Warum Bücher beißen müssen

"Es tut gut, wenn das Gewissen breite Wunden bekommt, denn dadurch wird es empfindlicher für jeden Biß. Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, wozu lesen wir dann das Buch? Damit es uns glücklich macht, wie Du schreibst? Mein Gott, glücklich wären wir eben auch, wenn wir keine Bücher hätten, und solche Bücher, die uns glücklich machen, könnten wir zur Not selber schreiben. Wir brauchen aber die Bücher, die auf uns wirken wie ein Unglück, das uns sehr schmerzt, wie der Tod eines, den wir lieber hatten als uns, wie wenn wir in Wälder verstoßen würden, von allen Menschen weg, wie ein Selbstmord, ein Buch muß die Axt sein für das gefrorene Meer in uns."

Franz Kafka, Briefe, 1902 - 1925

Gefunden in
Friedrich Schorlemmer - Eisige Zeiten. Ein Pamphlet, München 1998

Die Grundlagen unserer Gefühle

Es ist unser eigenes Gefühl des Interesses oder der Gleichgültigkeit, das zum bestimmenden Faktor für das Schicksal des Gegenstandes oder der Idee wird. Es ist nicht wichtig, ob Gegenstände und Ideen an und für sich gut sind. Von den Gefühlen, die wir erzeugen, hängt ihre Lebendigkeit für uns und ihre Wirksamkeit auf uns ab.

Wenn das Gefühl, mit dem wir einem auf uns gemachten Eindruck eines Gegenstandes oder einer Idee begegnen, Interesse ist, so hat es die gleiche Wirkung auf diese, wie das Sonnenlicht und die Luft auf die Pflanzen. Eine solche Idee wächst und gedeiht in unserem Leben.

Begegnen wir hingegen dem Eindruck eines Gegenstandes oder einer Idee mit Gleichgültigkeit, so welken sie dahin wie die Pflanzen in einem dunklen Keller.

Aus Interesse oder Gleichgültigkeit erleben wir den Impuls zu Handlungen oder die Entscheidung, sich ihrer zu enthalten (letzteres ist in gewissem Sinne gleichwohl auch Handlung). Es sind also die „Zwillingsgefühle“ Interesse und Gleichgültigkeit der Antrieb zu den Handlungen und die Triebfedern, welche die Welt bewegen.

Das Interesse setzt die Kräfte der Anziehung und Abstoßung in Bewegung. Die Gleichgültigkeit aber verursacht das Hinwelken des Gegenstandes oder der Idee, auf die sie gerichtet ist, soweit es unsere Beziehung zu ihr betrifft.

Wenn unser Interesse an einem Gegenstand oder einer Idee die Kraft der Abstoßung hervorruft, so sind wir natürlich bestrebt, aus unserem Leben alles zu entfernen, was mit dem betreffenden Gegenstand oder der Idee zusammenhängt.

Zwischen der Tätigkeit der Abstoßung und dem bloßen Gefühl der Gleichgültigkeit besteht jedoch ein großer Unterschied. Vielleicht erklärt ein Beispiel die Tätigkeit der Zwillingsgefühle deutlicher.

Drei Männer gehen eine Straße entlang. Sie sehen einen kranken Hund. Er ist mit Geschwüren bedeckt und leidet sichtbar unter Qualen und Durst. Dies nehmen alle drei Männer durch ihre Sinne wahr. Nun kommt das Gefühl dazu. Zwei „interessieren“ sich für das Tier, den dritten lässt es „gleichgültig“. Er geht vorüber und überlässt den Hund seinem Schicksal. Die beiden anderen bleiben zurück. Sie interessieren sich beide, aber ihr Interesse äußert sich auf verschiedene Weise. Das Interesse des einen ist voller Anteilnahme und Hilfsbereitschaft, das ihn veranlasst, sich um das arme Tier zu kümmern, seine Schmerzen zu stillen und es gesund zu pflegen. In ihm hat das Gefühl des Interesses die Kraft der Anziehung wachgerufen. Das Interesse des anderen Mannes ist von anderer Art. Er sieht nur ein Bild, das ihm widerwärtig ist und wünscht, sich und die Welt so schnell wie möglich davon zu befreien. Er rät, das Tier sofort zu töten und zu begraben. In ihm hat das Gefühl des Interesses die zerstörende Kraft der Abstoßung wachgerufen.

Wenn das Gefühl des Interesses die Anziehungskraft wachruft und auf niedere Gegenstände und Begierden gerichtet ist, so wirken sich diese auf niedere Empfindungen aus, in denen - wie früher beschrieben wurde - die entgegenwirkende Kraft der Abstoßung tätig ist.

Aus dem Kampf der Zwillingskräfte - Anziehung und Abstoßung - entstehen all die Schmerzen und Leiden, die an unrechte oder fehlgeleitete Bemühungen geknüpft sind, mögen sie beabsichtigt sein oder nicht.

Daraus ersehen wir, wie äußerst wichtig das Gefühl ist, das wir in Bezug auf irgend etwas haben. Denn es erzeugt die Natur der Atmosphäre, die wir uns selbst schaffen.

Lieben wir das Gute, so erhalten und ernähren wir als „Schutzengel“ alles, was gut um uns ist. Im anderen Fall bevölkern wir unseren Weg mit „Dämonen“ unserer eigenen Schöpfung.

Spirituelles Europa


Verlagstext: Auf der Suche nach den spirituellen Traditionen Europas
»Wenn es uns in den kommenden zehn Jahren nicht gelingt, Europa eine Seele zu geben, es mit einer Spiritualität und einer tieferen Bedeutung zu versehen, dann wird das Spiel zu Ende sein«, warnte Jacques Delors, ehemaliger Präsident der EU-Kommission. Der Filmemacher Rüdiger Sünner ist seit drei Jahrzehnten auf der Suche nach spirituellen Traditionen Europas. In seinem Buch schildert er Begegnungen mit wichtigen Vorbildern und Inspiratoren.

Dabei beschäftigt er sich mit den spirituellen Visionen der Romantik, dem Mythenmissbrauch der Nazis, den Friedensmissionen des Schweden Dag Hammarskjöld, der Tiefenpsychologie des Schweizers C. G. Jung, der Anthroposophie des Österreichers Rudolf Steiner, der »Mystikerin« Dorothee Sölle, dem »Schamanen« Joseph Beuys und dem aus Rumänien stammenden Dichter Paul Celan. Mystik und Mythologie, die Traditionen der Gnosis, Kabbala, Alchemie, die Welt der Kelten, Germanen und die Sagen rund um den Heiligen Gral: Sein Buch umkreist ein »Geheimes Europa«, dessen Themen abseits des kulturellen und religiösen Mainstreams liegen.

Die sich daraus ergebenden Impulse könnten auch Bausteine für ein künftiges Europa sein, das mehr ist als nur ein Wirtschaftsverbund, sondern eine besondere Seelenlandschaft. Bedeutsam für Rüdiger Sünner ist dabei immer auch die Fragestellung, was die spirituellen Impulse dieses »Geheimen Europa« für die Bewältigung unserer gegenwärtigen Probleme leisten können.

Eindrucksvolle Begegnungen mit großen Dichtern und Denkern
Der besondere Zauber der Seelenlandschaft Europas

»Europa ist eine Seelenlandschaft, wo es ein eigenes Wetter gibt, wo es ein eigenes Licht gibt, wo eigene Lieder gesungen werden, wo eigene Geschichten erzählt werden.« Wim Wenders

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Die Ziele allen Wissens

Ich glaube einen Grundzug unseres Zeitalters richtig zu treffen, wenn ich sage: der Kultus des menschlichen Individuums strebt gegenwärtig dahin, Mittelpunkt aller Lebensinteressen zu werden. Mit Energie wird die Überwindung jeder wie immer gearteten Autorität erstrebt. Was gelten soll, muss seinen Ursprung in den Wurzeln der Individualität haben.

Abgewiesen wird alles, was die volle Entfaltung der Kräfte des Einzelnen hemmt. „Ein jeglicher muss seinen Helden wählen, dem er die Wege zum Olymp hinauf sich nacharbeitet,“ gilt nicht mehr für uns. Wir lassen uns keine Ideale aufdrängen; wie sind überzeugt, dass in jedem von uns etwas lebt, das edel ist und wert, zur Entwicklung zu kommen, wenn wir nur tief genug, bis in den Grund unseres Wesens, hinabzusteigen vermögen.

Wir glauben nicht mehr daran, dass es einen Normalmenschen gibt, zu dem alle hinstreben sollen. Unsere Anschauung von der Vollkommenheit des Ganzen ist die, dass es auf der besonderen Vollkommenheit jedes einzelnen Individuums beruht. Nicht das, was jeder andere auch kann, wollen wir hervorbringen, sondern, was nach der Eigentümlichkeit unseres Wesens nur uns möglich ist, soll als unser Scherflein der Weltentwicklung einverleibt werden.

Niemals wollten die Künstler weniger wissen von Normen und Regeln der Kunst als heute. Jeder behauptet ein Recht zu haben, das künstlerisch zu gestalten, was ihm eigen ist. Es gibt Dramatiker, die lieber im Dialekt schreiben, als in einer von der Grammatik geforderten Normalsprache.

Keinen besseren Ausdruck kann ich finden für diese Erscheinungen als den: sie gehen hervor aus dem bis aufs Höchste gesteigerten Freiheitsdrang des Individuums. Wir wollen nach keiner Richtung abhängig sein; und wo Abhängigkeit sein muss, da ertragen wir sie nur, wenn sie mit einem Lebensinteresse unseres Individuums zusammenfällt.

Ein solches Zeitalter kann die Wahrheit nur aus der Tiefe des menschlichen Wesen schöpfen wollen. Von Schillers bekannten zwei Wegen:
„Wahrheit suchen wir beide, du außen im Leben, ich innen
In dem Herzen, und so findet sie jeder gewiss.
Ist das Auge gesund, so begegnet es außen dem Schöpfer,
Ist es das Herz, dann gewiss spiegelt es innen die Welt.“
wird der Gegenwart vorzüglich der zweite frommen. Eine Wahrheit, die von außen kommt, trägt immer der Stempel der Unsicherheit an sich. Nur was einem jeden von uns in seinem eigenen Innern als Wahrheit erscheint, daran mögen wir glauben.

Weise Sprüche des Zauberers Dumbledore

„Es ist der Wert der Überzeugung, der den Erfolg ausmacht. Nicht die Anzahl der Anhänger.“

„Viel mehr, als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.“

„Die Stimme eines Kindes, egal wie ehrlich und aufrichtig, ist bedeutungslos für jene, die verlernt haben zuzuhören.“

„Harry, dass du so leidest beweist, dass du noch immer ein Mensch bist! Dieser Schmerz gehört zum Menschsein.

