geschäftsführer

http://w4tler.at/

Es interessiert mich nicht

Es interessiert mich nicht, womit du deinen Lebensunterhalt verdienst.
Ich möchte wissen, wonach du innerlich schreist und ob du zu träumen wagst, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich möchte wissen, ob du es riskierst, wie ein Narr auszusehen, um deiner Liebe willen, um deiner Träume willen und für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.
Ich möchte wissen, ob du den tiefsten Punkt deines Lebens berührt hast, ob du geöffnet worden bist von all dem Verrat, oder ob du zusammengezogen und verschlossen bist aus Angst vor weiterer Qual.
Ich möchte wissen, ob du mit dem Schmerz – meinem oder deinem – da sitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.
Ich möchte wissen, ob du mit der Freude – meiner oder deiner – da sein kannst, ob du mit Wildheit tanzen kannst, von den Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen erfüllt mit Begeisterung, ohne uns zur Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft, oder die Grenzen des Menschseins zu bedenken.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du erzählst, wahr ist.
Ich möchte wissen, ob du jemanden enttäuschen kannst, um dir selber treu zu sein. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.
Ich möchte wissen, ob du vertrauensvoll sein kannst und von daher vertrauenswürdig.
Ich möchte wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du Dein Leben aus der Kraft des Universums speisen kannst.
Ich möchte wissen, ob du mit dem Scheitern – meinem und deinem – leben kannst und trotzdem am Rande des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des Vollmonds rufst: „Ja!“

Es interessiert mich nicht, wo du lebst und wie viel Geld du hast.
Ich möchte wissen, ob du aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und der Verzweiflung, erschöpft, und bis auf die Knochen zerschlagen, und tust, was für die Kinder getan werden muss.

Es interessiert mich nicht, wer du bist und wie du hergekommen bist.
Ich möchte wissen, ob du mit mir in der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht zurückschreckst.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du gelernt hast.
Ich möchte wissen, ob du allein sein kannst und in den leeren Momenten wirklich gern mit dir zusammen bist.
Ich möchte wissen, was dich von innen hält, wenn sonst alles wegfällt.

Oriah Mountain Dreamer

Nudge - Muss uns jemand ins Glück schubsen?


Die Amazon Beschreibung

Nudge – so heißt die Formel, mit der man andere dazu bewegt, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Denn Menschen verhalten sich von Natur aus nicht rational. Nur mit einer Portion List können sie dazu gebracht werden, vernünftig zu handeln. Aber wie schafft man das, ohne sie zu bevormunden? Wie erreicht man zum Beispiel, dass sie sich um ihre Altervorsorge kümmern, umweltbewusst leben oder sich gesund ernähren? Darauf gibt Nudge die Antwort.

Das Konzept hat bereits viele Entscheidungsträger überzeugt, darunter den neuen US-Präsidenten Barack Obama. Anschaulich und unterhaltsam präsentieren Richard Thaler und Cass Sunstein einen neuen Ansatz der Verhaltensökonomie, der schon heute das Denken und Handeln in Politik und Wirtschaft prägt

Zwei Amazon Kritiken:

0 von 5 Sternen
Nudge: Wie man Menschen beeinflusst, für klug gehaltene Entscheidungen ungesehen zu übernehmen
Von Teaser 
18. Oktober 2015 

Nudge: "Wie man Menschen beeinflusst, für klug gehaltene Entscheidungen ungesehen zu übernehmen" So oder so ähnlich könnte der Titel besser lauten. Interessante Diskussion. Der Aufstieg Sunsteins zeigt die Bedeutung dieser Überlegungen für unsere Zeit.

ABER ACHTUNG: Vor noch nicht all zu langer Zeit waren unsere Vorfahren bereit, ihr Leben für die Freiheit hin zu geben, für die Freiheit schlicht zu sterben. In einer Gesellschaft, der es an praktisch nichts mehr mangelt, entsteht durch den Aufstieg dieses im Grund paternalistischen Ansatzes von Thaler und Sunstein der Eindruck, es bedürfte wieder der (versteckten) "Führung" von Menschen.