„Die Wahrheit ist etwas Schreckliches und Schönes zugleich und sollte daher mit großer Umsicht behandelt werden.“

„Aber glaubt mir, dass man Glück und Zuversicht selbst in Zeiten der Dunkelheit zu finden vermag. Man darf nur nicht vergessen ein Licht leuchten zu lassen.“

„Es verlangt einiges an Mut, sich seinen Feinden entgegenzustellen, doch genauso viel, den eigenen Freunden in den Weg zu treten.“

„Es ist nicht gut wenn wir unseren Träumen nachhängen und vergessen zu leben.“

„Harry, bedaure nicht die Toten. Bedaure die Lebenden, und besonders all diejenigen, die ohne Liebe leben.“

„Das ist das Problem: Die Menschen haben den Hang, genau das zu wählen, was am schlechtesten für sie ist.“

Auch Muslime sind Humanisten

Reformmuslime aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben am 16.09.2016 "Freiburger Deklaration" unterzeichnet. Sie werben für eine tiefgreifende Reform im Islam, für einen menschenrechtlich orientierten humanistischen Islam. Die Reformmuslime möchten "Menschen erreichen, die einen zeitgemäßen am Humanismus orientierten Glauben leben möchten." 
 
Gemeinsame Erklärung säkularer Muslime in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Freiburger Deklaration).
"Unwissenheit führt zu Angst, Angst führt zu Hass und Hass führt zu Gewalt.
Das ist eine einfache Gleichung."
Ibn Ruschd, 1126 – 1198, muslimischer Philosoph und Arzt.

Manifest für Spiritualität, Humanismus und Ökologie

MANIFESTO

Appellatio
Fraternitatis Rosae Crucis
1614 - 2014

Salutem Punctis Trianguli !

Im Jahre 1614 traten die Rosenkreuzer aus der Anonymität heraus und veröffentlichten die „Fama Fraternitatis“. Vierhundert Jahre später rufen wir, die Vertreter der Obersten Großloge des Alten und Mystischen Ordens vom Rosenkreuz, alle Männer und Frauen guten Willens auf, sich uns anzuschließen und sich für die Versöhnung der Menschheit mit sich selbst, der Natur und dem Göttlichen einzusetzen. Aus diesem Grund stellen wir diese „Appellatio“ unter die Leitlinien der Spiritualität, des Humanismus und der Ökologie…

[...]

Abschließend, und im Lichte der vorangegangenen Überlegungen, wünschen wir uns mehr denn jemals zuvor, dass die Menschheit eine spirituelle, humanistische und ökologische Orientierung annimmt, um in sich selbst wiedergeboren zu werden und sich auf den Weg zu einer „neuen Menschheit“ zu begeben, die auf allen Ebenen erneuert ist. Die Rosenkreuzer des 17. Jahrhunderts riefen bereits in der „Fama Fraternitatis“ zu dieser Erneuerung auf. Sie wurden von der starren, konservativen Haltung der Religion, der Politik und der Wirtschaft jener Epoche zurückgewiesen, und dieser bahnbrechende Appell wurde nur von den Freidenkern gehört. In Anbetracht der aktuellen Weltlage scheint es uns sinnvoll und notwendig, diesen Aufruf öffentlich zu erneuern, in der Hoffnung, dass er dieses Mal eine positive Reaktion bei vielen Menschen hervorruft...

So möge es sein!

http://www.rosenkreuzer.de/fileadmin/amorc/PDFs/Appellatio_Fraternitatis_Rosae_Crucis.pdf 


Zur Krise der Männlichkeit

"Diese Utopie von Rosa Mayreder hat in den heutigen Debatten über die postmoderne Lebensform eine erstaunliche Aktualität wiedergewonnen. Sie verdankt ihre Kohärenz und Überzeugungskraft dem großem Scharfblick, mit dem Rosa Mayreder einerseits die unerhört akute Identitätskrise der Männer in der Moderne diagnostizierte und andererseits bestimmte Schwächen im theoretischen Diskurs der Frauenbewegung ihrer Zeit aufdeckte."

Wer war Rosa Mayreder?

Aus Rudolf Steiner - Mein Lebensgang - Kapitel 9 - Reisen nach Weimar, Berlin und München

Durch Marie Lang wurde ich bekannt mit Frau Rosa Mayreder, die mit ihr befreundet war. Rosa Mayreder gehört zu denjenigen Persönlichkeiten, zu denen ich in meinem Leben die größte Verehrung gefasst und an deren Entwicklungsgang ich den größten Anteil genommen habe. Ich kann mir ganz gut denken, dass, was ich hier zu sagen habe, sie selbst wenig befriedigen werde; allein ich empfinde, was durch sie in mein Leben getreten ist, in solcher Art.

Von den Schriften Rosa Mayreders, die nachher auf viele Menschen einen so berechtigt großen Eindruck gemacht haben, und die sie ganz zweifellos an einen ganz hervorragenden Platz in der Literatur stellen, war damals noch nichts erschienen. Aber, was sich in diesen Schriften offenbart, lebte in Rosa Mayreder in einer geistigen Ausdrucksform, zu der ich mich mit der allerstärksten inneren Sympathie wenden musste.

Diese Frau machte auf mich den Eindruck, als habe sie jede der einzelnen menschlichen Seelengaben in einem solchen Maße, dass diese in ihrem harmonischen Zusammenwirken den rechten Ausdruck des Menschlichen formten. Sie vereinigt verschiedene Künstlergaben mit einem freien, eindringlichen Beobachtungssinn. Ihre Malerei ist ebenso getragen von individueller Lebensentfaltung wie von hingebender Vertiefung in die objektive Welt.

Die Erzählungen, mit denen sie ihre schriftstellerische Laufbahn begann, sind vollendete Harmonien, die aus persönlichem Ringen und ganz objektiv Betrachtetem zusammenklingen. Ihre folgenden Werke tragen immer mehr diesen Charakter. Am deutlichsten tritt das in ihrem später erschienenen zweibändigen Werke «Kritik der Weiblichkeit» zu Tage. Ich betrachte es als einen schönen Gewinn meines Lebens, manche Stunde in der Zeit, die ich hier schildere, mit Rosa Mayreder in den Jahren ihres Suchens und seelischen Ringens verbracht zu haben.

Ich muss auch da wieder auf eines meiner Verhältnisse zu Menschen blicken, die über die Gedanken-Inhalte hinüber und in einem gewissen Sinne ganz unabhängig von diesen entstanden sind und intensives Leben gewannen. Denn meine Weltanschauung und noch mehr meine Empfindungsdichtung waren nicht diejenigen Rosa Mayreders. Die Art, wie ich aus der gegenwärtig anerkannten Wissenschaftlichkeit zum Erleben des Geistigen aufsteige, kann ihr unmöglich sympathisch sein.

Sie sucht diese Wissenschaftlichkeit zur Begründung von Ideen zu verwenden, die auf die volle Ausgestaltung der menschlichen Persönlichkeit zielen, ohne dass sie in diese Persönlichkeit die Erkenntnis einer rein geistigen Welt hereinspielen lässt. Was mir nach dieser Richtung eine Notwendigkeit ist, kann ihr kaum etwas sagen. Sie ist ganz hingegeben an die Forderungen der unmittelbaren menschlichen Individualität und wendet den in dieser Individualität wirkenden geistigen Kräften nicht ihre Aufmerksamkeit zu. Sie hat es durch diese ihre Art zu der bisher bedeutsamsten Darstellung des Wesens der Weiblichkeit und deren Lebensforderungen gebracht.

Ich konnte Rosa Mayreder auch nie befriedigen durch die Anschauung, die sie sich von meinem Verhältnis zur Kunst bildete. Sie meinte: ich verkenne das eigentlich Künstlerische, während ich doch gerade danach rang, dieses spezifisch Künstlerische mit der Anschauung zu erfassen, die sich mir durch das Erleben des Geistigen in der Seele ergab. Sie hielt dafür, dass ich in die Offenbarungen der Sinneswelt nicht genug eindringen und dadurch an das wirklich Künstlerische nicht herankommen könne, während ich darnach suchte, gerade in die volle Wahrheit der sinnengemäßen Formen einzudringen. -

Das alles hat nichts weggenommen von dem innigen freundschaftlichen Anteil, den ich an dieser Persönlichkeit in mir entwickelte in der Zeit, als ich ihr wertvollste Stunden meines Lebens verdankte, und der sich bis zum heutigen Tage wahrhaftig nicht vermindert hat.

http://gutenberg.spiegel.de/autor/rosa-mayreder-1031

https://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Mayreder

https://anthrowiki.at/Rosa_Mayreder

Der christliche Schulungsweg - das Johannesevangelium

1 Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. 2 Dasselbe war im Anfang bei Gott. 3 Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. 4 In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen.

Das Johannes-Evangelium schildert nach dem einleitenden Prolog, von dem die ersten fünf Sätze als Meditationsformel den geistigen Blick für die Astralwelt wecken, in den Kapiteln 1-12 zunächst die Einweihungserlebnisse des Johannes auf dem Astralplan. Ab dem 13. Kapitel werden die Erlebnisse des nach drei Tagen auferweckten Johannes-Lazarus in der devachanischen Welt berichtet. Das Johannesevangelium bildet derart die Grundlage des christlichen Einweihungsweges. (Lit.: GA 94, S. 190ff)

Der christliche Schulungsweg (auch christlich-gnostischer oder christlicher Einweihungsweg genannt) ist ein geistiger Schulungsweg, der sich auf das intensive gefühlsmäßige Nacherleben des Leidensweges Christi gründet, wie er namentlich im Johannesevangelium geschildert wird. Dadurch wird vor allem die Gemütsseele, also der auf das gesunde Wahrheitsempfinden ausgerichtete Teil der Verstandes- und Gemütsseele, reich ausgebildet. Da dieser Schulungsweg eine zeitweilige Absonderung von den äußeren Alltagsgeschäften fordert, ist er heute durch die Anforderungen unseres Bewusstseinsseelen-Zeitalters für viele Menschen nicht mehr gangbar. Für diese wurde der Rosenkreuzer-Schulungsweg inauguriert, an dem sich auch die anthroposophische Geistesschulung orientiert.

ERSTER  VORTRAG,   Kassel,  24.  Juni  1909
Die Anthroposophie als die neue Verkündigung des Christus- Ereignisses. Die Johannes-Christen.  Der Sinn des Christus-Ereignisses. Die Geburt des höheren Ich im Menschen  und  die  Wiedergeburt  des göttlichen Ich in der Menschheit. http://fvn-archiv.net/PDF/GA/GA112.pdf#view=Fit

Quellen:

http://www.bibel-online.net/buch/luther_1912/johannes/1/

https://anthrowiki.at/Johannes-Evangelium

https://anthrowiki.at/Christlicher_Schulungsweg

Was ist bloß los in der Welt - ehrlich gefragt, offen gesagt

ein Text von Pietro Archiati
«Wenn man die Dinge so laufen lässt ... dann werden wir am Ende des 20. Jahrhunderts vor dem Krieg aller gegen alle stehen. ... Es ist dringend notwendig, dass in unser Gesamtleben wiederum in populärer Art auch das einfließt, was Kunde von der geistigen Welt gibt.» (Rudolf Steiner, 6./7.8.1921)
Es geschah vor genau hundert Jahren. Man schrieb damals das Jahr 2017, und viele dachten an die große Revolution von 1917 in Russland. Es war Frühling, als Ahriman, der Herr der Macht und des Materialismus, sich der Welt zu erkennen gab. Er dachte, seine einmalige Erscheinung in Menschenform so gut vorbereitet zu haben, dass nicht nur die führenden Eliten, sondern auch das Fußvolk auf der ganzen Erde ihn als den größten Wohltäter aller Zeiten, der Wohlstand und Fortschritt für alle bringt, begrüßen würden. Wie sehr hatte er sich aber getäuscht. Hundert Jahre Anthroposophie hatten dafür gesorgt, dass von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer mehr Menschen weltweit auf die führende Rolle des Westens, auf die Macht Amerikas, ihren geistigen Blick gerichtet hatten.

In Vorträgen, die Rudolf Steiner im Oktober 1920 gehalten hatte, fanden sie zwei erstaunliche Aussagen, die sie als Arbeitshypothese nahmen, um zu sehen, ob sich damit die Weltlage besser erklären ließe. Die erste Aussage war: Im Westen sind die führenden Persönlichkeiten in Politik und Wirtschaft keine normalen Menschen, obwohl es äußerlich so aussieht. Sie sind übermenschliche Geister, die im Umgang mit den Kräften der Erde, mit ihrer technischen Anwendung für eine materialistische Wirtschaft so genial, so erfindungsreich sind, dass sich kein Mensch, kein echter Mensch, in Europa oder in Asien mit ihnen messen kann.

Und die zweite Aussage: Eine materialistisch ausgerichtete Wirtschaft, die kein freies Geistesleben neben sich duldet, kann nur zerstörerisch wirken. Der Mensch kann nicht mehr der Geister Herr werden, die er mit den Maschinen auf den Plan gerufen hat. Das Finanzwesen entwickelt eine eigene, völlig irrationale Dynamik. Die «Fortschritte» der Gentechnologie greifen in die Kräfte der Natur so ein, dass die Gesundheit des Menschen zunehmend gefährdet wird. Der Materialismus in der Wirtschaft und im Leben des Alltags wurde von immer mehr Menschen als die tiefere Ursache für die Kriege weltweit, für die Zerstörung der Umwelt, für die bedrohlich zunehmenden Flüchtlingsströme betrachtet.

Das war eine Zeit, in der viele ganz engagiert über diese Aussagen Rudolf Steiners diskutierten. Immer zahlreicher wurden die Menschen, die sie überzeugend fanden. Zehntausende, Hunderttausende waren bald diejenigen, die in der Öffentlichkeit laut behaupteten: Es nützt alles nichts, wenn der deutsche Bundespräsident überall in der Welt über ethische Werte schöne Predigten hält, und die große Macht aus diesen Werten ein Feigenblatt macht, um die nackte Brutalität des Materialismus zu verschleiern. Es nützt alles nichts, wenn die Bundeskanzlerin – Angela Merkel hieß sie damals, vor hundert Jahren – alles tut, um so viele, dann aber auf einmal so wenige Flüchtlinge wie möglich willkommen zu heißen, und die große Macht ungestraft und unaufhaltsam dafür sorgt, dass sie weltweit immer mehr werden.

Der Kommunismus beinhaltet all das

"Eigentlich kann man die kommunistische Idee in vier Prinzipien zusammenfassen.

1. Es muss möglich sein, das Schicksal der Menschheit der Besitz-Oligarchie zu entreißen.

2. Es muss möglich sein, die menschliche Arbeit nicht strikt zu unterteilen, in Leitung und Ausführung, in manuelle und intellektuelle Arbeit, in Männer- und Frauenarbeit; um ein paar der Widersprüche zu nennen.

3. Man kann vielleicht aufhören, sich zu bekriegen, aufgrund von Identität, Nationalität, Rasse, Religion und kann im Dienste der ganzen Menschheit arbeiten.

4. Vielleicht ist die Existenz einer autoritären und abgehobenen Staatsmacht keine definitive Sache.

Der Kommunismus beinhaltet all das."

Quelle:
Alain Badiou: Raus aus der Komfortzone! (Sternstunde Philosophie vom 18.12.16)
https://youtu.be/JQGlP1rNaDU?t=31m31s

Auf dem Totenbett bereuen

Versäumnis Nr. 1
Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie es andere von mir erwarten.

Versäumnis Nr. 2
Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.

Versäumnis Nr. 3
Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.

Versäumnis Nr. 4
Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.

Versäumnis Nr. 5
Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.

Aus dem Inhaltsverzeichnis von
Bronnie Ware - 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen.
Einsichten, die Ihr Leben verändern werden. 2015.

Warum Rudolf Steiner lesen anstrengend ist

«Die Lektüre Steiners ist für viele anspruchsvoll. Ein wichtiger Grund dafür liegt darin, dass das heutige Leben immer hektischer wird und der Leistungsdruck steigt. Wenn überhaupt noch etwas Zeit für die Lektüre übrig bleibt, dann besteht die innere Erwartung, dass man «abschalten» und sich ein wenig erholen kann. Ist die Lektüre anstrengend, so gibt man sich gleich enttäuscht, legt das Buch aus der Hand und greift nach einem unterhaltsameren Text.

Das ist es eben: Wir haben uns daran gewöhnt, alles Geistige oder Kulturelle als Erholung, als Unterhaltung haben zu wollen. Wir suchen nach einer Entschädigung für die Härten des Lebens, nach einer Entspannung, die nur abseits des Lebens erlebt werden kann. Diese innere Haltung trägt ihrerseits dazu bei, dass der Geist dem Leben gegenüber immer ohnmächtiger und unsere Ideale immer kraftloser werden. Unsere sittlichen Werte werden dadurch immer abstrakter und treiben uns mehr und mehr in die Resignation, sie machen uns zunehmend innerlich depressiv und nach außen aggressiv.

Gibt es da überhaupt eine Lösung? Natürlich gibt es eine: Jeder kann gleich damit anfangen, mehr Kraft in seinen Geist, in seine Gedanken zu gießen. Und eines der besten Mittel dafür ist eine anspruchsvolle Lektüre, die als Studium verstanden wird und die nur bei innerer Anstrengung einen Sinn hat und Früchte trägt. Man braucht nur das Lesen umgekehrt wie gewohnt zu sehen: auf keinen Fall zum Beispiel einen Vortrag Steiners dann zu lesen, wenn man zu müde ist. Denn der taugt nicht zur Erholung, sondern im Gegenteil zur wohl tuenden «Ermüdung». Vorher muss man gut bei Kräften sein, um seine volle Freude daran zu erleben.

Diese Art der Übung, die den Geist, die Gedanken immer stärker macht, macht den Menschen auch zunehmend fähig, in das tägliche Leben mit voller Kraft einzugreifen, es im eigenen Sinne einzurichten und immer menschenfreundlicher zu gestalten. Für den heutigen Menschen steht also am Anfang die Ohnmacht des Geistes, die Kraftlosigkeit der Ideale dem Leben gegenüber. Dies gibt ihm aber erst recht die Möglichkeit, gerade auch durch die Lektüre die Ohnmacht des Geistes immer wieder zu überwinden. Davon ist in diesem Vortrag die Rede.

Die Frage «Wie finde ich den Christus?» ist die Frage: «Wie finde ich den schöpferischen, lebensgestaltenden Geist in mir?» Und die schlichte Antwort lautet: Dieses Finden ist das Ergebnis einer zweifachen Erfahrung: Zuerst muss der Mensch in sich die Ohnmacht erleben, jene Ohnmacht, die wir alle gut kennen. In der individuellen überwindung dieser Ohnmacht kann dann immer mehr auch die Auferstehung des Geistes zur inneren Erfahrung werden.»

Vorwort von Pietro Archiati zu: Rudolf Steiner, Wie finde ich den Christus?

https://rudolfsteinerausgaben.1kcloud.com/ep1ZM9tA/epaper/rsa-gv-2018.pdf

Das Ende der Demokratie – wie wir sie kennen

Dieser Beitrag befasst sich zunächst mit einigen wichtigen Elementen bei der Definition einer global herrschenden Klasse. Er untersucht dann, wie die Neokonservativen in den USA an die Macht gekommen sind und wie sie Regierungswechsel in anderen Weltregionen erzwingen wollen, um dort Chaos zu stiften. Eine Strategie der Spannung dient dazu, die eigene Bevölkerung unter Konformitätsdruck zu stellen. Aber die eigentliche Revolution besteht darin, dass bereits heute weite Politikbereiche einer wirksamen demokratischen Kontrolle entzogen sind. An drei Fallstudien wird nachgewiesen, wie weit der Dunkle Staat heute bereits geht. Demokratie steht am Rande des Überlebens.

Das Ende der Demokratie – wie wir sie kennen von Bernd Hamm. pdf

Die größte Gefahr für die Mächtigen

"Obwohl sich die Mächtigen in Europa so um ihre weltweite Wettbewerbsfähigkeit, um Migration und Terrorismus sorgen, jagt ihnen nur eines wirklich Angst ein: die Demokratie!

Europa demokratisieren!
Europa wird demokratisiert
oder es wird zerfallen!

DiEM25 ist eine europaweite, grenzüberschreitende Bewegung von Demokraten. Wir glauben, dass die Europäische Union dabei ist zu zerfallen. Die Europäer verlieren ihren Glauben an die Möglichkeit, europäische Lösungen für europäische Probleme zu finden. Zur gleichen Zeit wie das Vertrauen in die EU schwindet, sehen wir einen Anstieg von Menschenverachtung, Fremdenfeindlichkeit und Nationalismus.