Die Grundidee von Freiheit im politischen System ist:
  1. Sie ist die Basis für Bildung, Gerechtigkeit und Entwicklung, vor allem auch der kulturellen.
  2. Sie ist die einzige bisher nachgewiesene Möglichkeit, im - durch ein ebenso freiheitliches Rechtssystem gefilterten - Spiel der Kräfte, maximales Glück, Sicherheit und Wohlstand zu erreichen (richtig angewandt auch global).
  3. Ihr gebührt als Modell für gesellschaftliches Zusammenleben schlicht deswegen der Vorzug, weil kein anderes Modell in Bezug auf diese Anforderungen nur ansatzweise ähnlich erfolgreich wäre, bei allen denkbaren Nachteilen.
Gemessen daran birgt der wissenschaftlich abgeleitete (das sind gerne die gefährlichsten Botschaften!) Ansatz des Nudgings eine ganze Menge Mittelalter in seinen Genen. - Be carefull! Ob man sich "gut" oder "schlecht" ernährt, muss man schon selbst entscheiden, zumal für Krankheiten immer der ganze Lebenswandel entscheidend ist (Sport, Elternhaus, Freizeit, Gene etc.).

Vorsicht vor dem stillschweigenden Versprechen, durch Nudging zu einer "besseren" Welt zu gelangen. Fragen wir mal die, die hiermit bevormundet werden sollen!

0 von 5 Sternen
Nudge: Eine intelligente Umgebungsgestaltung ist wirksamer als aufwändige pädagogische Bemühungen!
Von Prof Dr Olaf-Axel Burow 
11. April 2010

Sunstein und Thaler geben überzeugende Beispiele dafür, wie eine intelligente Umgebungsgestaltung Menschen zu vernünftigen Entscheidungen bringen kann - und dies unter Verzicht auf komplizierte Anleitungen oder pädagogische Bemühungen. Wirksamer als eine Fortbildung zur gesunden Ernährung ist demnach die simple Umorganisation der Essenstheke: Werden gesunde Produkte in den Vordergrund gerückt, nimmt die Zahl der Schüler/innen, die sie auswählen, um bis zu 25% zu.

Ob es sich um die Auswahl von Finanzprodukten, die Förderung von Umweltverhalten oder die Bereitschaft zur Organspende handelt: Stets sorgt eine durchdachte "Entscheidungsarchitektur" für den nötigen "nudge", d.h. den Anstoß oder Schubser, dafür, dass die Personen - auch ohne differenzierte Information - zu vernünftigen Entscheidungen finden. "Libertären Paternalismus" nennen die Autoren ihr Konzept, das sie auch als Instrument einer "good governance" der Politik empfehlen.

Mit der Kreation des Begriffs "Nudge" fokussieren Thaler und Sunstein auf die zentrale Bedeutung von intelligent gestalteten Umgebungen bzw. "Kreativen Feldern" für die Förderung von klugen Entscheidungen. Diese Idee ist für Pädagogen von besonderem Interesse, spricht man doch hier seit langem vom "Raum, als drittem Pädagogen".

Sie bestätigen damit eine in der Pädagogik bislang unterschätzte Perspektive: Anstelle aufwändiger und wenig effektiver pädagogischer Bemühungen ließen sich viele Erziehungs- und Bildungsziele leichter und effektiver erreichen, würde man die Gestaltung der Lehr-/Lernumgebungen und der sich daraus ableitenden Entscheidungsarchitekturen gezielter berücksichtigen. Diesen Gedanken herausgearbeitet und begründet zu haben, ist die besondere Leistung der Autoren, die allerdings durch langatmige Ausführungen zu Detailproblemen beeinträchtigt wird.

Interessanter wäre es gewesen, den Kerngedanken, den man in einem Satz zusammenfassen kann, ("Eine intelligente Umgebungsgestaltung ist wirksamer als aufwändige pädagogische Bemühungen!") auf unterschiedlichste Gebiete anzuwenden und hierfür den Großteil des Textes zu verwenden. Wenn die Leser/innen tatsächlich dazu angeregt werden, solche "nudges" in ihren Arbeitsfeldern zu entwickeln und die Idee des Ansatzes zu verbreiten, dann ist es ein anregendes Buch. Immerhin bietet die Autoren hierzu ein Onlineforum an.

Prof.Dr. Olaf-Axel Burow Universität Kassel