Wenn diese Entwicklung nicht beendet wird, befürchten wir eine Rückkehr zu den 1930er Jahren. Deshalb sind wir trotz unserer unterschiedlichen politischen Traditionen zusammen gekommen, - Grüne, radikale und liberale Linke, - um die EU zu reparieren. Die EU muss wieder eine Gemeinschaft für gemeinsamen Wohlstand, Frieden und Solidarität für alle Europäer werden. Wir müssen schnell handeln, bevor die EU zerfällt."

DIEM25 - webseite

diem25 - das Mainfest

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Ein kleines Bonbon:

https://dieunbelehrbaren.wordpress.com/

Der private Konsum - die tragende Säule der Gesellschaft

"Die Bedeutung des privaten Konsums als tragender Säule der Wirtschaft kann nicht hoch genug geschätzt werden. Die Wurzeln des nicht enden wollenden Kaufrausches in den Industrieländern und den urbanen Regionen der Schwellenländer reichen bis zum Ende des zweiten Weltkrieges zurück, als in den USA die Angst aufkam, mit dem Abebben der Rüstungsaufträge drohe wieder Massenarbeitslosigkeit. Findige Ökonomen machten daher den Vorschlag, den privaten Konsum anzukurbeln und dadurch neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Idee war unglaublich erfolgreich. Schon im Jahr 1955 formulierte Victor Lebow, ein amerikanischer Marketingfachmann, ein neues Konsumleitbild:

"[...] unsere ungeheuer produktive Wirtschaft verlangt, dass wir den Konsum zu unserem Lebensstil und den Kauf und die Nutzung von Gütern zu einem Ritual machen, dass wir unsere spirituelle Befriedigung und die Erfüllung unseres Selbst im Konsum suchen." (Worldwatch Institute 2010: 49)

Dieses Leitbild hat im Laufe der Jahrzehnte seinen Siegeszug um die Welt angetreten und ist heute dabei, auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern Fuß zu fassen.

Um den privaten Konsum zur tragenden Säule des Wirtschaftswachstums zu machen, bedurfte es aber einer Reihe flankierender Maßnahmen, allen voran das Hervorrufen ständig neuer Bedürfnisse beim Verbraucher. Fanden die neuen Produkte in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mit relativ geringem Werbeaufwand ihren Absatz, änderte sich dies, als die Unternehmen, zunehmend auf gesättigte Märkte stießen - mehr als ein Radio, eine Waschmaschine, eine Geschirrspülmaschine etc. in einem Haushalt war zunächst nicht abzusetzen. Die kreativen Möglichkeiten in der Schöpfung neuer oder vermeintlicher Bedürfnisse, für die bisher seitens der Verbraucher  keine Nachfrage bestanden hatten und deren Befriedigung in der Regel auch keinen Beitrag zu Steigerung der Lebensqualität leistet, wurde perfektioniert

Mit zunehmender Sättigung der Märkte musste die Werbung verfeinert und intensiviert werden. Heute beherrscht sie uns allumfassend - bin in den privatesten Bereich hinein. So wundert es nicht, dass die weltweiten Werbeaufwendungen der Wirtschaft inzwischen jährlich etwas 640 Milliarden US-Dollar erreicht haben. Die Ironie für den Verbraucher: Diese Aufwendungen werden über die Preise auf ihn abgewälzt."

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von Klaus Wiegandt, Stifter und Vorstand des "Forums für Verantwortung" und gemeinsam mit Harald Welzer Herausgeber der Edition Forum für Verantwortung im Fischer Verlag. Der Auszug ist aus der zweiten Auflage des Bandes Wege aus der Wachstumsgesellschaft, Frankfurt am Main, 2014, aus dem Artikel Hindernisse auf dem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung, von Seite 68.

Lust auf anders

"Nachhaltig leben ist verflixt schwierig. Täglich handeln wir entgegen unseren Überzeugungen. Wieder und wieder. Wie können wir das nur abstellen? Der Umweltpsychologe Maces Hunecke sagt: Entscheidend ist ein ausgewogenes Verhältnis von Achtsamkeit und Genuss."
 
Von Thomas Friemel im BANK SPIEGEL - Das Magazin der GLS BANK Ausgabe 2/2017 Heft 228 Nachhaltig Wirtschaften


"Der Mensch ist ein Besserwisser. Nein, nein, nicht im Sinne von Naseweis oder Klugscheißer. Der Mensch weiß schlichtweg, was gut ist und was nicht. Nur: Er handelt oft nicht danach.
Die Raucher zum Beispiel: Sie wissen, dass Rauchen ungesund ist, und saugen dennoch tief am Tabakröhrchen. Morgen, schwören sie, sei wirklich Schluss. Ist es aber nicht. Auch nicht bei den Fastfood-Junkies. Den Billigklamotten-Shoppern. Den Bis-zum-nächsten-Briefkasten-Autofahrern. Alle eint das tiefe Wissen: Geht eigentlich nicht. Aber zu lecker, zu billig, zu einfach - wer kommt dagegen schon an?! Selbst der alte Goethe wusste: „Nach dem Gedanken handeln ist unbequem.“
Recht hatte er. In einer Umfrage für die Bundesregierung sagten zwei Drittel der Deutschen, dass die Umwelt nur langfristig geschützt werden kann, wenn alle nachhaltig agieren. Wie ist es dann zu erklären, dass dieses Deutschen im vergangenen Jahr 176 Milliarden Euro für Lebensmittel ausgaben, davon aber nur knapp 5,4 Prozent bio waren? Warum surren auf unseren Straßen nur 34.000 Elektroautos von insgesamt 45,8 Millionen Pkw herum? Warum laufen die Menschen nachhaltigen Banken nicht die Türen ein?

Was hindert uns daran, Überzeugungen in die entsprechenden, richtigen Taten umzusetzen? Eine Antwort kommt von höchster Stelle. Im „Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum“ der Bundesregierung heißt es: Ein Hemmnis „stellen die im Alltag herrschenden Routinen und Gewohnheiten dar, bei denen nicht bewusst über das handeln nachgedacht und deshalb an nicht nachhaltigen Varianten festgehalten wird.“ Der Mensch, das Gewohnheitstier. Zu bequem und zu schwach, um den inneren Schweinehund niederzuringen. Aber wie kann es dann gehen?

Also her mit einem Experten, der berufsbedingt tief in uns hineinschaut. Marcel Hunecke ist Professor für Allgemeine Psychologie sowie Organisations- und Umweltpsychologe an der FH Dortmund und Privatdozent an der Ruhr-Universität Bochum. In seinem Buch „Psychologie der Nachhaltigkeit“ schreibt er „Es ist ein kultureller Wandel notwendig, der nur durch die aktive Beteiligung möglichst vieler und vor allem eigenständig denkender und handelnder Bürger angestoßen werden kann. Der hierfür notwendige Wertewandel kann in den Individuen nur auf der Grundlage von selbstreflexiven Prozessen stattfinden - und zwar auf freiwillige Weise.“ Der erhobene Zeigefinger als moralischer Appell taugt nicht, um Menschen zu dauerhaften Veränderungen ihrer Lebensweise zu motivieren. Und Verbote schon gar nicht. Die erzeugend nur Widerstände und Vermeidungsverhalten. Als die Grünen im Bundestagswahlkampf 2013 den Veggie Day forderten, schrie die kollektive fleischfressende  Seele des Landes auf.

Aber was dann? Und wie? Ein Anruf bei Hunecke in Bochum, in Spuckweite zu GLS Bank. „Das ist nicht einfach“, sagt er und alles andere hätte auch überrascht. Um Verhaltensveränderungen zu bewirken, müssen alternative Lebensentwürfe als positiv oder angenehm wahrgenommen werden. Mit anderen Worten: Man muss Lust auf Neues bekommen. Wenn Nachhaltigkeit ein besseres, zufriedeneres Leben verspricht, folgen die Menschen.

Also muss die Vision etwas bereithalten, das heute fehlt und nach dem sich die Menschen sehnen. „Im Hier und Jetzt leben zum Beispiel“, sagt Hunecke. Achtsamkeit ist für ihn zentral. „Aber nicht im Sinne von Stressbewältigung. Wo es Angebote gibt, die uns versprechen, durch eine Wochenendseminar wieder in die innere Balance zu kommen“, sagt der Forscher. „Wer Achtsamkeit regelmäßig praktiziert, der stößt auf existenzielle Fragen: Wer bin ich? Was will ich im Leben? Was macht Sinn?“ Wer diese Fragen für sich beantworte, der allein gehe schon mit sich, Mitmenschen und Umwelt sorgsamer um.

Ein zweiter wichtiger Faktor sei Genuss. Gute Ernährung fördere Wohlbefinden und Gesundheit, und vor dem Hintergrund des Selbstoptimierungs-Hype beschleunige sich das derzeit. „Das Erstarken der Slow-Food-Bewegung ist ein Beleg dafür, dass hier Achtsamkeit und Genuss zusammenfinden.“ Und mehr noch: „Ernährung hat das Potenzial, der Einstieg in die nachhaltige Lebensweise zu sein.“ Der nächste Schritt wäre dann der aus dem eigenen Körper auf die Haut - „da werden sich sich Menschen bald vermehrt haben, was sie eigentlich anhaben, welches Wasser sie an sich heranlassen, welche Kosmetikprodukte.“ Und von dort könne sich die Nachhaltigkeit weiterbewegen bis hin zu den Rändern des Handelns, zum Beispiel wie wir reisen. Oder zu welcher Bank wir gehen.

„Um den Boden für ein nachhaltiges Agieren zu entwickeln, brauchen wir entsprechende Kontexte, also Reflexions- und Erfahrungsräume.“ In diesen Räumen könnten entsprechende Lernprozesse stattfinden, die das Persönlichkeitswachstum anregen und entfalten. Die Räume könnten in Schulen geschaffen werden („wenn sie nicht nur instrumentelles Wissen für die Technik und Wirtschaft vermittelt“), in Unternehmen („wenn sie nicht einseitig einer Erhöhung der Produktivität dienen“) oder im Gemeinwesen („wenn sie weitgehend frei von parteipolitischen Interessen sind“).

Wer sich auf den Weg mache und den Wandel pionierhaft vorantreibe, müsse dann unterstützt werden. Diese Personen seien wichtig, weil sie uns eine Vision aufzeigen. Und damit viele Menschen von ihnen erfahren, sollten ihre Geschichten erzählt werden. „So wie im Bankspiegel“, sagt Marcel Hunecke. Und das lassen wir mal so stehen."

Über die deutsche Nachkriegszeit

"Dieses Filmwunder handelt von dem Fräulein aus dem Wirtschaftswunder: Maria Braun ist eine volksmythische Figur in einem emblematischen Film über die deutsche Nachkriegszeit, in der der Wiederaufbau bezahlt wurde mit dem anhaltenden Abbau der Gefühle, die aufblühende Prosperität angeheizt wurde mit verdorrten Seelen, und in der eine Frau ihrem großen Gefühl und ihrer kleinen Gefühlen, ihrer großen Liebe wie ihren kleinen Liebschaften treu bleibt und ihre Kaft vergeudet am Aufbau einer Gesellschaft, die Verträge zur Vernichtung von Liebe und Würde gesellschaftsfähig macht."

ALFRED HOLIGHAUS (Hg.) Der Filmkanon, 35 Filme, die Sie kennen müssen, bpb, Bonn 2005, S. 196

Die Ehe der Maria Braun - Fassbinder (1979) - Trailer

Für freie Menschen: Aufklärung mit Prof. Rainer Mausfeld

"Prof. Rainer Mausfeld ist eine Koryphäe, wenn es um das Enttarnen von Eliten-Macht geht. Sein aktueller Vortrag [...] hilft dem einzelnen, die Ohnmacht zu überwinden, die jeden beschleicht, wenn er versucht, im Alleingang das System zu durchschauen. Die Chance auf Veränderung beginnt im Kopf. Wissen ist der Schlüssel. Mehr Wissen bei den Massen." schreibt KenFM. Im empfehle die Vorträge in folgender Reihenfolge:

Rainer Mausfeld: „Warum schweigen die Lämmer?“ - Techniken des Meinungs- und Empörungsmanagements

Prof. Rainer Mausfeld: Die Angst der Machteliten vor dem Volk

Prof. Rainer Mausfeld: Wie werden Meinung und Demokratie gesteuert?

28. Pleisweiler Gespräch mit Professor Mausfeld - 22. Oktober 2017

Und wer sich fragt, was das Netzwerk der Mächtigen ist?
Dem empfehle ich die Novemberausgabe von Die Anstalt:

www.zdf.de - die-anstalt-vom-7-november-2017

Die Revolution hat begonnen! - Ret Marut

"Halloh, Ihr Menschen! Halloh!
Ich gehöre weder der Sozialdemokratischen Partei an, noch bin ich ein unabhängiger Sozialist. Ich gehöre weder der Spartacus-Gruppe an, noch bin ich ein Bolschewist. (...)
Ich kann keiner Partei angehören, weil ich in jeder Partei-Zugehörigkeit eine Beschränkung meiner persönlichen Freiheit erblicke, weil die Verpflichtung auf ein Partei-Programm mir die Möglichkeit nimmt, mich zu dem zu entwickeln, was mir als das höchste und das edelste Ziel auf Erden gilt: Mensch sein zu dürfen! (...)
Die edelste, reinste und wahrhafteste Menschenliebe ist die Liebe zu sich selbst. Ich will frei sein! (...)
Aber meine Freiheit ist nur dann gesichert, wenn alle anderen Menschen um mich frei sind. (...)
Mehr als fünfzig Monate bin ich in der schamlosesten Weise belogen und betrogen worden, von der Regierung, vom Kaiser, vom König, von meinen Nachbarn und von der verlumptesten Institution, die sich auf Erden befindet: Die Presse. (...)
Sie wollen nichts weiter als ‘Ruhe und Ordnung’. (...)
Ruhe und Ordnung heißt: Schutz dem Kapitalisten, damit er in aller Ruhe und Ordnung denjenigen, der essen möchte, auspovern kann. (...)
Ruhe und Ordnung macht schlafmützig. Ruhe und Ordnung bringen mich um meine persönliche Freiheit. Bewegung, Gesellen! Nicht einschlafen! Die Revolution hat erst begonnen. (...)
Ich brauche keine National-Versammlung. Ich gehe nicht zur Wahl. Ich wähle nicht, ich will auch nicht gewählt werden. Ich fühle mich unter der Diktatur des Proletariats – obgleich ich kein Arbeiter bin und nicht zum Proletariat gehöre, – so wohl wie ich mich in meinem ganzen Leben noch unter keiner Regierung gefühlt habe und ich habe beinahe alle Länder der Erde kennen gelernt und in vielen nichtdeutschen Ländern viele, viele Jahre gelebt."


Mehr bei:

Revolution in Deutschland

Es ist beängstigend, wie wenig lebende Deutschprachige den Begriff Die Münchner Räterepublik und diese Namen kennen: Kurt Eisner, Ernst Toller, Erich Mühsam, Ret Marut und Gustav Landauer.
Sie waren pazifistisch, anarchistische Intellektuelle. Sie waren führende Geister der Revolution von 1918 in München. Beim bayrischen Rundfunk steht: "Als Pazifist wollte der studierte Philosoph eine gewaltfreie Gesellschaft und ein basisdemokratisches Rätesystem aufbauen. Das verübelten ihm Bayerns Reaktionäre, obwohl er mit sowjetischem Bolschewismus nichts am Hut hatte - und ermordeten ihn am 21. Februar 1919. Der Begriff "Freistaat Bayern" geht auf Eisner zurück. "

Bei Münchner Stadtmuseum online steht; „Die hundert Tage der Regierung Eisners haben mehr Ideen, mehr Freuden der Vernunft, mehr Belebung der Geister gebracht, als die fünfzig Jahre vorher. Sein Glaube an die Kraft des Gedankens, sich in Wirklichkeit zu verwandeln, ergriff selbst Ungläubige.“ (Heinrich Mann in seiner Gedächtnisrede anlässlich der Trauerfeier für Kurt Eisner im Münchner Odeon am 16. März 1919)"

 DIE ZEIT schrieb schon 1994: "Die Verunglimpfung Kurt Eisners – nach seinen eigenen Worten von „leichtfertiger und auch bösartiger Natur“ – hat in der SPD eine bald hundertjährige Tradition. Der Chefredakteur des Vorwärts, der extrem rechte Sozialdemokrat Friedrich Stampfer, bezeichnete 1918/19 die Ministerpräsidentschaft Eisners, ohne auf deren politische Ziele einzugehen, als „Kasperlekomödie“. Auch die bis heute übliche Diffamierung Eisners als „Schwabinger Bohemien“ und „Schwabinger [Kaffeehaus-] Literat“ ist auf Stampfers Invektive zurückzuführen. Weder wohnte Eisner in Schwabing, noch verkehrte er dort. In seinen – und in den von ihm lancierten – Nachrufen stellte Stampfer dann Kurt Eisner als gemeingefährlichen Exzentriker dar: eine Charakterisierung, für die er keinerlei Belege anführte und die er auch in seinen Memoiren nicht korrigierte. Noch angereichert, wurde dieses Zerrbild 1989 zum 70. Todestag und 1992 zum 125. Geburtstag Kurt Eisners erneut verbreitet – vom verantwortlichen Redakteur der von der Friedrich-Ebert-Stiftung herausgegebenen Neuen Gesellschaft / Frankfurter Hefte. Eine kritische Untersuchung des rund drei Jahrzehnte währenden publizistischen und politischen Schaffens Kurt Eisners erweist diese Charakterisierung als falsch."

Sehr zum empfehlen ist diese 3sat Doku von Ende der 1980er oder Anfang der 90er Jahre:

Münchner Räterepublik 1919 (50 Min)

Mehr zu lesen gibt es hier:

http://www.zeit.de/1994/08/zwischen-kapitalismus-und-kommunismus/komplettansicht 

http://www.br.de/themen/bayern/inhalt/geschichte/bayern-revolution-eisner100.html

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/-geburtstag-kurt-eisner-revolutionaer-und-regierungschef-1.3503100

https://www.muenchner-stadtmuseum.de/sonderausstellungen/revolutionaer-und-ministerpraesident-kurt-eisner-1867-1919.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Eisner

https://www.dhm.de/lemo/biografie/kurt-eisner

Nein - Hochmoderne Lastenräder

Ein guter Freund schrieb mir eine sms: „Wenn ich schon meckere, dass zu viele Menschen unsinnig viel Auto fahren, sollte ich mich selbst auch damit beschäftigen, wie ich weitere Fahrten vermeiden kann. Lastenrad - das ist die Lösung.“
Beim nächsten Treffen fragte ich ihn, wie er sich das vorstelle. Seine Erklärung klang überlegt: „Ich fahre häufiger für die ganze Familie einkaufen. In das Ding würden zwei Kästen Bier reinpassen. Auch Carlos [seinen Sohn] in die Kita zu bringen, wäre einfacher. Baumarkt. Picknick. Alles wäre viel leichter zu transportieren. Auch Sophie [seine Frau] könnte damit einkaufen. Sie käme viel besser den Berg hinauf. Wir bräuchten viel weniger Autofahrten.“
„OK“, antwortete ich. „Das verstehe ich. Super Ansatz. Hast du auch schon Sofie gefragt. Was hält sie davon? Hat sie Bock auf ein Lastenrad?“
„Äh - nein“, antwortete er.
„Könnte es sein“, grinse ich, „dass du einfach gerne ein Lastend kaufen willst, weil der Katalog super Bilder hat, du es dir leisten kannst und ein Lastend einfach geil wäre?“
So unterhielten wir uns noch eine Weile, bis bei meinem sehr aufgeschlossenen und mit Freude auch mal selbstkritischen Freund die Einsicht erwachte, dass es tatsächlich so sein könnte. Ich sprach keine detaillierte Empfehlung der Alternativen an. Doch als externer Betrachter grenzte ich verschiedene Gründe für ein Lastend voneinander ab:

1. Weniger Auto fahren.
2. Den Transport auch ohne Auto so einfach wie möglich machen.
3. Sofie zur Nutzung des Fahrrads bewegen.
4. Ich will ein Lastenrad kaufen.

Schon beim Lesen dieser Liste ist zu merken, was verantwortungsbewusste, gemeinwohlorientierte Aspekte sind und was emotionale Glücksherstellung sein soll - es ist, na?
Richtig, lieber Freund. Es ist Punkt vier. Genau. Dieses Bedürfnis, dieser Trieb, diese Idee von Punkt vier ist so mächtig, dass wir darüber hinaus versäumen, wirklich rational an derartige, gut gemeinte und sogar unbequeme Veränderungen heranzugehen. Als Externer diese zu Erkennen, war mir in diesem Fall viel leichter möglich, weil mich nicht die Lastenradkauflust berauscht hatte. Also haben wir folgende Situation:

1. Weniger Autofahren geht unter anderem zu Fuß, mit dem Bus, mit dem vorhandenen Fahrrad, mit dem vorhandenen Fahrradanhänger, durch eine neue Mitbring-Organisation mit der Nachbarin, durch eine bessere Vorratshaltung, durch weniger Das-Haus-Verlassen, durch mehr Gartenarbeit, durch mehr Planung.

2. Den Transport auch ohne Auto so einfach wie möglich machen:
Der Wunsch nach Bequemlichkeit in der Veränderung macht uns kreativ in der Lösungssuche. Denk. Dein Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung wechseln und so. Siehe Punkt 1.

3. Sofie zur Nutzung des Fahrrads bewegen:
Wenn dieser Punkt ernst gemeint ist, er also wirklich möchte, dass Sophie mehr Rad fährt, sollte er das unvoreingenommene, ergebnisoffene Gespräch mit Sofie so früh wie möglich suchen, immer wieder über veränderte Sichtweisen sprechen, nicht für sie entscheiden und vor allem ihre Bedürfnisse als genauso wichtig und gültig akzeptieren, wie seinen eigenen Punkt vier; seien sie noch so verrückt oder egoistisch.

4. Ich will ein Lastenrad kaufen:
Wir erkennen die Irrationalität bei anderen viel schneller, als bei uns selbst. Haben wir sie jedoch bei uns erkannt, neigen wir dazu, die gleiche Einsicht sofort und direkt von anderen zu fordern. Das lässt sich bei frisch gebackenen Vegetariern gut beobachten: Ich bin jetzt Vegetarier. Ab sofort müssen alle anderen auch Vegetarier werden. Dabei wird der Prozess, bis zur Entscheidung, vegetarisch zu leben, mit einem Mal weggewischt.

Nachdem mein Freund nun seine Kauflust beobachtete hatte, konnte er eine neue Position zu dieser Einsicht entstehen lassen. Schon vier Stunden nach unserem Gespräch, mitten auf einem Waldspaziergang, in der Gesprächspause zwischen zwei völlig anderen Themen, sagte er plötzlich: „Irgendwie haste ja schon recht. So ein Lastenrad ist zwar cool. Aber ich denke, mit einem E-Bike, das Sofie und ich mit dem Anhänger nutzen können, ist es auch getan. Wir bleiben dabei viel flexibler in der Nutzung. Sofie muss kein Lastend fahren wollen. Und das E-Bike kostet 3.000 Euro weniger. Aber haste das Modell Känguruh gesehen. Sieht schon geil aus, oder?“

Nein - Keine Verpackung aus der DönerDiele

Ich lese, den Kopf nach hinten geneigt, das „vigitarische“ Angebot der Döner-Yufka-Kebab-Varianten. Ich senke den Blick und will bestellen. Herr Dönermann hinter der Theke schaut durch mich hindurch und spult seinen Text ab:
„Der nächste“, bellt er. Währenddessen schaufelt er Salat in eine Brottasche.
Ich weiß nicht genau, ob er mich meint. Ich schiele nach rechts. Dort steht eine Frau, das Kinn auf der Brust, auf ihr Handy starrend.
Ich schiele nach Links. Dort steht ein junger Mann, den Kopf im Nacken. Er studiert die Angebotsvarianten als stünden dort Texte von Kant.
Ich muss gemeint sein.
„Einmal Falaffel im Yufka, bitte. Ohne Zwiebeln. Auf die Hand. Ohne Alufolie. Ohne Plastiktüte. Ohne Plastiklöffel. Ohne Plastikfleisch. Ohne Zwiebeln. Falaffel im Yufka, bitte. Und wehe! sie stopfen das Ding in ihrem automatischen Wahn doch in Alu und Plastik, dann schmeiß ich es ihnen an die Wand, schreie und beleidige deine Munda, Alda,“ sage ich beinahe, denn in der Massenabfertigung beim Dönermann möglichst wenig Müll zu bestellen, erfordert nicht nur die Entscheidung, Fleisch oder Falaffel, sondern auch ein beherztes, deutliches Artikulieren eines dreifachen Neins, das durch den Wahn des tausendfach einstudierten Automatismus des Dönermanns dringt.
Um Müll zu Vermeiden ist ein klares, deutliches Neins nötig. Ein rechtzeitiges Nein. Eine wiederholtes Nein. Ein spürbares Nein Nein Nein.
Und es bedarf der wissenschaftlichen Observation des Falaffel-Yufka-Verpackungsprozesses bis zum Ende und die Bereitschaft jederzeit erneut Nein zu sagen: „Keine Aluminiumfolie. Keine Plastiktüte. Keine Plastikgabel. Nein. Ich trage hier und jetzt Verantwortung für weniger Plastikmüll. Also, direkt auf die Hand. Bitte. Danke.“

Wollen Fühlen Denken - how to handle that!

Die Welt tritt dem Menschen als eine Vielheit gegenüber, als eine Summe von Einzelheiten. Eine von diesen Einzelheiten, ein Wesen unter Wesen, ist er selbst. Diese Gestalt der Welt bezeichnen wir schlechthin als gegeben, und insofern wir sie nicht durch bewusste Tätigkeit entwickeln, sondern vorfinden, als Wahrnehmung.

Innerhalb der Welt der Wahrnehmungen nehmen wir uns selbst wahr. Diese Selbstwahrnehmung bliebe einfach als eine unter den vielen anderen Wahrnehmungen stehen, wenn nicht aus der Mitte dieser Selbstwahrnehmung etwas auftauchte, das sich geeignet erweist, die Wahrnehmungen überhaupt, also auch die Summe aller anderen Wahrnehmungen mit der unseres Selbst zu verbinden.

Dieses auftauchende Etwas ist nicht mehr bloße Wahrnehmung; es wird auch nicht gleich den Wahrnehmungen einfach vorgefunden. Es wird durch Tätigkeit hervorgebracht. Es erscheint zunächst an das gebunden, was wir als unser Selbst wahrnehmen. Seiner inneren Bedeutung nach greift es aber über das Selbst hinaus. Es fügt den einzelnen Wahrnehmungen ideelle Bestimmtheiten bei, die sich aber aufeinander beziehen, die in einem Ganzen gegründet sind.

Das durch Selbstwahrnehmung Gewonnene bestimmt es auf gleiche Weise ideell wie alle andern Wahrnehmungen und stellt es als Subjekt oder «Ich» den Objekten gegenüber. Dieses Etwas ist das Denken, und die ideellen Bestimmtheiten sind die Begriffe und Ideen. Das Denken äußert sich daher zunächst an der Wahrnehmung des Selbst; ist aber nicht bloß subjektiv; denn das Selbst bezeichnet sich erst mit Hilfe des Denkens als Subjekt.

Diese gedankliche Beziehung auf sich selbst ist eine Lebensbestimmung unserer Persönlichkeit. Durch sie führen wir ein rein ideelles Dasein. Wir fühlen uns durch sie als denkende Wesen. Diese Lebensbestimmung bliebe eine rein begriffliche (logische), wenn keine anderen Bestimmungen unseres Selbst hinzuträten. Wir wären dann Wesen, deren Leben sich in der Herstellung rein ideeller Beziehungen zwischen den Wahrnehmungen untereinander und den letztern und uns selbst erschöpfte.

Nennt man die Herstellung eines solchen gedanklichen Verhältnisses ein Erkennen, und den durch dieselbe gewonnenen Zustand unseres Selbst Wissen, so müssten wir uns beim Eintreffen der obigen Voraussetzung als bloß erkennende oder wissende Wesen ansehen. Alles ist wirklich, was wahrgenommen werden kann, ist daher das Gefühl die Bürgschaft der Realität der eigenen Persönlichkeit.

Das Unsichtbare Komitee

Das Unsichtbare Komitee ist ein anonymes Autorenkomitee in Frankreich. Die Polizei hat im Zuge der "Terroristenbekämpfung" viele Spekulationen angestellt, wer dazugehören mag, aber die Identität der Autoren wurde nie bekanntgegeben.

»Nur wir, die in Betonklötzen zur Welt kommen, in Supermärkten Obst pflücken und im Fernsehen nach dem Echo der Welt Ausschau halten, bringen es fertig, geduldig die Enzyklopädie des Desasters zu erstellen.«

„Es gibt keinen friedlichen Aufstand. Waffen sind notwendig: Es geht darum, alles zu tun, um ihren Gebrauch überflüssig zu machen.“
- Unsichtbares Komitee: Deutschsprachige Ausgabe beim Nautilus Verlag, S. 105

»Dies ist möglicherweise das Böseste, was ich jemals gelesen habe.«
- Glenn Beck, Fox News, USA

„Das Buch ist der aktuellste Versuch, ultralinker Politik ein glamouröses Antlitz zu verpassen. Situationismus, Autonomen-Anarchismus und Punkpoesie werden darin zu einem knackig formulierten Pamphlet gemixt“.
- die tageszeitung

Klappentext: Nach Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde "Der kommende Aufstand" von der französischen Regierung als einziges Beweisstück eines angeblich international bekannten "Terrorismusfalls" beschlagnahmt, als ein "Handbuch des Terrorismus", und war Vorwand für die Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Tatsächlich enthält das Buch eine radikale, situationistisch geprägte Analyse der Reaktionen von Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und Volksaufstände in den letzten Jahren.

"Unter welchem Blickwinkel auch immer man es betrachtet: Die Gegenwart ist ausweglos", konstatieren die Autoren des vorliegenden Manifests. Für sie sind die brennenden Vorstädte in Frankreich oder die Straßengewalt in Griechenland revolutionäre Momente, Symptome des Zusammenbruchs der westlichen Demokratien, die sich gegenseitig verstärken und sich ausbreiten. Die Autoren fordern einen Kommunismus als "ergebnisoffenen" Prozess, die Bildung von Kommunen sowie die Restrukturierung der Ökonomie in kleine, lokale Einheiten und plädieren für eine anonyme Position der Unsichtbarkeit.

Wikipedia: Das Comité invisible hatte 2007 bereits drei weitere Schriften der Gruppe Tiqqun vorgelegt:
  • Theorie vom Bloom (2000), 
  • Kybernetik und Revolte (2001)
  • Grundbausteine einer Theorie des Jungen-Mädchens (2001). 
Im Rahmen des Chaos Communication Congress 2014 in Hamburg wurde unter dem Titel Fuck Off Google ein weiterer Text desselben Autorenkollektivs verlesen. Es handelte sich um das vierte Kapitel der Fortsetzung von „Der kommende Aufstand“, eines weiteren Manifests, das unter dem Titel A not Amis („An unsere Freunde“) erschien.

Dieses konstatierte schon auf der ersten Seite, bezugnehmend auf etwa die Revolution in Tunesien 2010/2011, die Studentenproteste in Québec 2012, die Ausschreitungen in Griechenland 2008 und die Proteste in Griechenland 2010–2012:  „Die Aufstände sind gekommen, nicht die Revolution.“ (…) wie groß auch immer die Unruhen unter dem Himmel sind, die Revolution scheint überall im Stadium des Aufruhrs zu ersticken. (…) An diesem Punkt müssen wir Revolutionäre unsere Niederlage eingestehen.“

Mit dem erneuten Manifest soll nun ein weiterer Anlauf zur radikalen Veränderung der Verhältnisse geschaffen werden und eine gemeinsame Sprache, mit der die herrschenden Verhältnisse beschrieben und ihre Beseitigung betrieben werden kann, gefunden werden; ein Unterfangen, das nach Ansicht des Rezensenten von WDR 5 am „hohen Abstraktionsniveau“ des Textes scheitert. Am Beispiel des Stratfor-Hacks ziehen die Autoren den Schluss, sich technologisches Wissen anzueignen, sei wichtig, um zerstören zu können und positionieren sich damit im Gegensatz zum Akzelerationismus. Die größte Schwäche des Textes sei, so WDR 5, sein Eurozentrismus.

Der kommende Aufstand (2007)

auf Deutsch
http://www.trend.infopartisan.net/trd1210/insurrection.pdf


An unsere Freunde (2015)

auf Deutsch
weg

Waren die Anthroposophen Nazis? Oder die Nazis Anthroposophen?

Sind die Anthroposophen Nazis? Waren die Nazis Anthroposophen?
Wenn man dieser Seite glauben schenkt, könnte man das meinen zu wissen:

https://www.psiram.com/de/index.php/Anthroposophie

Meinen Recherchen nach sind die Ruhrbarone eindeutig rechts-radikle Störenfriede, die unter anderem die Seite Psiram bearbeiten. Auf ihrer eigenen Seite schreiben sie:

https://www.ruhrbarone.de/anthroposophie-und-nationalsozialismus-die-waldorfschulen-erziehen-zur-volksgemeinschaft/44449
























Was hier abgeht, ist auch interessant - vor allem das letzte Bild des Threats:
http://www.cosmiq.de/qa/show/2469528/war-rudolf-steiner-ein-nazi/






















Und ich habe versucht, dieses Buch ganz zu lesen.























Es ging nicht. Irgendwann in der Mitte war Schluss. Aber die Ruhbarone finden es wohl gut und zitieren gerne daraus als Beleg für ???

"Aufmerksamen Beobachtern fallen bestimmte Bekleidungsgewohnheiten ("Gewandung" genannt) bei Anthroposophen auf. Angaben zu einem "Kleiderkult" des aktiven Anthroposophen ist im Werk "Achtung, Anthroposophie!" von Lydie und Andreas Baumann-Bay zu finden:"
"eine würdig aufrechte Haltung [...] einen Hut, eine Baskenmütze oder [...] ein Kopftuch, im Sommer [...] ein Strohhut. Die Kleidung ist wenig bis gar nicht figurbetont, meist ein bisschen zu warm für die Jahreszeit und selbstverständlich aus 100-prozentig natürlichen Materialien, bevorzugt Wolle oder Seide. Bei den Farben dominieren neben diskreten Erdfarben zarte Töne."[3][4]

Bei heise.de steht schon etwas differenzierter:

"So wie Kinder, die nicht glauben wollen, dass sie von ihren Eltern abstammen, suchte Himmler nach seinen wahren, den götterähnlichen Ahnen, die ihn aus Mittelmäßigkeit und beruflichem Versagen reißen sollten, und fand sie in den Irminen und Asen der ariosophischen Zirkel: Panarische Union, Germanischer Orden, Ordinis Novis Templi und Thule Gesellschaft. Letztere gilt als die Keimzelle der NSDAP. Hitler, Heß, Göring, Rosenfeld und Himmler waren Mitglied, und spielte eine Schlüsselrolle beim Ende der Münchner Räterepublik. Deren Hass auf "Unken- Drachen- Robotermenschen" speiste sich aus der Evolutionslehre der "Wurzelrassen", wie es die Theosophen erschauten und Rudolf Steiner hellseherisch erforschte, ein Erbe, mit dem sich die Antroprosophie heute herumschlagen muss: Die erste Wurzelrasse waren astrale Mondschatten, die Zweite, schweißgeborene, hermaphroditische Riesen, die dritte Rasse bestand aus Gasen, Flüssigkeit und gallertartigen Knochen, und die vierte Rasse, vollkörperliche Riesen mit magischen Kräften, lebte auf Atlantis. Die Arier waren die fünfte Rasse, während die Juden aus den minderrassigen Tschandalen hervorgingen."
https://www.heise.de/tp/features/Im-Kreis-der-schwarzen-Sonne-3451400.html

Puh! Die Beweise sind erdrückend - aber nicht für die Aussagen der Autoren dieser Texte, sondern erdrückend für die Autoren - es sei denn, tertiäre Quellen sind das einzige, was unserem Geist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit vermitteln darf, dann erdrücken die Beweise uns. Ich schnapp nach Luft.

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Ergänzungen vom 9.10.2017:


Zum Thema Steiner | Rassismus empfehle ich folgenden Seiten, von denen auch die folgende Steiner-Zitate sind:

»Ich habe den Menschen nie nach etwas anderem beurteilen können als nach den individuellen, persönlichen Charaktereigenschaften, die ich an ihm kennenlerne. ... Und ich habe im Antisemitismus nie etwas anderes sehen können als eine Anschauung, die bei ihren Trägern auf Inferiorität des Geistes, auf mangelndes ethisches Urteilsvermögen und auf Abgeschmacktheit deutet.«
Rudolf Steiner in: "Gesammelte Aufsätze zur Kultur- und Zeitgeschichte 1887-1901" (GA 31), S. 378 f. 
http://www.humanistische-aktion.de/steiner.htm

"Nur wenn man den Menschen als geistiges Wesen anschauen lernt, kann man wahrhaft alle rassistischen Tendenzen überwinden, ohne zugleich die notwendige menschheitsweite Differenzierung der leiblichen Wesensglieder leugnen zu müssen. Anerkennt man den Menschen hingegen nur als körperliches Wesen, so muß man im Sinne der vielzitierten "Toleranz" danach trachten, die körperlichen Unterschiede der Menschen möglichst zu verwischen. Damit steht man aber völlig außerhalb der Tatsachen, was nur deshalb so wenig auffällt, weil man heute zumeist nicht den realen Menschen, sondern nur sein höchst abstraktes gedankliches Abbild betrachtet.

In Wahrheit gibt es beträchtliche und notwendige Unterschiede zwischen den verschiedenen Rassen und Völkern, denen jeweils ganz bestimmte geistige Aufgaben zukommen, die nur sie erfüllen können. Die damit verbundene unterschiedliche Struktur des physischen und ätherischen Leibes entscheidet aber nicht über den Wert des Individuums, das selbst seelisch-geistiger Natur ist. Die rassische und völkische Anlage des Menschen bezeichnet nur die speziellen Bedingungen, in denen das Individuum lebt.

Nur ein unklares Denken kann beides miteinander verwechseln; es wäre genauso, als wollte man den moralischen Wert eines Menschen daran bemessen, wie prunkvoll seine Kleidung oder seine Behausung ist. Die physisch-ätherische Natur des Menschen unterscheidet sich nicht wesentlich von der Landschaft und dem Klima, in das der Mensch hineingeboren wird – aber wollte man deswegen den Bergbewohner dem im flachen Land lebenden Menschen vorziehen, oder umgekehrt? Jede Art von Rassismus oder Nationalismus entspringt einem solchen unklaren Denken, dass überwunden werden muss, wenn die Menschheit nicht in den Niedrgang kommen soll."

https://anthrowiki.at/Rassen#Rassenideale_sind_der_Niedergang_der_Menschheit

Waren die Illuminaten in Wirklichkeit Aufklärer?

Es ist gerdezu verblüffend, welche Wandlungen der Begriff Illuminatismus innerhalb 40 Jahren durchmachen mußte und wie weit er sich von seiner ursprünglichen Bedeutung in der Anschauung der Menschen entfernte. Weishaupt wollte mit Illuminatismus den Weg zur Selbstveredelung und Menschenliebe bezeichnen.
[...]
Jedenfalls ist es gut, daß im Wandel der Zeit jene Verdrehungen und Verleumdungen, namentlich des 18. Jahrhunderts, vergessen wurden, wenn nur nicht in letzter Zeit der klägliche Versuch gemacht wurde, diesen alten Staub aufzuwirbeln mit der unverhohlenen Absicht, den neueren Illuminaten-Orden in Mißkredit zu bringen. Wir werden genötigt sein, über diese Versuche später ein Wort zu reden, jetzt sei nur noch kurz gesagt, was heute unter Illuminatismus zu verstehen ist.
[...]
Wissen steht ihm höher als bedingungsloser Glaube. Das innere Erleben allein kann zum wissenden Erkennen führen und dann zum endlichen Wahrheitssieg. Stellt man nun die alte Pilatusfrage: Was ist Wahrheit? so ist zu antworten: Wahrheit ist ein inneres Licht, dessen Strahlen den Weg des Erdenmenschen erleuchten soll, nur sind viele blind, sie empfinden die Strahlen nicht. Wem die Augen geöffnet sind, der kennt kein Abweichen vom rechten Wege mehr, bedarf keines Führers, sondern wandelt seine Straße ohne solche Hilfe. Den Menschen fähig zu machen, daß ihm das innere Licht aufgehe, lehrt der Illuminatismus.

Quelle: http://www.parareligion.ch/2007/engel/illuminatismus.htm

Bleibt die Frage, wer verbirg sich hinter den "bösen" Illuminaten. Die Antwort 1 ist einfach: Die Satanisten. Ha! Sind die Saturnisten die gleichen? Siehe Fraternitas Saturnis

Wie wir der Selbst-Erkenntnis aus dem Wege gehen.

William Law schrieb: „Wenn Gott auch überall gegenwärtig ist, so für dich nur im Innersten deiner Seele. Deine natürlichen Sinne können Gott weder in Besitz nehmen noch sich mit ihm vereinen. Deine geistigen Kräfte, Verstand, Wille, Gedächtnis können sich lediglich auf Gott hin ausrichten, aber nicht seine Wohnstatt in dir sein. In deinem Innern ist dir doch eine Wurzel oder eine Tiefe, der alle Fähigkeiten entspringen wie Linien von einem Mittelpunkt oder wie Äste vom Stamm eines Baumes ausgehen. Sie heißt die Mitte, der Kern, der Grund der Seele. Diese Tiefe ist die Einheit in Ewigkeit. Ich hätte fast gesagt, die Unendlichkeit deiner Seele.“

Diese Haltung einerseits und andererseits der kühne Versuch (der mit der Reformation begann und im Fundamentalismus endete), die Bibel buchstäblich und nur buchstäblich zu nehmen, gerade zu einer Zeit, als deren Bedeutungsfülle vom Götzenbewusstsein auf subtile Weise unterminiert wurde - das sind die zwei entgegengesetzten und komplementären Pole, um die sich der Protestantismus bisher gedreht hat.
[...]
Und dennoch, für ein feines und aufrichtiges, moralisches Gespür ist vielleicht in keinem der beiden geschilderten Fälle die Beziehung zwischen Moralität und Imagination so irrelevant, wie es zuerst erscheinen mag. Die Verbindung zwischen Geist und Herz ist ein überaus zartes Geheimnis, und Härte ist hier ansteckend. Meiner Überzeugung nach wird es sich zeigen, dass auf einer, wenn auch noch so tiefen Ebene ein berechtigeter Zusammenhang zwischen dem besteht, was ich 'Buchstäblichkeit' genannt habe, und einer gewissen Verhärtung des Herzens.

Beobachtet man aufmerksam die Reaktion eines abgestrumpften, am Buchstäblichen hängenden Geistes auf das, was sich immerfort als Allegorie oder Symbol darstellt, wird man eine bestimmte Gereiztheit feststellen, d. h. die Anfänge einer Aggressivität, die sich in der Ablehnung andeutet. Hier liegt meiner Meinung nach eine im Tiefen verborgene moralische Geste vor.

Man hört z. B. von buchstäblich gesonnenen Menschen, dass sie den Verdacht hegen, 'man wolle ihnen etwas'. Und das trifft wirklich zu, denn man will ihnen in dem selben Sinne etwas, in dem auch ihr Unterbewusstsein ihnen durch symbolische Träume 'etwas will'.

Solche Menschen sind sich dunkel der Tatsache bewusst, dass versucht wird, ihre Götzenbilder zu zerschlagen; und dass sie eingeladen sind, ihren Fuß auf einen langen Weg zu setzten, der am Ende zur Selbst-Erkenntnis führt - mit all den belastenden Erniedrigungen, die das mit sich bringt. Hiergegen hegen sie eine instinktive Abneigung und bevorzugen es, 'buchstäblich-gesonnen' zu bleiben. Doch dass sie dies tun, wird ihnen kaum bewusst, das sie ja gerade der Selbst-Erkenntnis aus dem Wege gehen."

aus Owen Barfield - Die Evolution des Bewusstseins

Paracelsus - Sieben Wege zum Wissen

Nach Paracelsus sollte man gewisse Regeln befolgen und sieben Wege kennen, um sich das notwendige Wissen für Heilkunst anzueignen.

Die erste Regel ist ein lebenslanges Studieren, denn das Leben ist kurz und die Kunst in lang. Wer glaubt, ausgelernt zu haben, hat das Wesentliche nicht begriffen.

Die zweite Regel ist der Respekt vor dem Wissen und der Erfahrung anderer. Paracelsus meinte, „dass der Arzt nicht alles, was er können und wissen soll, auf den Hohen Schulen lernt und erfährt, sondern er muss auch zeitweise zu alten Weibern, Zigeunern, Schwarzkünstlern, Landfahrern, alten Bauersleuten und dergleichen unachtsamen Leuten in die Schule gehen und von ihnen lernen. Denn diese haben mehr Wissen von solchen Dingen als alle Hohen Schulen.“

Um solchen Menschen zu begegnen, muss man allerdings sein Studierstübchen verlassen und sich auf Wanderschaft begeben, „weil keinem der Meister im Hause wächst und weil keiner seinen Lehrer hinter dem Ofen hat. Nicht alle Künste sind im Vaterland eines Menschen verschlossen, sondern sie sind in der ganzen Welt verteilt.“

Die dritte Regel ist die Lebensweise. Sie sollte nicht nur bescheiden, sondern so weit wie möglich im Einklang mit den kosmischen Gesetzten sein. Dabei ist nicht wichtig, ob einem dies bereits gelungen ist, wichtig ist, dass man sich bemüht. Außerdem solle man jede Art von Exzessen meiden.

Die vierte, letzte und wichtigste Regel ist die Erfahrung, denn nur sie macht den Heiler zu einem Meister. Erfahrung hat bei Paracelsus allerdings nichts mit „Trial and error“ zu tun. Erfahrung ist vielmehr, „die Kenntnis von dem, was mit Wissen erprobt wird“. Dieses Wissen kann man sich auf sieben verschiedene Weisen aneignen, denn „sieben Wege gibt es, auf welchen wir kunstreich werden“.

Wahre Heiler erlangen Wissen [Zusammenfassung]

1. über Geistwesen (Magie, Channeling, etc.)
2. durch die Überlieferung von Mensch zu Mensch
3. durch die eigene Erfahrung
4. durch Voraussicht über Kontakt mit Elementarwesen
5. über die Chiromantie
6. über die Physionomie
7. über die gesamte Formensprache einer Substanz.

Text aus:
Paracelsusmedizin: Altes Wissen in der Heilkunde von heute. Philosophie, Astrologie, Alchimie, Therapiekonzepte

An was glaubst du?

1. Der Materialismus behauptet, dass das Leben eine Reise vom Mutterschoß bis zum Grab sei, dass der Intellekt das Resultat gewisser wechselseitiger Beziehungen innerhalb der Materie sei, dass der Mensch die höchste Intelligenz im Weltganzen darstelle, und dass diese Intelligenz zugrunde gehe, sobald sich der Körper im Tod auflöse.

2. Die Theorie der Theologen behauptet, dass bei jeder Geburt eine neugeschaffene Seele frisch aus der Hand Gottes in die Arena des Lebens trete und aus einem unsichtbaren Zustand durch das Tor der Geburt in eine sichtbare Existenz gelange; dass sie am Ende einer kurzen Zeitspanne - die sie in der materiellen Welt verbringe - durch das Tor des Todes in das unsichtbare Jenseits hinübergehe, von wo sie niemals wiederkehre; dass ihr Glück oder Elend dort für alle Ewigkeit durch ihre Taten während des winzigen Zeitraumes zwischen Geburt und Tod bestimmt werde.

3. Die Theorie der Wiedergeburt lehrt, dass jede Seele ein integrierter Bestandteil der Gottheit sei, der alle göttlichen Eigenschaften entfalte, so wie sich aus dem Samen die Pflanze entwickle. Sie lehrt, dass durch wiederholte Leben in immer besseren Erdenkörpern die latenten Möglichkeiten sich langsam zu treibenden Kräften entwickeln würden, dass bei diesem Vorgang niemand verloren gehe, und dass alle Menschen am Ende das Ziel der Vollkommenheit und die Wiedervereinigung mit Gott erreichen.

Fazit: Die erste dieser drei Theorien ist monistisch. Sie sucht alle Tatsachen des Daseins als Vorgänge innerhalb der Materie zu erklären. Die anderen zwei Theorien stimmen darin überein, dass sie dualistisch sind, das heißt, sie schreiben einen Teil der Existenz-Phasen und Existenz-Tatsachen einem überphysischen, unsichtbaren Zustand zu, gehen aber in anderen Punkten weit auseinander.

Die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewusstsein

Denn zu dieser [okkulten] Ausbildung muss die vollkommene Beherrschung des ganzen Menschen durch das Selbstbewusstsein angestrebt werden, so dass bei ihm Leib, Seele und Geist in einer vollkommenen Harmonie sind. Die Verrichtungen des Leibes, die Neigungen und Leidenschaften der Seele, die Gedanken und Ideen des Geistes müssen in einen vollkommenen Einklang miteinander gebracht werden.

Der Leib muss so veredelt und geläutert werden, dass seine Organe zu nichts drängen, was nicht im Dienste der Seele und des Geistes geschieht. Die Seele soll durch den Leib nicht zu Begierden und Leidenschaften gedrängt werden, die einem reinen und edlen Denken widersprechen.

Der Geist aber soll nicht wie ein Sklavenhalter mit seinen Pflichtgeboten und Gesetzen über die Seele herrschen müssen; sondern diese soll aus eigener freier Neigung den Pflichten und Geboten folgen. Nicht wie etwas, dem er sich widerwillig fügt, soll die Pflicht über dem Geheimschüler schweben, sondern wie etwas, das er vollführt, weil er es liebt.

Eine freie Seele, die im Gleichgewichte zwischen Sinnlichkeit und Geistigkeit steht, muss der Geheimschüler entwickeln. Er muss es dahin bringen, dass er sich seiner Sinnlichkeit überlassen darf, weil diese so geläutert ist, dass sie die Macht verloren hat, ihn zu sich herabzuziehen.

Er soll es nicht mehr nötig haben, seine Leidenschaften zu zügeln, weil diese von selbst dem Rechten folgen. Solange der Mensch es nötig hat, sich zu kasteien, kann er nicht Geheimschüler auf einer gewissen Stufe sein.

Eine Tugend, zu der man sich erst zwingen muss, ist für die Geheimschülerschaft noch wertlos. Solange man eine Begierde noch hat, stört diese die Schülerschaft, auch wenn man sich bemüht, ihr nicht zu willfahren. Und es ist einerlei, ob diese Begierde mehr dem Leibe oder mehr der Seele angehört.

Wenn jemand zum Beispiel ein bestimmtes Reizmittel vermeidet, um durch die Entziehung des Genusses sich zu läutern, so hilft ihm dies nur dann, wenn sein Leib durch diese Enthaltung keine Beschwerden erleidet. Ist letzteres der Fall, so zeigt es, dass der Leib das Reizmittel begehrt, und die Enthaltung ist wertlos.

In diesem Falle kann es eben durchaus sein, dass der Mensch zunächst auf das angestrebte Ziel verzichten muss und warten, bis günstigere sinnliche Verhältnisse - vielleicht erst in einem anderen Leben - fuür ihn vorliegen.

Ein vernünftiger Verzicht ist in einer gewissen Lage eine viel größere Errungenschaft als das Erstreben einer Sache, die unter gegebenen Verhältnissen eben nicht zu erreichen ist. Ja, es fördert solch ein vernünftiger Verzicht die Entwicklung mehr als das Entgegengesetzte.

Aus WIE ERLANGT MAN ERKENNTNISSE DER HÖHEREN WELTEN, Kapitel: Über einige Wirkungen der Geheimschulung, RUDOLF STEINER ONLINE ARCHIV, 4. Auflage 2010, http://anthroposophie.byu.edu